Krefeld: Ausstellung soll Blick auf Menschen ändern

Ausstellung : Ausstellung soll Blick auf Menschen ändern

Besucher können unter dem Titel „Schubalden“ ihre Vorurteile hinterfragen. Etwa 50 Porträts sind in der Dionysiuskirche zu sehen.

Porträts von etwa 50 Menschen sollen zeigen, dass sich ein zweiter Blick immer lohnt, statt sich auf seine Vorurteile zu verlassen. Die Dionysiuskirche lädt bis Dienstag, 16. April, zur Austellung „Schubladen“ ein. Die Menschen, sagt Fotografin Meike Hanraths, sind nach dem Fotografieren oft nicht mehr die Gleichen. Beispielsweise schüchterne Persönlichkeiten glänzen nach dem Fotoshooting mit neuem Selbstbewusstsein, das ihr äußeres Erscheinungsbild prägt. Hanraths trägt dazu bei: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und alles was interessant ist, ist auch schön.“ Da sie die Menschen, die sie fotografiert, in der Regel vorher nicht kennt, bemüht sie sich um einen unvoreingenommenen Blick. Eine Stunde vor dem Shooting baut sie eine Vertrauensbasis auf.

190 Menschen hat die Fotografin für „Schubladen“ abgelichtet

Seit 2015 arbeitet die Fotografin an ihrem „Herzensprojekt“. Für „Schubladen“ sind 190 Bilder entstanden. Auch in Städten wie Köln und Essen war ihre Ausstellung bereits zu sehen. Ende 2018 in Mönchengladbach das erste Mal in einer Kirche: „Ich finde, es passt sehr gut. Vor allem in der Kirche lebt der Gedanke, dass wir vorurteilsfrei sein und friedlich miteinander umgehen wollen.“

Ulrich Hagens von der Cityseelsorge stimmt ihr zu: „Wir wollen den Menschen ein Ansehen geben.“ Um mit Klischees aufzuräumen und daran zu erinnern, dass sich ein zweiter Blick lohnt, ist die Ausstellung durch ein Rätsel interaktiv gestaltet. Damit soll der Betrachter bewegt werden, sich auch wirklich mit der Thematik des Schubladendenkens auseinanderzusetzen.

Unter jedem Porträt finden sich vier Beschreibungen, wer die dargestellte Person im wahren Leben seien könnte. Der Mensch macht sich innerhalb von Sekunden ein Bild von seinem Gegenüber und steckt ihn in eine Schublade. Doch entscheidend ist, „dass wir die Schublade offenlassen, um Korrekturen vornehmen zu können“, sagt Hanraths. „Bewahren Sie sich die hartnäckige Neugier für die nächste Begegnung.“

Hanraths will die innere Stärke der Menschen abbilden

Auf ihren Porträts stehen die Gesichter im Vordergrund. Wenn die Fotografin nach dem Gespräch entschieden hat, was sie in den Menschen sieht — einen Jäger, einen Fürsten oder vielleicht eine Künstlerin — kleidet sie diese insbesondere in Seidenstoffe. „Jedem Menschen steht eine bestimmte Farbe besonders gut“, bemerkt Hanraths. Hanraths will vor allem die „innere Stärke und Unversehrtheit“ abbilden. Hagens betont, dass sich gerade die Fastenzeit als Ausstellungszeitraum eignet: „Es ist eine Zeit der Besinnung sowie der Umkehr und Bereitschaft etwas zu ändern, hier eben den Blick auf andere Menschen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung