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Nach 36 Jahren im Dienst der Künstler geht Karin Rauers in Rente

Karin Rauers : Madame Kunstpunkte nimmt Abschied

36 Jahre lang war die gelernte Diplom-Verwaltungswirtindie Ansprechpartnerin für die Künstler der Stadt. Nun geht sie in Rente.

„Von hier aus“ hieß im Jahr 1984 eine Ausstellung in der Messe-Halle 13, in der der Kurator Kasper König zwei Monate lang neue deutsche Kunst präsentierte. Die Stadt erhoffte sich damit ein gutes Image, um gegenüber Köln zu punkten. Das Ziel blieb unerreicht, die Sammlung Ludwig wurde zum Bollwerk in der Domstadt. Dennoch war die Ausstellung nachhaltig. Eine junge Diplom-Verwaltungswirtin machte nämlich samstags und sonntags neugierig und freiwillig den Service in dieser Halle. Sie blieb den Künstlern treu. Nach 36 Dienstjahren ging Karin Rauers als Fachfrau im Kunstbetrieb der Stadt jetzt in Pension.

Gerade einmal vier Monate war sie in der Verwaltung, als sie die Avantgarde im Eilverfahren in sich aufnahm. Sie betreute am Wochenende ehrenamtlich den Info-Service. Das sei spannender als die Büroarbeit gewesen. So lernte sie den farbenfrohen Heuwagen von Norbert Tadeusz und die magischen Werke der Katharina Fritsch kennen. Und sie hörte zu, wenn Thomas Huber über seine Bilder sprach. Sie begriff spontan, wie Künstler ticken.

Aber sie hatte auch Glück. Ein Kollege in der Kulturverwaltung bekam eine Lehrerstelle in Kleve, und Rauers konnte die bildende Kunst in der Kulturverwaltung übernehmen und ausbauen. Sie war nie nur Verwaltung. Sie kannte immer auch die andere Seite und entwickelte ein besonderes Gespür in der Kommunikation. „Man muss im Gespräch verstehen, was Künstler wollen. Sie sind Seismografen mit besonderen Fähigkeiten. Sie haben eine Idee, aber sie kennen oft die Möglichkeiten der Realisierung nicht. Sie müssen überhaupt erst einmal ihren Schwerpunkt erkennen“, sagt sie. Rauers wurde gleichsam zur Mittäterin, wenn es darum ging, Förderungsgelder zu beantragen und dem Beirat zu berichten. Sie dachte mit den Künstlern und für sie. Marcel Odenbach aus Köln, Dekan der Kunstakademie Düsseldorf, der sie seit ihren Anfängen kennt, sagte einmal: „Ihr habt es gut. Ihr habt die Karin Rauers. Das haben wir in Köln nicht.“

Sie wurde respektiert und sie ließ sich nichts vormachen. So war es selbstverständlich, dass sie ihr Arbeitsfeld stetig ausbaute. Neben die Künstlerförderung, die anfangs viel kleiner war, trat der Künstleraustausch. Israel wurde geradezu zur Herzensangelegenheit. Die Künstler aus Düsseldorf und En Hod sind fast schon eine richtige Familie. Die Projekte gingen immer durch, egal, wer wo regierte. Als es im Künstlerdorf brannte, sammelten die Düsseldorfer sofort Gelder. Viele Partnerschaften und Austauschprogramme folgten.

Auch die Off-Räume gehören zu Rauers’ Erfolgsgeschichten

Komplizierter ist es bei den Ateliers, die die Stadt nur verwaltet. Die Künstler üben sich nicht mehr als Hausbesetzer wie in den 1970er und 1980er Jahren, aber sie wirken teilweise sehr fordernd. Bei Mieten von drei Euro im Salzmannbau oder fünf Euro in der Golzheimsiedlung ist das unverständlich. Aber davon will Karin Rauers nichts wissen. Grundsätzlich sollten, so sagt sie, Mieten für Künstler bezahlbar sein, bei bislang vier Euro im Schnitt. „Das wird in Zukunft vielleicht nicht mehr so bleiben. In Berlin sind die Mietverträge befristet“, merkt sie lediglich an. Aber das sei eine Sache der Politik.

Ihre Erfolgsgeschichte wurden die Kunstpunkte. Sie sind ein lebendiges Dokument für die Künstler in der Stadt. Sie sind populär und finden nun schon zum 24. Mal statt. Die Idee stammt nicht von ihr, sondern aus Köln, wo der BBK mit hektografierten Zetteln hantierte. Sie dockte die Veranstaltung ans Kulturamt an und ließ über eine Werbeagentur das Logo entwerfen, das die Stadt längst gekauft hat.

Ein anderer Erfolg sind die Off-Räume. Sie blühen und gedeihen. Da Rauers die Künstler und Künstlergruppen zu einem sehr frühen Zeitpunkt kennenlernte und weiterverfolgte, hatte sie immer einen guten Überblick über das, was im Off, im Parkhaus oder Onomato, in der Filmwerkstatt oder im Malkasten passierte. Gleichzeitig wurde die Jugend immer selbstständiger und will nicht warten, bis sie von einem Galeristen oder Museumskurator wach geküsst werden.

Rauers selbst kennt sich in der Welt aus, ist mit einem Marokkaner verheiratet, der als Pädagoge tätig ist, und hat mit ihrem Mann ein Haus in Marrakesch, das einstmals ein Künstlerhaus war. Ihr erster Wohnsitz aber ist und bleibt Düsseldorf. Sie verlässt auch ihren Job nicht Knall auf Fall, selbst wenn man in Corona-Zeiten auf ihren offiziellen Abschied verzichtet hat. Stets auf Nachhaltigkeit bedacht, hat sie selbst ihre Nachfolgerin Diana Seidel als Volontärin eingearbeitet und übernommen. Es sei für sie ein schönes Gefühl zu wissen, dass sie etwas weitergebe. Sie selbst werde noch einige Projekte zu Ende führen.

Rauers scheidet zugleich mit einem dicken Lob an den Kulturdezernenten: „Es war gut, dass er mich machen ließ und nicht reinredete. Das Vertrauen ist ganz wichtig. Wir haben alle schon sehr, sehr lange in der Kulturverwaltung zusammengearbeitet. Meine Kollegin von der Theaterförderung, Heike Albrecht, wurde nach über 40 Jahren im Kulturamt verabschiedet. Das Vertrauen, das man mir gab, habe ich an die Künstler weitergegeben.“