DEG: Daniel Kreutzers Ende soll ein Anfang ein

DEG: Daniel Kreutzers Ende soll ein Anfang ein

Das Abschiedsspiel des langjährigen DEG-Kapitäns war ein Spektakel, wie es die Brehmstraße lange nicht erlebt hat. Davon soll das ganze Düsseldorfer Eishockey profitieren.

Wenn ein verdienter Profisportler seine Karriere mit einem letzten großen Spiel beendet, kann sich das Publikum auf eines einstellen: Der Tag wird zur Aneinanderreihung unvergesslicher Momente, zu einer Art Festival der Symbolbilder. Da nahm sich das Abschiedsspiel von Daniel Kreutzer am Samstagnachmittag gar nicht aus. Kreutzer selbst sorgte ja kurz vor dem Ende des Spiels für das stärkste Bild, als die alte Stadionuhr an der Brehmstraße exakt 23 Sekunden anzeigte. Weil eben jene 23 Kreutzers Rückennummer ist. Und weil er Jugendspieler der DEG aufs Eis geholt hatte, um seine Eishockey-Ausrüstung symbolisch an die nächste Generation zu übergeben. In jedem Ende liegt bekanntlich ein neuer Anfang.

Nun ist es gar nicht so leicht, die besondere Beziehung von Daniel Kreutzer zur DEG auf genaue Daten zu terminieren. Natürlich stehen in der Statistik seiner beeindruckenden Laufbahn ein offizielles Debüt (5. Dezember 1996) und ein offizielles letztes Spiel (26. Februar 2017). Aber das ist ja maximal die halbe Wahrheit. Als Kind der langjährigen Stadiongastronomen begann Kreutzers Zeit im Verein quasi mit seiner Geburt. Und als aktueller Co-Trainer ist sie mit dem Ende seiner aktiven Spielerkarriere noch lange nicht vorbei. Geht es nach ihm, wird er nun ein Teil derer, die die DEG zurück an die Spitze des deutschen Eishockeys führen. Nicht von heute auf morgen, aber man wird jawohl noch träumen dürfen.

Träumen durften am Samstag vor allem die Fans. Mehr als 9000 waren gekommen, um ihrem langjährigen Kapitän einen würdigen Abschluss zu bereiten. Und natürlich, um ihr altes Stadion noch mal zu füllen, ihre alten Lieder zu singen und ihre alten Helden zu feiern. Wochenlang hatten sich die Fans darauf gefreut und den Tag geplant. Auch solche, die den Umzug in den Dome nicht mitgemacht hatten, wie DEG-Urgestein Walter Köberle sagte. Nun waren viele von denen wieder da. Bereits vormittags sah das Zooviertel aus wie früher. Straßenbahnen und Kneipen waren voll mit rot-gelben Menschen. Drei Stunden vor dem ersten Bully standen Tausende vor den Stadiontoren. Und als diese aufgingen, war es wirklich so wie früher. Da wurde zum Schneewalzer geschunkelt und das Altbierlied gesungen. Da holte Uli Hiemer zum Schlagschuss aus. Da lauerte der niemals danebenschießende Chris Valentine an der blauen Linie, um Peter-John Lee zu bedienen. Da kurvte Tore Vikingstad elegant über das Eis. Da rackerte Daniel Kreutzer über den Flügel, um ein Tor vorzubereiten. Da standen Hans Zach und Christof Kreutzer hinter den Spielerbänken und schickten die Reihen aufs Eis. Wie ein Zeitreise war das — auf dem Eis und auf den Tribünen.

Daniel Kreutzer war angemessen stolz auf das, was er und seine Mitorganisatoren da auf die Beine gestellt hatten. Aber trotzdem war er weit davon entfernt, in den Früher-war-alles-besser-Chor vieler Fans einzustimmen. Es gehe nicht darum, den alten Zeiten hinterherzutrauern, es gehe nun darum, den Schwung des Nachmittages in die Zukunft mitzunehmen. Nicht zuletzt war dieser Tag ja ein deutliches Zeichen, dass Düsseldorf noch immer eine leidenschaftliche Eishockey-Stadt ist. Auch wenn die bislang letzte Meisterschaft bald 22 Jahre her sein mag und die größten Stars längst woanders spielen. „Man sieht ja, dass es möglich ist, wenn alle wollen. Da müssen wir wieder hinkommen“, sagte Kreutzer, der nicht nur seine Ausrüstung an die nächste Generation weiterreichte, sondern den Geist der Brehmstraße endlich in den Dome mitnehmen will.

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