Felix Krämer will Position von Kunstpalast stärken

Kultur : Felix Krämer will Position von Kunstpalast Düsseldorf stärken

Der Museumschef vom Kunstpalast Düsseldorf will in weiteren Ankäufen die historische Position in der Fotografie stärken. Die Kicken-Sammlung wird 2020 gezeigt.

„Ich empfinde eine große Dankbarkeit gegenüber der Stadt, denn so eine schnelle Entscheidung für so eine herrliche Sammlung ist nicht selbstverständlich.“ Das sagt Museumschef Felix Krämer am Tag nach der guten Nachricht, dass Düsseldorf die Sammlung Kicken für acht Millionen Euro kauft. Die Vorgeschichte habe jedoch fünf Jahre gedauert, in denen das Vertrauen zu Annette Kicken und ihrem inzwischen verstorbenen Mann aufgebaut wurde. So eine Sammlung fordere Vertrauen für ein Lebenswerk.

Wie aus Kulturbanausen große Fans für die Kultur werden

Bis vor zwei Tagen hätte man Düsseldorf als die Stadt der verpassten Chancen bezeichnen können. Was ist dieser Kulturmetropole nicht alles durch die Lappen gegangen. Das begann vor dem ersten Weltkrieg mit der Privatsammlung Marczell von Nemes, deren Werke von El Greco hier gezeigt und angeboten wurden. Doch nichts geschah.

Es lag nicht nur an Politik und Verwaltung, sondern zuweilen auch am Unverstand von Museumsleuten. Statt bei 6000 Mark für das Johanna Ey-Porträt von Otto Dix zuzugreifen, mokierte sich der damalige Museumschef Wend von Kalnein über das Bildnis. Es sei provinziell. Jetzt ging es für einen siebenstelligen Preis an die Kunstsammlung.

Als Bernd Becher in den 1990er Jahren das Pensionsalter als Professor der Kunstakademie erreicht hatte, suchte er für sein Werk einen Anker. Während die Stadt mit den Bechers die alte Schule in Kaiserswerth  auf Heller und Pfennig abrechnete, wanderten die Originalabzüge und Negative in die Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln/Bonn. Ein Schatz sondergleichen. Der Nachlass von Jankel Adler, einem Hauptvertreter des Jungen Rheinland, ging nach Wuppertal.

Kehrtwende in der Ankaufspolitik der Stadt Düsseldorf

Nun aber ist der Ankauf der Fotosammlung Kicken ein Bekenntnis von Politik und Verwaltung für die Kultur. Der Weg dahin war für Felix Krämer dennoch lang. Er begann am Frankfurter Städel, wo er die  Sammlung Uta und Wilfried Wiegand erworben hatte. Damit machte er das Ehepaar Kicken neugierig und das Städel bekam den Zuschlag für das erste Konvolut Kicken. Kaum hatte Krämer in Düsseldorf als Chef des Kunstpalastes angefangen, kontaktierte er Annette Kicken. Er erzählte ihr von der Stadt, wo die Fotografie eine Rolle spielt. Und von dem  Haus, wo nicht viel Fotografie vorhanden ist. Deshalb fragte er Annette Kicken, ob sie eine Sammlung wüsste. Sie wusste es. Wenige Monate später konnte er die Stadt involvieren.

Er habe kaum Überredungskraft nötig gehabt. Die Interessierten an Kunst und Kultur seien sofort begeistert gewesen. Schließlich hätten sie alle zusammengearbeitet, das OB-Büro, das Kulturdezernat und die Kämmerei. Auch die Parteien hätten allesamt mitgemacht. „Und vor allem“, so Krämer, „tasten wir den Kulturetat nicht an. Das ist etwas Besonderes.“ Die Mittel kommen nämlich aus dem Topf für Investitionen.

Weitere Ankäufe in historischen Positionen werden folgen

Nun ruht sich Felix Krämer keineswegs auf den Erfolgen aus. „Wir werden die Fotografie auf eine breitere Basis stellen und auch historische Positionen einbeziehen. Ich werde nach interessanten Positionen Ausschau halten und, wenn möglich, kaufen.“ Schon in diesem Jahr wurde ein Konvolut aus dem Nachlass von Anja Niedringhaus (1965-2014) angekauft. Als eine der wenigen Frauen war sie mit der Kamera durch die Krisengebiete in Jugoslawien, Palästina, Afghanistan, Kuwait, Libyen und Irak gezogen, hatte als erste Deutsche den Pulitzerpreis gewonnen, aber wurde 2014 in Afghanistan erschossen. „Fotografinnen an der Front. Von Lee Miller bis Anja Niedringhaus“ heißt eine Ausstellung vom 8. März bis 2. Juni im Ehrenhof. Dabei ist Lee Miller (1907-1977) eine kleine Sensation, denn die Geliebte von Man Ray und das Modell von Picasso wurde von der US-Army als Militärkorrespondentin akkreditiert. Sie landete im März 1945 in Deutschland und hielt schockierende Fotos von verhungerten Leichen und Gehängten in den KZ-Anlagen fest. Sie war es auch, die sich in Hitlers Badewanne fotografieren ließ.

Das Programm für 2019 am Ehrenhof sieht u.a. einen Überblick über das Junge Rheinland sowie Malerei von Pia Fries und Norbert Tadeusz vor. Aber auch „Utopie und Untergang in der DDR“ sowie Pierre Cardin werden gezeigt. Die Ausstellungen der Sammlung Kicken und die große Retrospektive von Bernd und Hilla Becher sind für 2020 geplant.

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