Die fünften Jüdischen Kulturtage beginnen bald

Jüdische Kulturtage: Jüdische Kulturtage: Zuhause im Blick

200 Veranstaltungen in 15 Städten – davon elf in Krefeld. Vom 28. März bis zum 14. April dreht sich bei den Aktionstagen alles um jüdische Impulse in der heutigen Zeit.

„Zuhause – Jüdisch. Heute. Hier“: Unter diesem Motto beginnen am 28. März die Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr, die im Rahmen eines umfassenden Kulturprogramms rundum zeitgenössische wie auch historisch bedeutende Werke und Bestandteile der jüdischen Kultur die Vielfalt des jüdischen Lebens in der Region herausstellen sollen. In diesem Jahr wollen die Verantwortlichen noch offensiver hervorheben, dass die jüdische Gemeinde ein etablierter Teil der Gesellschaft ist.

Das betont auch die Leiterin der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, Sandra Franz, die die Kulturtage in Krefeld organisiert. Im Zeitraum vom 28. März bis 14. April sind in 15 Städten in NRW mehr als 200 Veranstaltungen rund um zeitgenössische jüdische Kunst, Musik, Literatur und Geschichte geplant. In Krefeld sind es elf. Beteiligt sind neben der NS-Dokumentationsstelle zahlreiche Krefelder Institutionen, Gruppen und mehr – insbesondere aber die Jüdische Gemeinde Krefeld.

Auftakt der Veranstaltungsreihe
ist am 29. März

Den Auftakt der Kulturtage macht der 16. Grüne Salon Krefeld am 29. März. An der Diskussion über das Thema der Perspektiven und Situation im Nahen Osten nimmt Kerstin Müller, Leiterin des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Tel Aviv, teil. Am 31. März folgt ein Musikabend in der Krefelder Synagoge, bei dem Gäste ein koscheres Drei-Gänge-Menü erwartet.

Die Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde hebt Franz besonders hervor. Neben ihrer eigenen Veranstaltung bietet das Jüdische Kulturzentrum zudem der Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) einen Veranstaltungsort für ihre Ausstellung zum Thema der Kulturtage. Am 4. April stellen sich Jugendliche die Frage „Christlich, jüdisch, muslimisch, na und?“. Sie diskutieren, was für sie im Leben wirklich von Bedeutung ist und inwiefern die Unterschiede zwischen den Religionen hier überhaupt ins Gewicht fallen.

In Zeiten eines wiedererstarkenden Rechtspopulismus sei es, so Franz, wichtig zusammenzurücken und Gemeinsamkeiten aufzuschlüsseln, erklärt Sandra Franz. Des Weiteren erweitern der Auftritt des jazzmusikalischen „Omer Klein Trio“ und die Aufführung des Theaterstücks „Zwischenfall in Vichy“, das von einer Gruppe inhaftierter jüdischer Männer im Vichy-Regime handelt.

2019 richte sich der Fokus der Kulturtage allerdings auf die historisch begründete Vielfalt der jüdischen Kultur und Perspektiven, während im Vergleich eher wenige Veranstaltungen den Holocaust thematisieren, erklärt Franz.

Dies sei ein wichtiges Signal. Denn die jüdische Perspektive und Kultur dürften nicht nur darauf reduziert werden, obgleich die stetige Erinnerung und Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus weiterhin ein zentraler Bestandteil sein müsse, so die Leiterin der NS-Dokumentantionsstelle.

So gehe es im Rahmen der Kulturtage darum, zwar an Schreckliches zu erinnern, doch die Kultur und Religion selbst zu feiern.

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