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Stadt-Teilchen: Ist der Himmel noch zu retten?

Stadt-Teilchen : Ist der Himmel noch zu retten?

Wenn der Koffer in Weeze oder in Dallas landet. . .

Flug SQ 326 von Singapur nach Frankfurt. Die zarte Asiatin hinter dem Check-in-Schalter schaut auf den Koffer, den ich gerade aufs Gepäckband gehievt habe. Der Flughafen hat nicht nur einen Schmetterlingsgarten, sondern auch einen sehr schönen Namen: Changi. Kann man in praktisch jeder Sprache aussprechen und: sich leicht merken. Changi klingt wie ein Sino-Pop-Sänger oder die Bezeichnung für einen Wickelrock, ist aber der Name eines Fischerdorfes in der Nähe des asiatischen Stadt-Staates. Mit Singapur haben wir Düsseldorfer übrigens was gemeinsam: Den Löwen als Maskottchen im Stadtbild.

Foto: dpa

„Frankfurt?“ fragt die freundliche Dame. Ja, aber bitte das Gepäck durchchecken bis Düsseldorf. „Düsseldorf?“ Der Ort ist in Asien keine bekannte Größe. Noch weniger das Bundesland, in dessen Hauptstadt der Koffer zu Hause ist. „N-R-Dabbeljuh?“, fragte mich mal ein Japaner in Tokio, der das Kürzel offenbar für eine Automarke hielt: „Wir kennen hier nur B-M-Dabbeljuh.“

Und was ist mit DUS? „Düsseldorf International?“, fragt die Dame in Uniform. Ja, klar sind wir international. So hieß unser Rhein-Ruhr-Flughafen ja auch, bevor man ihn umtaufte in Düsseldorf Airport, kurz DUS. Davor nannte er sich jahrzehntelang nach dem Stadt-Teilchen, wo er gelandet war: Düsseldorf-Lohausen.

Dem damaligen Airport-Chef Christoph Blume war Düsseldorf International seinerzeit nicht eindeutig genug: „Damit könnte auch eine Spedition gemeint sein“, gab er zu bedenken. Die Anrheiner waren mal wieder nicht gefragt worden, meuterten aber im Netz: Ein „Kikimurks“ wäre lieber bei einem Tote-Hosen-Airport Düsseldorf gelandet. Auch damit hätte das Singapur-Girl heute nichts anfangen können.

Ich bestätigte noch einmal die Internationalität meines Heimatflughafens, nicht ohne sicherheitshalber auf den anschließenden Inlandsflug von Frankfurt nach DUS hinzuweisen. Domestic-Flight. Doch das war nicht das akute Problem. Sondern: Die Dame hatte zwei Düsseldörfer auf dem Schirm, International und: Weeze.

Um ein Haar wäre mein Koffer in der Pampa am Niederrhein gelandet, die der Billigflieger Ryan Air bekanntlich im internationalen Flugverkehr als Stadt-Teilchen von Düsseldorf ausgibt und vermarktet. Zwar hatte die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs gegen die irische Fluggesellschaft geklagt, weil sie in Anzeigen den niederrheinischen Airport Weeze als „Flughafen Düsseldorf (Weeze)“ und „Flughafen Niederrhein (Düsseldorf)“ bezeichnet, jedoch wird unter der Hand und auch verschiedentlich schriftlich immer noch mit dem Zusatz Düsseldorf für Weeze geworben. Laut Urteil des Landgerichts sowie des Oberlandesgerichts Köln führt Ryanair den Verbraucher damit in die Irre und die Wüste von Weeze, die immerhin eine Autostunde von Düsseldorf entfernt liegt.

Düsseldorf macht sich eben gut, egal ob als Absender oder Abflughafen. So eine Vereinnahmung des Städtenamens kennt man ja von den Meerbuschern, besonders von denen aus dem Sahne-Teilchen Meererbusch, die gar nicht gerne mit NE auf dem Nummernschild rumkurven. Sobald die Neuss-Reichen über irgendeine Grenze machen, nennen sie sich nur noch Düsseldorfer. Dabei gehört ihr Ort mit der deutschlandweit größten Millionärsdichte eindeutig zum Rhein-Kreis Neuss.

Es ist eben so: Je weiter man weg ist vom deutschen Schicksalsstrom, desto unbekannter wird man selbst als Düsseldorfer. Ich gestehe, dass ich mich in den USA schon als Beinahe-Kölnerin ausgegeben habe. Düsseldorf funktioniert dort oft nur mit dem Zusatz „near Cologne“.

Wie soll das erst werden, wenn DUS vielleicht doch noch bald Johannes Rau-Flughafen heißt? Dann schickt die Dame in Singapur meinen Koffer womöglich nach Dallas. Bekanntlich nutzt man im Flugverkehr international ja gern Abkürzungen wie JFK für John F. Kennedy für den New Yorker Airport. JR, die Initialen unseres verehrten Bruders Johannes, sind aber längst vergeben. Sie stehen weltweit für das Ekel aus der Fernseh-Serie „Dallas“.

Die Italiener machen es dagegen eleganter. Ihre Mailänder Flughäfen heißen zwar offiziell Linate und Malpensa, aber was leuchtet einem haushoch entgegen, wenn man landet: Armani. Vielleicht bezahlt die Modemarke ja dafür wie Esprit (noch) für unsere Arena.

Sollte DUS tatsächlich überflüssigerweise umbenannt werden, dann sollte aber auch Weeze einen neuen Namen verpasst bekommen, in dem Düsseldorf nicht mehr vorkommt. Wie wär’s mit HDH für den unverwechselbaren Hanns Dieter Hüsch? Der Zeitpunkt wäre günstig: Das Urgestein vom Niederrhein ist vor zehn Jahren gestorben. „Ist der Himmel noch zu retten?“ hat Hüsch mal gefragt. Der Himmel über Düsseldorf mit ihm drin sicherlich. Tach zusammen!