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Düsseldorf: „Kino on Demand“ als ein Weg aus der Krise

Filmgeschäft : „Kino on Demand“ als Alternative für zu Hause

Auch die Programmkinos sind geschlossen. Ihre Streaming-Angebote bieten Zugang zu vielen Spielfilmen und Dokumentationen. Sogar zu Premieren.

Wie alle Kulturinstitutionen, sind natürlich auch die Programmkinos von den Auflagen der Landesregierung betroffen und haben ihren Betrieb bis 19. April eingestellt. Aber Kinofans müssen deshalb nicht ganz auf den Filmgenuss verzichten, denn seit Ende 2015 bieten die Programmkinos auch den Onlineservice „Kino on Demand“ an.

Das, was ursprünglich mal als zusätzliches Angebot für Cineasten angedacht war, könnte sich bald schon als Alternative zum klassischen Geschäft entwickeln.

Auf der Plattform www.kino-on-demand.com oder über www.filmkunstkinos.de erhält man Zugang zu rund 300 Spielfilmen und Dokumentationen, die von Kinobetreibern für ihr Publikum ausgewählt wurden. Dabei sind Klassiker wie „Apokalypse Now – Final Cut“ ebenso wie Komödien und Musicals (z. B. „La La Land“), Horrorstreifen, Kinderfilme (z. B. „Shaun, das Schaf“), deutsche Produktionen, wie „Nur eine Frau“, „Ballon“ und „Mut zur Wahrheit“ und sehenswerte Dokumentationen, wie über den Modemacher „Alexander McQueen“ und „Stiller Kamerad“, über die Pferdetherapie für traumatisierte Bundeswehrsoldaten.

Die Auswahlkriterien der Kinobetreiber für „Kino on Demand“ sind die gleichen, die sie für ihre Lichtspielhäuser anlegen. Qualität geht vor Quantität.

Gerade in unserer sehr schnelllebigen Zeit, bekommen Spielfilme und Dokumentationen längst nicht mehr die lange Laufzeit, die sie bräuchten, um die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums zu bekommen. Durch das Onlineangebot sind sie länger verfügbar und erreichen so auch mehr Zuschauer.

Viele Zuschauer wollen den Programmkinos helfen

„Wir werden in Kürze auch auf unserer Homepage regelmäßig neue Filme als Streaming-Angebot zur Verfügung stellen“, macht Kalle Somnitz, Geschäftsführer der Düsseldorfer Filmkunstkinos, allen Hoffnung, die für eine Weile nicht in die Lichtspielhäuser kommen können. „Uns erreichen so viele Mails von treuen Besuchern, die fragen, wie sie uns unterstützen können“, berichtet Somnitz. Besonders berührt haben ihn Zuschriften von Zuschauern, die das Eintrittsgeld für Filme, die sie gern angeschaut hätten, den Kinos gerne trotzdem zukommen lassen möchten. „Wir haben deshalb entschieden, auf unserer Webseite eine Spendenmöglichkeit und eine Gutscheinfunktion einzurichten“, erklärt Kalle Somnitz.

Er hat derzeit alle Hände voll zu tun, mit Verleihern zu korrespondieren, die ihre Filmstarts verschieben müssen, ob es keine Möglichkeit für ein Streaming-Angebot geben könnte. „Große Studios wie Universal wittern da natürlich eine Geldquelle, die sie lieber über eigene Plattformen ausschöpfen wollen“, bedauert der Filmexperte. Aber er setzt seine Hoffnung auf die kleinen Verleiher, die ohnehin immer eng mit den Programmkinos zusammenarbeiten. „In diesen Zeiten müssen wir einfach kreativ werden“, meint Somnitz und fügt hinzu: „Wir brauchen aber auch etwas Ablenkung von all den Dingen, die sich derzeit ereignen. Kino ist da eine sehr gute Möglichkeit“, ist er überzeugt.

Den Anfang mit aktuellen Streams macht die sehenswerte Dokumentation „Waterproof“ über die Jordanierin Aysha, die sich nach dem Tod ihres Mannes entscheidet, die erste Klempnerin in diesem an Wasser armen Land zu werden, der in Kürze über www.filmkunstkinos.de abrufbar sein wird.

Auch mit „Kino on Demand“ kann man die stationären Lichtspielhäuser unterstützen. Für den ersten Abruf eines Films und danach für jeden fünften weiteren, bekommen Nutzer einen Gutschein für ein Programmkino ihrer Wahl. „Den können sie dann für einen Film einlösen, sobald wir die Säle wieder bespielen dürfen“, erklärt Kalle Somnitz die Idee dahinter. Von jedem gestreamten Film geht ein Teil der Einnahme an die Programmkinos. Dabei wird jeder Film einzeln abgerechnet. Ein Abo gibt es auf der Plattform nicht.

Aktuell bietet „Kino on Demand“ mit dem französischen Film „Isadoras Kinder“ eine Deutschlandpremiere an. „Der sollte normalerweise am 23. April in die Kinos kommen. Da er dort aber wahrscheinlich nicht gezeigt werden kann, bieten wie ihn als Premiere an“, erklärt Armin Hack vom Plattformbetreiber Rushlake Media.

Auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat auf die Corona-Entwicklungen mit geschlossenen Museen und Bildungseinrichtungen reagiert. Der LWL gibt ab sofort 100 Filme kostenlos zum Download frei. Normalerweise würde die Nutzung von Dokumentationen, Reportagen und Kurzfilmen zur Geschichte Nordrhein-Westfalens zwischen 5 Euro und 9,90 Euro kosten.