Sternzeichen-Melodien im Theater am Marienplatz

Premiere : Tierkreise musikalisch aufbereitet

Im Theater am Marienplatz spielt Pit Therre die Sternzeichen-Melodien von Karlheinz Stockhausen auf dem Bandoneon.

Die Wissenschaft hält es für Unfug. Der Zeitpunkt der Geburt und damit die Zuordnung zu einem bestimmten Sternzeichen des Tierkreises sollen Einfluss auf den menschlichen Charakter haben? Das glauben allerdings alle, die ihr Horoskop lesen, um herauszufinden, was ihnen als Wassermann, Schütze oder Jungfrau in nächster Zeit blühen könnte. Wie dem auch sei, der Komponist Karlheinz Stockhausen hat für sein Werk „Tierkreis“ seine eigenen Charakterstudien betrieben und anschließend Sternzeichen-Melodien geschrieben. Im Januar kann man die Musik im Theater am Marienplatz (Tam) hören.

Für das Bühnenbild
ist Gerwin Kothen zuständig

Stockhausen, einer der ganz Großen in der Musik des 20. Jahrhunderts, hat die zwölf Sternzeichen-Melodien ursprünglich für sein Werk „Musik im Bauch für sechs Schlagzeuger und Spieluhren“ komponiert (1975). Eine Schweizer Spieluhrfirma hat für ihn entsprechende Spieluhren gebaut. Es entstanden aber auch Instrumentalfassungen. Tam-Hausherr Pit Therre hat eine Klavierfassung für das Spiel mit dem in Krefeld erfundenen Handzuginstrument Bandoneon arrangiert. Zwölf Lichtkästen mit Bildern der Symbolfiguren für die Sternzeichen stehen auf der Bühne des Tam im Kreis (Bühnenbild: Gerwin Kothen). Kabel führen von den Kästen zu einem runden kleinen Podest in der Mitte. An seinem Rand liegen Fußschalter zum Ein- und Ausschalten der Lichtkästen.

Auf dem Podest nimmt Therre mit seinem Bandoneon auf einem Drehstuhl Platz. Dreimal insgesamt spielt Therre die zwölf Stücke. Zunächst reiht er die pure Melodie und dann die Melodie mit Begleitung aneinander. In der nächsten Runde hört man nur die Melodie, in der letzten die Melodie plus Begleitung. Bei jedem Stück wendet sich Therre dem jeweiligen Lichtkasten zu. Die Melodien basieren auf zwölftönigen Skalen, jede kreist um einen anderen Hauptton. Der Zyklus beginnt mit dem „Wassermann“ und dem Hauptton Es. Es folgen, chromatisch aufwärts, die „Fische“ in E.

Der Kreis schließt sich mit dem „Steinbock“ und dem Hauptton D. Stockhausen, der unter anderem der seriellen Musik zugeordnet wird, hat sich wie viele Komponisten des 20. Jahrhunderts von der diatonischen Dur-Moll-Tonalität verabschiedet. Die bestimmt aber immer noch die populären Musikformen.

So wirken denn auch die „Tierkreis“-Melodien zunächst sperrig. Durch die Wiederholungen jedoch beginnt man sich einzuhören, erkennt Motive wieder, nimmt vielleicht sogar subjektiv unterschiedliche Stimmungen wahr. Ob man dabei Charakterbilder entdeckt, erscheint zweitrangig. Auf jeden Fall erhält man einen Zugang zu einem Stück Kunstmusik der Moderne, durch das Bühnenbild atmosphärisch ansprechend und von Therre musikalisch nachvollziehbar gestaltet.

Die nächsten Aufführungen sind am 11., 18. und 25. Januar, 22 Uhr.

Mehr von Westdeutsche Zeitung