Konzert: Pianist Denis Matsuev begeistert

Konzert : Pianist Denis Matsuev begeistert

Der Musiker trat in der Tonhalle auf. Laute Huster störten.

Es muss am Wetter gelegen haben: spätherbstliche Kälte führte im Mendelssohn-Saal der Düsseldorfer Tonhalle zu störendem Husten, der eine halbe Stunde anhielt, ehe endlich im langsamen Satz der Beethoven-Sonate Nr. 31 op.110 in As-Dur stilles und aufmerksames Zuhören die Oberhand gewann. Die Rede ist von einem bemerkenswerten Klavierabend, den der russische Pianist Denis Matsuev gab.

Seine Karriere begann einst mit dem Gewinn des 11. internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs. Bedeutende Dirigenten wie Zubin Mehta, Semion Bychkov oder Jukka-Pekka Saraste haben mit ihm zusammengearbeitet. Neben zahlreichen internationalen Aktivitäten fördert er auch den Klavierunterricht für Kinder und Jugendliche in den ländlichen Regionen seiner Heimat Russland.

Was ist das Besondere dieses Pianisten? Sein technisch perfektes Spiel ist geprägt von einem immensen Klang- und Gestaltungswillen. Er ruft mit außergewöhnlicher Ruhe und Konzentration die innere Klangvorstellung des zu spielenden Werkes ab, setzt sie wie selbstverständlich am Klavier in Klang und Bewegung um. Ein musikalischer Gedanke wird überzeugend und konsequent ohne Brüche oder Spannungsabfall zu Ende geführt.

Die Sensibilität und Präzision im langsamen und leisen Beginn von Beethovens „Sturm-Sonate“ op. 31,2 ist genau so beeindruckend wie das leidenschaftliche Spiel in Tschaikowskys „Großer Sonate“ op. 37. Irrsinnig schnelle Staccato-Akkorde treten in Wettstreit mit atemberaubend schnellen Läufen.

Die zweite Hälfte des Konzertes war vollkommen russisch geprägt

Waren die beiden Beethoven-Sonaten im ersten Teil des Abends die Pflicht, so brillierte Matsuev im zweiten Teil mit einer Kür, die mit Rachmaninows „Prélude“ gis-Moll op. 32, und der „Etude Tableaux“ Nr. 2 in a-Moll op. 39 sowie der „Großen Sonate“ von Tschaikowsky komplett russisch geprägt war. Er spielte alle drei Werke ohne Zäsur nacheinander, und erwies sich als würdiger Botschafter der russischen Seele. Leidenschaftliche Hingabe einerseits, kalkulierte Reflektion andererseits.

Man hatte das Gefühl, dass im Augenblick des Spiels ein kontrolliertes Abwägen erfolgte, welcher musikalische Parameter etwas Wichtiges zu sagen habe. Mal war es das zerbrechlich-zarte Pianissimo, dann der deftige oder auch jazzige Rhythmus, mal spielte die Klangfarbe die Hauptrolle. Matsuev spürte in Beethovens Fugato aus op.110 noch die Polyphonie auf, wo andere längst in bequemes homophones Spiel umschalten würden.

Weltklasse! Einfach überzeugend. Und in den vier Zugaben wurde ein Feuerwerk an Spielfreude gezündet. Seine Musik muss heilende Kräfte besitzen, am Ende war kein Husten mehr zu hören.