Das Programm des Theater Hintenlinks' steht. Highlight ist eine Lesung über Manfred Krug

Spielzeit 2019: Theater hintenlinks – neue Spielzeit

Kritisch hinterfragen – das haben sich die Gutowskis mit ihrem Theater zum Credo gemacht. Das Programm für die erste Jahreshälfte steht. Ein Highlight im Januar ist die Lesung über das Leben von Manfred Krug.

Brennende Tannenbäume, Tagebücher von Wahnsinnigen und bewegende Begegnungen an Imbissbuden – die Liste der außergewöhnlichen Inszenierungen am Theater hintenlinks ist lang. Genauso wie die, der gesellschaftskritischen Filme, die Peter und Anuschka Gutowski für jede ihrer Spielzeiten aussuchen. Auch für das neue Jahr stehen wieder ein Mix aus Theater und Film auf dem Programm. Das besondere Highlight, wie Peter Gutowski hervorhebt, ist eine szenische Lesung. „Wir widmen uns mit Michael Grosse dem Schauspieler Manfred Krug“, erzählt Gutowski. „Szenen aus seiner Biografie ‚Mein schönes Leben‘ werden vorgelesen.“

Das Buch sei ein Stück Zeitgeschichte, wie er findet. „Fast nichts ist aus Krugs Leben hier im Westen bekannt“, ergänzt Anuschka Gutowski und weist daraufhin, dass der Tatort-Kommissar und Liebling Kreuzberg-Darsteller seine Karriere in der ehemaligen DDR begann. Weil sie ihn selber mögen und zu seinem 80. Geburtstag ehren wollten, kam ihnen der Gedanke, etwas über ihn auf die Bühne zu bringen. So schlüpft Grosse in die Rolle des Autobiografen Krug, während Anuschka Gutowski seine Urgroßmutter spielt. Musikalisch werden die beiden vom Akkordeonspieler Ruslan Maximovski begleitet. „Wir freuen uns auf das Stück, das nun endlich Premiere feiern kann“, sagt Peter Gutowski. Eigentlich hätte die Lesung schon vor eineinhalb Jahren stattfinden sollen, doch aus technischen Gründen wurde sie verschoben. Wer sich für Manfred Krug interessiere, solle auf jeden Fall die drei Termine im Januar (18. bis 20.) wahrnehmen. Denn laut Gutowski sei nicht klar, ob die Lesung eine Fortsetzung erfahren wird.

Soziale Gerechtigkeit ist
dritter und neuer Schwerpunkt

Neben dieser Veranstaltung legen die Gutowskis Interessierten auch den Rest des Programms ans Herz – auch wenn sie wissen, dass vieles nicht den Geschmack der breiten Masse treffen wird. Das sei aber auch nicht ihr Ziel. „Wir wollen Themen aufgreifen, die für uns relevant sind. Das bedeutet, sich mit Problemen auseinanderzusetzen und sie kritisch zu hinterfragen“, erklärt Peter Gutowski. Das sei schließlich nichts Schlimmes. So gehören seit je her gesellschaftspolitische Themen zum Theater hintenlinks, die auch diesmal wieder in drei Schwerpunkte unterteilt sind: Arbeitswelten, Krieg, Flucht und Vertreibung sowie Soziale Gerechtigkeit – letzterer sei neu im Spielplan. „Wir lesen viel, schauen Nachrichten und schnappen dann Dinge auf, die wir für das Theater umsetzen – entweder als Stück oder als Filmaufführung“, sagen die Gutowskis.

Als weiteres Beispiel nennen sie das Stück „Ich gebe dem Oberst die Verantwortung zurück“. Dieses beinhaltet Auszüge aus Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“. „Es geht um einen Soldaten, der aus dem Krieg zurückkehrt und vollkommen traumatisiert ist“, erzählt Anuschka Gutowski, die in die Rolle schlüpfen wird.

Das Stück wird durch die Texte ihres Mannes ergänzt, die in der dritten Szene, Texte zum Thema „Traumatisierte Soldaten der Bundeswehr“ enthalten. Neben diesem Werk steht auch das gesellschaftskritische Stück Budenzauber wieder auf dem Plan – eine Geschichte über Menschen, die nach Peter Gutowski in prekären Verhältnissen leben. Handlungsort: eine Imbissbude.

Menschen mit ihren Programm zum Nachdenken zu animieren, ist der Anspruch des Ehepaars. Das wollen sie nicht nur bei den älteren Semestern erreichen, sondern auch bei den jüngeren. Deshalb bieten sie auch in dieser Spielzeit wieder Angebote für Schulen an.