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Hans Strelow - der Vorkämpfer der abstrakten Kunst hört auf

Kunst : Der Vorkämpfer der abstrakten Kunst hört auf

Hans Strelow löst wegen der Corona-Krise seine Galerie am Luegplatz auf.

Hans Strelow (79) ist als Kunsthändler gern auch ein Menschenfänger. Auf der Kölner Kunstmesse stand er stets im Eingang seiner Koje und schnappte sich die Fans, um sie zu seinen Bildern zu führen. Als Gabriele Henkel noch lebte, waren seine Vernissagen ein Treffpunkt der High Society. Die Corona-Krise war jedoch nichts für ihn, zumal er in seinem Einmannbetrieb immer vor den Originalen und nie im Internet kommuniziert hat. Bei ihm gab es denn auch keine Online-Ausstellung. Nachdem er drei Monate lang vergeblich auf Kunden gewartet hatte, entschloss er sich kurzfristig, seine Galerie am Luegplatz 3 aufzugeben. Schon Ende des Monats ist Schluss. Es wird also kein Jubiläum gefeiert zum 50. im nächsten Jahr.

1940 in Stettin geboren, kam er 1950 nach Düsseldorf und wurde heimisch. Mit seinem Vater, einem Kaufmann, besuchte er Ausstellungen in Düsseldorf, Köln und Essen. Gekauft hat der Vater allerdings nie. Das vererbte er an den Sohn, der sagt: „Ich war nie Sammler. Ich bin Galerist. Mein Lager ist überschaubar.“ Die Kunstsammlung muss sich also nicht um den Nachlass wie seinerzeit bei den Galeristen Konrad und Dorothee Fischer bemühen. Und die Memoiren will Strelow möglicherweise selbst schreiben.

Sein Aha-Erlebnis hatte er als Schüler. Mit 16 Jahren radelte er zur Gladbacher Straße und stieß auf Zero. „Piene, Mack und Uecker waren für mich die Spitze der Moderne. Obwohl sie nur wenig älter als ich waren, kamen sie mir wie Rockstars oder tolle Lichtgestalten vor. Ich war glücklich, ihnen Fragen stellen zu können. Ich wollte wissen, warum Uecker Nägel verwendet, und erhielt die Antwort, dass die Nägel das Licht einfangen, indem sie Schatten werfen.“ Uecker habe ihm, dem zehn Jahre Jüngeren, „kinderfreundlich“ geantwortet. Sie freundeten sich an, sie reisten 1971 gemeinsam durch Lateinamerika, 1993 durch Kambodscha, wo sie Angkor Wat bewunderten. Sie waren in Guatemala und bei den Maya-Tempeln.

Papier und Tuschkasten nahm Uecker damals noch nicht mit, wie sich Strelow erinnert, dafür aber seine Kamera. Und Strelow schwärmt: „Er fotografierte sehr viel. Er ist ein begnadeter Fotograf. Er hat einen künstlerischen Blick und ein gutes Auge. Jedes Foto ist besonders.“ Sie seien immer privat gefahren und hätten sich alles selbst organisiert. Sie seien neugierig gewesen und hätten die historischen Kunstdenkmäler kennenlernen wollen.

Anfangs dachte Strelow selbst daran, Künstler zu werden. Stolz war er, die Aufnahme an der Kunstakademie geschafft zu haben. Doch er merkte bald, dass ihn die Reflexion über Kunst mehr interessierte. So verließ er nach dem ersten Semester die Akademie, und sein Vater spendierte ihm einen einjährigen Aufenthalt in Paris. Er studierte an der Sorbonne und machte den Louvre zu seiner Sehschule. In der Stadt sah er berühmte Künstler und legendäre Ausstellungen wie etwa Yves Kleins berühmte Schau „Le Vide“, die tatsächlich leer war. Klein habe allerdings viel mehr Furore gemacht, als er nackte Frauen mit Farbe bemalte und auf der Leinwand abdrückte.

Strelow studierte Kunstgeschichte in Köln und Bonn, wurde NRW-Korrespondent bei der FAZ und ging 1968 bis 1971 als Korrespondent nach New York, um von dort nicht nur zu schreiben, sondern zeitgleich mit seinem späteren Galeriekollegen Konrad Fischer die Prospect-Ausstellungen in der hiesigen Kunsthalle zu organisieren. Sie wollten die Minimal Art und Konzeptkunst, die es schwerer hatten als Pop, bekannt machen. Bei seiner eigenen Galerie, die er 1971 zunächst an der Malkastenstraße eröffnete, konzentrierte er sich jedoch auf die abstrakte Malerei und blieb dabei. Noch heute erklärt er angesichts seiner abstrakten Bilder: „Maler können auf der Leinwand alles machen. Sie können allem Ausdruck verleihen, ob figurativ oder durch Farbstimmungen und kühne Gegenüberstellungen. Ich sehe im Bild unbegrenzte Möglichkeiten.“

Einige Künstler brachte Strelow aus den USA mit. So zeigte er 1980 Willem de Kooning erstmals in Deutschland in einer Einzelausstellung. Er hatte einen Exklusivvertrag mit Frank Stella und präsentierte Farbfeldmalerei von Adolph Gottlieb, David Smith und Kenneth Noland. 1981 kam Emil Schumacher hinzu, der große Meister der deutschen Abstrakten, dessen Nachlass der er nun betreut. Mit dem Künstler aus Hagen fuhr Strelow auch finanzielle Erfolge ein, so dass er zeitweilig daran dachte, seine eigene Galerie in der Düsseldorfer Altstadt zu bauen. Schließlich verkaufte er seine Parzelle, die neben der von Helge Achenbach lag, an die Landesregierung zur Erweiterung der Kunstsammlung.

Den Kern der Galerie bildeten neben Schumacher auch Ulrich Erben, Imi Knoebel, Jürgen Partenheimer, Günther Uecker und Norbert Kricke. Aber es gab natürlich auch immense Konkurrenz, selbst am Standort Düsseldorf. Da war etwa Alfred Schmela, der die monochrome Kunst liebte und die Farben der amerikanischen Westküste an den Rhein brachte. Einen Partner im Geiste will er ihn dennoch nicht nennen. Auf die Frage, wie er zu seinem Kollegen stand, gibt er eine eher abweisende Antwort: „Schmela war von Beuys so hingerissen, dass er sich wenig für die abstrakte Kunst interessierte. Und er liebte die Pop Art von Roy Lichtenstein.“

Selbstverständlich kannte Strelow seinen Kollegen Schmela sehr gut und führte zahlreiche Diskussionen mit ihm. Vor allem aber liebte er die hohen Wände am Luegplatz. So zog Strelow 1979 selbst dort ein, als Schmela längst sein Quartier neben der Kunsthalle hatte. Darüber sagt er heute: „Schmela wohnte eine Etage tiefer als ich und auf der linken Seite. Meine Räume sind in der vierten Etage auf 265 Quadratmetern und haben Tageslicht, das ausschließlich von Norden kommt. Es ist ideal für das Malerische in der Malerei.“

Doch damit hat es ein Ende. Schuld sei die Corona-Krise, sagt Strelow. Damit könne er den Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten. Einen Nachfolger hat er nicht, denn sein Sohn Jan ist selbst erfolgreich, als Architekt in Berlin. „Ich werde jetzt die Galerie sukzessive auflösen. Aber noch bin ich ja nicht aus der Welt.“