Max Mutzke: „Wir spielen eine fette Show“

Interview : Max Mutzke: „Wir spielen eine fette Show“

Sänger Max Mutzke gastiert in Düsseldorf. Im Gepäck: Viele Musiker, R’n’B und Soul und die Erinnerung an einen Aha-Effekt.

Am 15. November 2019 treten Sie mit der SWR Big Band im Savoy-Theater auf, am 7. März kommenden Jahres mit dem WDR-Funkhausorchester in der Tonhalle. Was machen diese Konzerte aus?

Max Mutzke: Wir haben in Deutschland unglaublich gute Rundfunk-Big-Bands. Gerade die SWR Big Band ist eine der besten Big Bands der Welt. Sie wurde bereits vierfach für den Grammy nominiert. Was sie für mich sehr besonders macht, ist, dass die Musiker keinen „sturen Dienst“ ableisten. Sie treffen sich zu ihren Shows; jeder Einzelne macht aber zwischendurch noch musikalisch etwas anderes, hat eine Professur oder spielt in anderen Orchestern.

Ist das für das Publikum spürbar?

Mutzke: Ja, klar. Das zeigt sich in der Big Band dann in einer extrem coolen Spielfreude. Es ist für die Musiker kein Job, den sie einfach nur abarbeiten, sondern sie haben wahnsinnig viel Freude an dem, was sie tun. Diese Begeisterung jedes Einzelnen überträgt sich auf die Bühne, alle lachen. Ich kenne jeden der Musiker persönlich, wir begrüßen uns mit einer Umarmung. Das klingt vielleicht komisch, aber bei anderen Big Bands ist das nicht so, da muss ich immer auf meinen Spickzettel gucken, wenn ich die Mitglieder vorstelle (lacht). Mit der SWR Big Band spiele ich ziemlich viele Konzerte im Jahr.

Das Besondere an Ihrer aktuellen Tour ist...?

Mutzke: Die Arrangements sind keine traditionellen Big-Band-Arrangements, sondern moderner interpretiert. Das machte das Ganze sehr besonders, mit viel R’n’B und Soul. Ich würde es so beschreiben: Wir spielen eine fette Show. Durch und durch. Generell sage ich immer: Ich möchte nur Projekte machen, die vollkommen unüblich sind. Keinen belanglosen Mainstream.

Sie setzen auf ein anderes Genre.

Mutzke: Leider macht in Deutschland kaum einer Soul wie man es von Marvin Gaye oder James Brown kennt. Und genau das greife ich letztlich auf – und alle Musiker, mit denen ich zusammenarbeite, sind begeistert, dass sie diese Musik machen dürfen. Dem Publikum gefällt’s auch. Soul und R’n’B sind in Deutschland nicht verbreitet. Ganz einfaches Beispiel: Beyoncé ist eine unfassbar gute Sängerin, und natürlich kennt man sie. Aber wirklich bewusst hört sie hier nur eine bestimmte Szene. Auch im Radio wird sie kaum gespielt. Das ist schade.

In der TV-Show „The Masked Singer“ steckten Sie im Kostüm des Astronauten und begeisterten Publikum und Jury. Die hatte allerdings teils haarsträubende Ideen, wer sich in dem Kostüm befinden könnte. Ganz ehrlich: Waren Sie nicht beleidigt bei einigen der Namen?

Mutzke: Natürlich! Ich durfte ja keine Regung zeigen, aber was meinen Sie, wie enttäuscht ich innerlich bei einigen der genannten Namen war. Ein Tipp war, unter dem Kostüm stecke der Koch Nelson Müller. Der hat mich später angesprochen, dass er total stolz gewesen sei, für mich gehalten worden zu sein. Nelson singt selbst wirklich ganz toll, allerdings ist er hauptsächlich aus einem anderen Bereich bekannt und man hört ihn nicht oft. Ich habe schon mit ihm zusammengearbeitet, er ist großartig. Nur der Sänger Sasha hat direkt gecheckt: Das muss Max sein. Für die Auftritte habe ich die Songs neu arrangiert, teilweise die Tonarten angepasst und mein musikalisches Know-how, das ich mir in all den Jahren antrainieren durfte, mit eingebracht.

Sie schienen in Ihrer Rolle als Astronaut komplett aufzugehen, bewegten sich sogar wie im All. Haben Sie das geübt?

Mutzke: (lacht) Nee, ich habe mich einfach in Slow Motion bewegt. Auch hinter der Bühne und das durchgezogen. Selbst wenn hinter mir jemand ging und schnell vorbei wollte, bin ich einfach ganz langsam gelaufen und habe keinen durchgelassen. Ich habe mir vor und hinter der Bühne diesen Nimbus aufgebaut, weil die Leute nicht wussten, wer ich bin. Ich hätte auch ein Megastar aus den USA sein können. Nur deshalb hat das funktioniert. Die Show war auch deshalb schön, weil sie mir eine Art Flashback geschenkt hat. Vor 15 Jahren, als ich für den Song Contest ausgewählt wurde, hatte ich diesen Aha-Effekt schon einmal, und normalerweise hat man das nur einmal. Die Chance, das nochmal zu erleben, ist sehr gering.

Was meinen Sie genau?

Mutzke: Ich kam raus, fing an, „Hello“ von Adele zu singen, und das Publikum stand sofort auf. Nie hätte ich gedacht, dass das einen solchen Effekt haben könnte. Das erinnerte mich an TV Total, als damals die großartige und lustige Joy Fleming in der Jury völlig durchgedreht ist (lacht). Das haben jetzt Ruth Moschner und Co. übernommen.