Interview : Apps für Glück und den Erfolg

Mit seinem Programm „Unbox your Life“ kommt Tobias Beck am 21. Oktober in das Theater am Tanzbrunnen in Deutz.

Tobias Beck zählt zu den bekanntesten Speakern in Europa und ist selbst als Führungskraft in einem Dax-Konzern, als Gründer und Unternehmer erfolgreich. Der Hochschuldozent arbeitet als persönlicher Berater von namhaften Wirtschaftslenkern und schulte bereits tausende Menschen bei seinen Seminaren. Besonders mit dem von ihm entwickelten „Bewohnerfrei“-Modell inspiriert er seine Zuhörer, ihr Leben und ihr Erfolgsdenken positiv zu verändern.

Sie kommen am 21. Oktober ins Theater am Tanzbrunnen. Wie gut kennen Sie Köln und die Region?

Tobias Beck: Ich bin in Wuppertal geboren und dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Mit 18 habe ich die Stadt verlassen, um Flugbegleiter bei der Lufthansa zu werden. Was Köln angeht, mag ich die Stadt sehr. Meine Oma hat immer gesagt, das Schönste an Wuppertal ist die A3 nach Köln. Und ich war sehr oft mit Ihr in Köln.

Sie sind heute unter anderem Buchautor, Hochschuldozent, Unternehmer, Berater und Sie sind jetzt mit Ihrem Programm „Unbox your Life“ auf Tour. Wie kam es zu den Veränderungen in Ihrem Leben?

Beck: Ich habe mir irgendwann beim Fliegen die Frage gestellt, warum fliegen Leute First Class, wo ein Ticket teilweise so viel kostet, wie mein damaliges Jahresgehalt. Da habe ich begonnen, die Passagiere zu fragen, wie sie so erfolgreich geworden sind, um sich solche Flüge leisten zu können. Die Geschichten, die ich damals gehört habe, sind heute Teil meiner Show geworden.

Und Sie haben Ihr Leben dadurch geändert?

Beck: Ja, ich habe begonnen, Psychologie zu studieren. Mich hat das menschliche Verhalten und die Bedeutung von Glück und Erfolg im Leben interessiert. Dazu habe ich sehr viele Bücher gelesen und auf der gesamten Welt Seminare besucht. Es ging mir um Menschen, die ihr Leben positiv sehen und die nicht im Sommer den Regen suchen. Das sind oft Menschen, die für andere ein Vorbild sind und die ein anderes Leben nachhaltig verändern können.

Erfolg muss aber nicht unbedingt immer auch Glück bedeuten.

Beck: Es kommt darauf an, wie man Erfolg definiert. Reduziert man Erfolg nur auf viel Geld verdienen, mag es stimmen, dass dies nicht unbedingt Glück bedeuten muss. Aber, wenn man einen Job hat, den man liebt und der einen erfüllt, ist man auch glücklich. Das war bei mir schon der Fall, als ich als Flugbegleiter unterwegs war und da habe ich noch nicht so viel verdient.

Wie bringt man das Ganze nun auf die Bühne?

Beck: Die Idee ist bei einem Urlaub in Thailand entstanden. Da hat meine Frau am Flughafen ein Werbeplakat für Smartphones entdeckt mit dem Titel „Unbox your Phone“. Wir haben darüber diskutiert und sind zum Schluss gekommen, dass erstmal sein Leben „unboxen“ also anstoßen und nicht nur ständig neue Konsumgüter kaufen sollte. Bei jedem Menschen sind ähnlich wie bei einem Smartphone Apps für Glück, Familie und Freundschaft vorinstalliert, man muss sie nur anklicken und so aktivieren. Es geht um ganz einfache Dinge wie eine glückliche Beziehung, ein auch im hohen Alter noch funktionierender Körper oder auch darum, den Streit mit dem Nachbarn in einen Frieden zu verwandeln. Da sind Kinder Vorbilder, sie versöhnen sich nach einem Streit sehr schnell, da sie sich nicht an ihrem Stolz orientieren und so unbeschwerter denken können.

Wie verbindet man so zentrale Themen mit einer Unterhaltungsshow?

Beck: Ich halte den Leuten humorvoll einen Spiegel vor und verzichte dabei auf den erhobenen Zeigefinger. Bei mir in der Show wird viel gelacht, weil es von mir auch viele Geschichten zum Lachen gibt. Ich habe im Internet einen Podcast, mit dem ich sieben Millionen Menschen erreiche. Dort veröffentliche ich meine Interviews zum Thema Glück und Erfolg. Da gab es ein Zwillingspaar aus Düsseldorf im Alter von 87 Jahren. Die waren seit 50 Jahren nicht mehr beim Arzt. Ich wollte wissen, wie das funktioniert und was passiert, wenn sie sich beim Bestellen ihres Landes mal ein Bein brechen. Antwort war einfach „Wir brechen uns kein Bein“ - das hat mich beeindruckt.

Wie funktioniert Ihr Bewohnerfrei-Modell?

Beck: Es gibt verschiedene Menschen in diesem Modell. Da sind die Bewohner, die nicht wollen und auch nicht können, weil sie grundsätzlich negativ denken. Sie ärgern sich, weil die Bahn immer zu spät kommt und das Wetter immer heißer wird. Ihnen geht es nur darum, sich selbst zu bereichern. Und dann ist das die Ameise, die von den Leuten einfach in Ruhe gelassen werden will. Dazu kommen die Diamanten, die sehen, dass das Leben anstrengend ist, dass dieses sie aber besser macht. Ganz oben steht der Superstar, das sind Menschen, die andere groß machen und die sich zurücknehmen. Das sind dann Menschen wie Mutter Teresa oder auch Greta, die sich für ihre Sache einsetzt. Ich selbst bin in diesem System der größte Bewohner. Mein Ego will raus und will motzen. Das ist ein ewiger Kampf innen gegen außen, weshalb ich mich selbst nie als Superstar bezeichnen würde.

Service: Tobias Beck „Unbox your Life“, 21. Oktober, 20 Uhr, Theater am Tanzbrunnen, Rheinparkweg, Köln-Deutz.

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