Neviges : Kreative stellen im Dom aus

Velberter Künstlernetzwerk bringt verschiedene Kulturen zusammen.

„Ich finde es gut, dass dieser Dom ein Forum für die Kunst bietet und dass der klassische Wallfahrtsort sich für die Kunst öffnet“, findet Gerd Schütte. Der Essener Galerist ist nicht der einzige, der mit Begeisterung die Eröffnung von „Crossroads“ im Dom verfolgt. „Dabei hatte ich gedacht, bei dem schönen Wetter kommt keiner“, so die Befürchtung von Carola Teschler. Die Nevigeser Künstlerin hatte vor 15 Jahren die Gruppe European Artist gegründet. Das aktive Mitglied in der Pfarrgemeinde hätte damals nie damit gerechnet, dass die Künstler ihres Netzwerkes einmal in der Kirche ausstellen werden.

„Crossroads passt gut zu Straßenkreuzungen und zu den anderen Kreuzigungen unserem Dom“, stellt Wallfahrtsleiter Bruder Frank Krampf fest. „Unser Mariendom als Kunstobjekt von Weltruhm ist jetzt selber Gastgeber für gut 30 Künstler.“ Die Kreativen, die inzwischen weit über Europa hinaus kommen, haben zwei Wochen lang intensiv im Pilgersaal und in der halben Stadt gearbeitet, wo sie auch untergekommen waren.

„Es hat alles wunderbar geklappt“, war Gastgeberin Teschler zufrieden, die erklärte, dass European Artists eine gemeinnützige Organisation ist, die sich einmal im Jahr zu einem Symposium trifft, diesmal eben in Neviges zu Feier des Domjubiläums. „Die Kulturen mischen sich, man kann Neues erfahren. Kunst ist eine Sprache, sie kann eine Aussage machen. Das ist das Allerwichtigste, denn Menschen eine Mitteilung auf den Weg zu geben.“

Simone Ramshorn ist die einzige Velberterin unter den Künstlern

Simone Ramshorn gibt ihr Recht: „Das ist super-spannend, was man in den einzelnen Ländern erlebt. Wir tauschen uns nicht nur über Kunst aus, sondern auch was politisch in den einzelnen Ländern passiert.“ Die einzige Velberterin in der Künstlergruppe zeigt in der Unterkirche mit zwei Bildern, dass jeder Mensch eine Farbe hat, die in der Kirche zusammentreffen.

Am auffälligsten war bei der Ausstellung Vinay Sharma: Der indische Künstler saß im Eingangsbereich des Doms an einer Nähmaschine, an der er symbolisch an seiner Kleidung arbeitet, die ganz aus Schriftzeichen besteht. „Er möchte damit zeigen, wie wichtig die Menschen sind, die vorher gelebt haben und ihnen seine Respekt zollen“, sagt Karola Teschler. Nicht weit davon wird die Dunkelheit der Kirche durch grelles Licht unterbrochen: Petra Höcker hat einen Raumkubus aufgebaut, um Licht und Leichtigkeit darzustellen. Vor dem Altar gab es Kunst zum Mitnehmen: Die dort ausgestellten Bilder konnten sofort gekauft werden, das Geld geht direkt an ein Hilfsprojekt in Kenia. Bertold Ufermann überlegte nicht lange und zückte seine Brieftasche: „Diese beiden Bilder haben mich sofort angesprochen, die musste ich haben.“ Die Ausstellung im Dom kann bis zum 25. November täglich außerhalb der Messen von 8 bis 18 Uhr besichtigt werden.