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Rückblick 2007: Eine Ratte rettet Hollywood

Rückblick 2007: Eine Ratte rettet Hollywood

Trotz großer kommerzieller Erfolge blieb 2007 der Ideenreichtum auf der Strecke. Nur „Ratatouille“ zeigte, dass man keine Fortsetzung sein muss, um Geld einzuspielen.

Düsseldorf. Es gab dritte, vierte, gar fünfte Teile - trotzdem blieb die große Fortsetzungsoffensive Hollywoods folgenlos. Sicher, die Rechnung ging auf: "Shrek 3", "Stirb langsam 4.0" und "Harry Potter und der Orden des Phönix" spielten ihre Millionen ein, schön brav, so wie die Studiobosse es vorgerechnet hatten. Inmitten des erdrückenden Überangebots an kalkulierten Kassenhits blieb die Nachhaltigkeit allerdings auf der Strecke.

Ideenreichtum, Innovation, Wagemut, also all die Zutaten, die filmische Husarenritte wie "Krieg der Sterne" oder "Zurück in die Zukunft" gleichermaßen zu Mainstream-Hits wie auch zu Klassikern haben werden lassen, spielen im Hollywood des Jahres 2007 keine Rolle mehr. Lediglich die Ratte Remy brach aus dem Rechenschieber-Diktat aus.

"Ratatouille", die liebevolle Geschichte vom niedlichen Nager mit Haute-Cusine-Ambitionen, war der einzige der großen Kassenhits in diesem Jahr, der eine originäre und vor allem originelle Geschichte zu erzählen hatte. Da mögen Paul Greengrass’ würdiger Trilogie-Abschluss der "Bourne"-Odyssee oder Sam Raimis dritter "Spider-Man" formal wie inhaltlich noch so gelungen sein. Am Ende blieben sie lediglich ein Aufguss erfolgreich erprobter Rezepte.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Wundertrickser aus der Pixar-Schmiede ("Findet Nemo", "Toy Story") für ihr Märchen von der ungehorsamen Ratte die Küche zum Experimentierfeld erkoren. Denn eine der vielen netten Botschaften, die ihr Animationsspaß zu bieten hatte, war, dass echter Genius Grenzen sprengt. Nur so kann ein Pelztier, das allgemein als unhygienischer Parasit gescholten ist, zum gefeierten Küchenchef aufsteigen.

Es ist nicht das bloße Trachten nach Wirtschaftlichkeit, das entscheidet: Es ist das wahre Können. Hollywood fehlen solche Querdenker. Wie auch dem Gourmet-Tempel im Film, der lediglich wegen seines guten Namens floriert, auch lange, nachdem der Meisterkoch Gousteau das Zeitliche gesegnet hat. Allerdings sind erste Verfallserscheinungen erkennbar. Seriöse Gastronomieexperten wenden sich ab, längst nicht mehr jeder Abend ist ausgebucht.

Remy bringt frischen Wind in die Sterneküche, auch wenn er sich nicht zeigen darf. Der verschüchterte Küchenjunge Linguini wird sein Werkzeug, versteckt unter dessen Kochmütze treibt der Nager den Novizen zu nie gekannter kulinarischer Kreativität.

Wird man in ein paar Jahren an das Kinojahr 2007 zurückdenken, es wird uneingeschränkt als das Jahr der Ratte gelten. Als das Jahr, in dem ein Nager zum Publikumsliebling avancierte und der Einfallslosigkeit einen Kochlöffel entgegenstreckte. "Jeder kann kochen", heißt in "Ratatouille" die Devise. Man muss eben nur wissen, wie.