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"Elizabeth - Das Goldene Königreich": Makellose Monarchin in Tüll und Brokat

"Elizabeth - Das Goldene Königreich": Makellose Monarchin in Tüll und Brokat

Cate Blanchett ist die noble „Elizabeth“.

Düsseldorf. Die Zeit geht manchmal gnädig mit der Kunst um: Da wird verklärt, was einst umstritten war, bahnbrechend genannt, was bestenfalls als aufsehenerregend zählen kann. Das Historien-Drama "Elizabeth", 1998 der viel beachtete internationale Einstand des indischen Regisseurs Shekhar Kapur, reiht sich da nahtlos ein. Obwohl achtfach oscarnominiert, war er unter Kritikern heftigst umstritten. Drehbuchautor Michael Hirst hatte sich die historischen Fakten zu einer bewegenden Dramaturgie zusammengezimmert.

Fast zehn Jahre später ist der Expertenstreit vergessen. Was von der Schlachteplatte blieb, ist die visuelle Wucht, mit der Kapur die unfreiwillige Monarchengenese bebilderte. Und natürlich Cate Blanchett, die wahrscheinlich makelloseste Darstellerin ihrer Generation, damals 28-jährig, in ihrer ersten großen Rolle. Und weil die Zeit so viel vergessen ließ, wird nun, da Kapur mit bewährtem Stab eine Fortsetzung vorlegt, haltlos verglichen. Die Tiefe, das Wahrhaftige, die Düsternis des Vorgängers würde "Elizabeth: Das Goldene Königreich" nicht erreichen. Dass der erste Teil nichts anderes wollte, als auf stabilem Niveau zu unterhalten, wird ausgeblendet.

Betrachtet man nun den neuerlichen Pluderhosenschwank sollte man fairerweise den Vergleich ausblenden. Denn Unterhaltung auf stabilem Niveau bietet auch das Sequel. Es schildert nicht nur den historisch wie literarisch überstrapazierten Konflikt zwischen Elizabeth und ihrer Thronrivalin Maria Stuart samt Untergang der spanischen Armada.

Es leistet sich auch eine sehr frei gesponnene Ménage à trois zwischen der Regentin, ihrer Kammerdienerin und Seefahrerlegende Walter Raleigh, tausendsassahaft verkörpert von Clive Owen. Mit gewinnendem Lächeln und aufdringlichem Eros betritt er die Szenerie, schmachtende Groupie-Blicke des weiblichen Hofstaates sind die Folge, die spröde Königin eingeschlossen.

Auf diesen leicht läppischen Ton muss man sich einstellen. Das unheildräuende Dunkel und die klaustrophobische Szenerie des ersten Teils ersetzt Kapur hier durch plüschigen Sinn für Tüll und Brokat sowie waghalsige Kamerafahrten. Deren kreisende Virtuosität schleudert den Zuschauer bisweilen aus dem Geschehen, weil er über all die visuellen Manöver die Handlung aus dem Blick verliert. Im Zentrum der zirkulierenden Materialschlacht steht die flapsige Monarchin, turtelnd hin- und hergerissen zwischen homoerotischem Prickeln, der maskulinen Physis des Owenschen Casanovaverschnitts und ihrer Pflichterfüllung gegenüber dem Volk. Blanchett meistert diese verkorkste Geschichtsauslegung mit Bravour, schafft die Zwischentöne so zu platzieren, dass sich das pubertäre Bänkelspiel nicht der Lächerlichkeit preisgibt, sondern im Sinne einer Screwball-Comedy funktioniert. Fehlt eigentlich nur noch der Lover im Schrank.