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Medizin: Vom Tatort direkt ins Labor am Kölner Melatenfriedhof

Medizin : Vom Tatort direkt ins Labor am Kölner Melatenfriedhof

Bei den Fernsehkrimis gehören die Rechtsmediziner zu den Stars. Das war schon bei der US-Serie „Quincy“ so und ist auch bei den „Tatort“-Folgen nicht anders. So schlüpft Joe Bausch für den Kölner „Tatort“ in die Rolle von Dr. Joseph Roth und in Münster stellt sich Prof. Karl-Friedrich Boerne – gespielt von Jan-Josef Liefers - gerne in den Mittelpunkt des Geschehens.

Doch wie sieht die Arbeit in der Rechtsmedizin wirklich aus? Einblicke gewährt hier der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Kölner Uni, Prof. Markus Rothschild. Als fachlicher Berater unterstützte er die ZDF-Serie „Der letzte Zeuge“. Im Auftrag des UN-Kriegsverbrechertribunals untersuchte der gebürtige Berliner Massengräber in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo.

Genau vor 50 Jahren hat sein Insitut das Gebäude in direkter Nachbarschaft zum Melatenfriedhof bezogen. Davor war die Lage für die Rechtsmediziner in Köln schwierig. So gab es im 19. Jahrhundert anders als in anderen Städten noch kein eigenes Institut für Gerichtliche Medizin. „Fundleichen“ wurden von der Polizei in der Regel in die Leichenhäuser der Friehöfe transportiert.

Erst 1926 genehmigte der damalige OB Konrad Adenauer, dass in den Räumen des Anatomischen Insituts in der Krankenanstalt Lindenburg ein Leichenschauhaus eingerichtet wird. Einen ordentlichen Lehrstuhl für Gerichtliche Medizin gab es in Köln nicht, obwohl das Gebiet ein Prüfungsfach für angehende Ärzte war. Dies stand erst Mitte 1930er Jahre zur Debatte. Damals stand aber weniger der akademische Gedanke, sondern die NS-Rassenlehre im Mittelpunkt. Ab 1935 wurde die gerichtsärztliche Tätigkeit dem Gesundheitsamt zugeordnet. Aus dem Rechtsmediziner wurde ein Amtsarzt.

1937 richtete man in der ehemaligen Pathologie des Augusta-Hospitals ein Gerichtsärztliches Institut ein, das der Stadt zuordnet war. Erst mit Prof. Rudolf Manz beginnt 1957 die insitutionalisierte Universitätsgerichtsmedizin in Köln. Nach der Zerstörung des Gebäudes durch einen Luftangriff 1944 wurde das Institut in Barackenbauten auf dem Klinikgelände untergebracht. Erst 1971 erhielt das Insitut sein jetziges Gebäude am Melatenfriedhof. 2002 hat dort Prof. Rothschild die Leitung übernommen.

In dem von ihm verfassten Buch erklärt der Rechtsmediziner verständlich die Aufgaben und die Arbeit seines Fachs. Im Institut gibt es drei Bereiche: die forensische Morphologie und Traumatologie, die forensische Molekulargenetik und die forensische Toxikologie. Im ersten Bereich werden sowohl Lebende als auch Tote vor dem Hintergrund rechtlicher Fragestellungen untersucht. Das gilt für mutmaßliche Mordopfer oder Suizid genauso wie für Menschen, die bei Verkehrsunfällen um Leben gekommen sind. Auch die Identifizierung von Toten gehört zu den Aufgaben der Rechtsmediziner. Manchmal werden auch tote Tiere untersucht, wie ein erschossener Sibirischer Tiger, der im Zoo eine Pflegerin getötet hatte.

Untersuchungen gibt es nicht nur bei Toten, sondern auch bei lebenden Menschen. Dabei werden Verletzungsbefunde festgehalten und Ereignisabläufe rekonstruiert. Dieses Gebiet hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, wie die Stichworte „häusliche Gewalt“, „sexualisierte Gewalt“ und „Kindesmisshandlung“ zeigen. Auch die Altersdiagnostik gehört zu den Aufgaben des Instituts, so wenn es um die Frage der Strafmndigkeit geht.

Bei der forensischen Toxikologie dreht sich alles um den Nachweis von Giften, zu denen auch Medikamente, Drogen und Alkohol gehören. Das können Blut- und Haarproben genauso sein wie Getränkereste, wenn es zum Beispiel um K.-O.-Tropfen geht. Untersucht wird, ob ein Autofahrer unter dem Einfluss von Drogen, Medikamenten oder Alkohol unterwegs war. Diese Stoffe spielen aber auch eine Rolle, wenn es bei Straftaten um eine verminderte Steuerungs- oder Schuldfähigkeit geht. Und natürlich werden auch mutmaßliche Giftmorde bzw. Vergiftungen untersucht.

In der forensischen Molekulargenetik steht die DNA-Analyse im Mittelpunkt, die Ermittlern ganz neue Möglichkeiten gibt, um einem mutmaßlichen Täter mit biologischen Tatortspuren seine Straftat auch noch nach Jahrzehnten nachzuweisen. Hier hat der „genetische Fingerabdruck“ die Fallarbeit für Kriminalisten revolutioniert. Über die DNA können auch unbekannte Tote identifiziert werden. Im Kölner Institut gibt es ein nach dem neuesten Stand der Technik ausgestattetes DNA-Labor. Dort können auch unsichtbare Kontaktspuren wie zum Beispiel am Griff einer Pistole nachgewisen werden. Durchgeführt werden außerdem gerichtsrelevante Vaterschafts- und Verwandschaftstests.

 

Markus Rothschild, Vom Tatort ins Labor – Einblick in die Kölner Rechtsmedizin, Bachem-Verlag, 128 Seiten, 24,95 Euro