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Stadt-Teilchen: Die dritte Dimension kommt auf uns zu

Stadt-Teilchen : Die dritte Dimension kommt auf uns zu

Die Zukunft kommt aus dem 3D-Drucker.

Düsseldorf. Suchen Sie noch nach einem originellen Weihnachtsgeschenk? Verschenken Sie sich doch einfach selbst! Wie wär’s mit einem Bild von der, dem oder den Liebsten? Altmodisch? Ich mein’ auch nicht flach lächelnd im Silberrahmen, sondern in voller Schönheit, in 3-D, dreidimensional mit allen Ecken und Kanten und Rundungen. Geht ganz einfach: Man braucht sich nur wie bei der modernen Sicherheitskontrolle im Flughafen scannen zu lassen, den Rest machen Computer und Drucker.

Dafür haben wir schon einen Shop in der Altstadt, nicht weit von der Kunstakademie. Aber das ist wirklich keine Kunst, sondern Technik: In Nullkommanix ist der Body erfasst, und schon wird er ausgedruckt, von einer Düse Schicht für Schicht modelliert. In verschiedenen Größen. Mann kann zum Männchen werden, ab 10 Zentimeter, das kostet so um die 200, 300 Euro, oder als eine Art Clown, pardon Klon, in Lebensgröße erschaffen lassen, das wird entsprechend teurer.

Wir kennen 3D ja schon aus dem Kino. Avatar und so. Das entwickelt sich weiter. Ich seh’ mich schon im UCI-Kino sitzen, die 3D-Brille auf der Nase und die Neuverfilmung der Schöpfungsgeschichte vor Augen. Der liebe Gott erschafft Adam und Eva aus dem 3D-Drucker. Oder war das Woody Allen?

Apropos Kino: Neulich durfte ich bei einer Produktpräsentation im Capitol eine Hauptrolle in einem, meinem Daumenkino spielen. Rückblende: Was haben wir in jungen Jahren stundenlang Einzelbilder gekritzelt, um sie anschließend als bewegte Bilder durch die Finger flitzen zu lassen. Heute? 7 Sekunden auf der Bühne vor der Kamera tanzen — mit einem Profitänzer gefühlt wie Ginger & Fred —, ratz-fatz ist das Ergebnis ausgedruckt, geschnitten und getackert. Fertig ist mein Ultrakurzfilm fürs Daumenkino. Funktioniert ähnlich wie beim Passbild-Automaten nur mit viel mehr Bildern.

Die dritte Dimension erweitert nicht nur den Horizont, sondern auch die Fantasie. Ach, die Welt wäre voller Einsatzmöglichkeiten. Nehmen wir nur mal den kommunalen Bereich. Wie wäre es, wenn unsere Stadtverwaltung, besser noch jede Bezirksvertretung für alle Stadt-Teilchen 3D-Drucker bekäme, um wie die gute Fee mit einem Zauberstaub Bürgerwünsche zu erfüllen?

Was wir vermissen, herbeisehnen, beantragen, schon längst abgeschrieben haben, drucken wir künftig einfach aus, nicht als Antrag, Ausschuss- oder Ratsvorlage, sondern fix und fertig: Wohnraum, Büros — Kunst am Bau auch gleich mit —, Geräte für Spielplätze, Supermärkte, wo sie inzwischen fehlen, alte Gaslaternen und neue LED-Leuchten.

Bitte: nur keine Baustellen mehr! Ausgedruckte Autos sollen ja auch irgendwann Wirklichkeit werden, Ersatzteile sind’s glaub ich schon. Aber was nützt es, wenn wir dazu nicht auch die passenden Parkplätze haben können, am besten in Form einer Decke, die man nur noch aus dem Kofferraum holen und ausrollen muss, so wie man auf Mallorca vorwitzig Liegen am Pool besetzt. Mit den neuen Parkgebühren auf Kö-Niveau müsste das doch zu finanzieren sein.

Und dann ist das Menschliche auch nicht mehr fern. Die 3 D-Shops haben bereits spezielle Wedding-Abteilungen für zusammen gebackene Traumpaare und eine Business-Abteilung zur Vervielfältigung von Führungskräften. Aber das wäre wohl eher was für Masochisten. Wer will schon seinen Chef zweimal.

Dann schon eher eine druckreife Partnervermittlung. Meine schlaue Oma hat sie bereits vorausgesehen, als sie meinte, der Mann für mich müsse erst noch gebacken werden. Geht sicher bald. Slogan: Druck Dir Deinen Elite-Partner. Vorher vielleicht meinen Lieblings-Lokalpolitiker. Wie’n Weckmann. Wobei wir auf Pfeifen verzichten können. Auch auf farblose Typen, der 3D-Drucker treibt’s auf Wunsch auch bunt.

Und dann noch ein 3D-Museum für die Stadt mit Kunststoff- statt Wachsfiguren. So als Public Private Plastik-Partnership. Sponsoren als Selbstdarsteller gesucht. Ich hätte da schon eine Liste. Damit erweitern wir gleichzeitig das Spektrum vom lächerlichen :D in die dritte Dimension. Düsseldorf, die mehrdimensionale Stadt, die mit den 3-:D. Damit ließe sich vielleicht auch der zurückgezogene Antrag auf Patentierung noch mal stellen.

Aber bis es so weit kommen kann, brauchen wir sicher noch ganz viel Zeit, bekanntlich die vierte Dimension.