Jüdische Kulturtage: Krefelder Künstler schaffen Bilder, Skulpturen und Installationen

KREFELDER KUNST : Ein kritischer Blick voller Hoffnung

Für die jüdischen Kulturtage haben Kreative der Gemeinschaft Krefelder Künstler Bilder, Skulpturen und Installationen geschaffen, die bis 14. April zu sehen sind.

Wie erledigte Bestellzettel aus einer Gastronomie sind zahlreiche Papierquadrate auf einen 15 Zentimeter langen Nagel gesteckt. Nur, dass das, was auf diesen Zetteln steht, für Edith E. Stefelmanns nicht erledigt ist. Die Künstlerin hat Zeitungsartikel auf Architektenpapier kopiert und zurechtgeschnitten. Zeitungsartikel, die sich mit einer für sie wichtigen Frage beschäftigen. „Es fehlt meiner Meinung nach noch an Austausch“, sagt die Kreative aus der Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) über jüdisches Leben heute.

Dieser Gedanke entstand bei ihr schon, als sie die neun im Quadrat angeordneten Stelen mit Nägeln und Papier für die damalige Ausstellung zu den jüdischen Kulturtagen schuf. „Der Titel der Kulturtage war damals ,Angekommen’, und das habe ich in Frage gestellt“, sagt Stefelmanns. Nun hat sie ihre Werke für die neue Ausstellung von GKK-Künstlern im jüdischen Gemeindezentrum an der Wiedstraße anlässlich der jüdischen Kulturtage 2019 aktualisiert und modifiziert.

Es geht um die Frage nach dem Wunsch der jüdischen Gemeinschaft, wieder in Deutschland Wurzeln zu fassen. „Gemeinsam“ steht auf einem der Zettel – nach dem Titel eines Gedichts von Rose Ausländer. Die Schlagworte „Jüdisch“, „Heute“, „Hier“ stehen auf einem weiteren untereinander – nach dem Untertitel des diesjährigen Kulturtage-Mottos „Zuhause – Jüdisch. Heute. Hier.“. Für sie sei das Thema „noch nicht abgearbeitet“, sagt die Künstlerin.

Die Werke sind hinterfragend,
kritisch, zum Teil düster

Wie sie sind auch die Arbeiten weiterer acht Künstler eher kritisch, hinterfragend, zum Teil düster. „Im Gegensatz zu einem Großteil der Veranstaltungen in NRW mit einem positiven, einem Zukunftsbild“, fasst die GKK-Vorsitzende Christine Prause zusammen.

Claudia Reich fiel die Auseinandersetzung mit dem Motto der Kulturtage schwer, erzählt sie. „Ich habe mich wochenlang damit auseinandergesetzt und alle Ideen wieder verworfen.“ Bis sie in Berlin war und sich dort unter anderem auch an der Synagoge umsah. „Es war meine erste Begegnung damit, dass überall Absperrband ist.“ Und genau diesen Eindruck griff sie in einer Reihe von Arbeiten auf, in der sie Absperrband verarbeitete. „Es sollte nicht nötig sein, einen anderen Glauben zu sichern“, sagt sie und hat das Rot und Weiß der Plastikstreifen in einer Reihe von Bildern neu arrangiert. Eines ist nun im Gemeindezentrum zu sehen.

Nach Krefeld holt Peter M. Hasse die Frage nach der jeweils ganz persönlichen Geschichte und Herkunft der Menschen. In von ihm veränderten Schwarz-Weiß-Fotos von der letzten Überschwemmung der Rheinwiesen finden sich ein mit einer Mischung aus Graphit und Schellack angedeutete siebenarmiger Leuchter oder leicht wehende Textilbahnen – Letztere sind inspiriert durch die jüdische Künsterin Anna Schapiro.

Mit ganz konkreten Menschen jüdischen Glaubens hat sich Annette Baltzer in zwei Kohle-Pastell-Porträts auf gefärbtem Papier auseinandergesetzt: der ersten deutschen Rabbinerin „Fräulein Rabbiner Regina Jonas“, die in Auschwitz starb, und der ersten Rabbinerin in Deutschland nach der Schoah – also der Massenvernichtung der Juden -, Elina Treiger. Zwei geschwärzte Holzschnitte zum Thema „familiäre Geborgenheit“ sind von Anna von Borstel in der Ausstellung zu finden. Mit dem Kontrast von Schwarz und Weiß arbeitet Petra Wittka bei ihren Linol-Drucken ohne Titel. Für sie begegnen sich zuhause, was für sie Heimat heißt, Christen- und Judentum, verschiedene Kulturen, aber eben auch „Verfolgte und Verfolger“.

Einen Hoffnungsschimmer nach schweren Zeiten hat Czaja Braatz in einer Installation mit Keramiken festgehalten. „Zuhause ist für mich mit einer bestimmten Nation verknüpft“, sagt sie über die drei Schalen, in denen sie Schwarz, Rot und Gold verarbeitet hat. Schwarz für „die Dunkelheit der Geschichte“, gefüllt mit Erde, Rot für „Blut, Schmerz und Krieg“ und Gold für Licht und Demokratie. In der letzten Schale liegen Schriftrollen mit Worten oder Phrasen, die, wie zum Beispiel „Hals- und Beinbruch“, auf das Hebräische oder Jiddische zurückgehen.

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