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Menschen in NRW sind kinofaul

Menschen in NRW sind kinofaul

Bilanz: Die Filmstiftung NRW förderte 131 Filme mit 33,7 Millionen Euro.

Düsseldorf. Heinrich von Breloers "Buddenbrooks"-Verfilmung, Wim Wenders Dreh von "Palermo Shooting" und Helma Sanders-Brahms Inszenierung der Dreiecksliebesgeschichte rund um "Clara" Schumann - NRW konnte die Anzahl seiner Drehtage nicht nur um 100 (auf 762) in diesem Jahr steigern. Auch Qualität und Mischung stimmen. Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, zeigt sich zufrieden mit der Bilanz dieses Jahres. Mit 33,7 Millionen Euro konnte die Stiftung diese Jahr 131 Filme unterstützen. Der NRW-Effekt lag bei 180 Prozent, das heißt, 55,5 Millionen Euro wurden im Gegenzug von der produzierenden Filmwirtschaft in NRW wieder ausgegeben.

Trotzdem gibt es auch Schatten über dem nun zu Ende gehenden Filmjahr, so Schmid-Ospach. Denn immer noch bleibe das Land NRW als einer der Gesellschafter bei seiner 20-prozentigen Kürzung seines Zuschusses. Und das, "obwohl die finanzielle Situation der Länder längst nicht mehr so dramatisch ist", so der Geschäftsführer. Andere Länder, wie etwa Bayern, hätten ihren Zuschuss schließlich wieder erhöht. Und der Kulturstaatsminister Bernd Neumann habe die Kürzung der Gelder für NRW in Cannes schließlich auch "als falsches Signal" bezeichnet.

Ein weiterer Schatten über der Kinolandschaft ist die geringe Besucherzahl, die sich dieses Jahr - nach vorläufigen Ergebnissen - sechs bis sieben Prozent unter dem Vorjahresniveau bewegt. Vor allem NRW zeigt sich im Bundesvergleich kinofaul: Gerade mal 1,5 Besuche pro Jahr pro Kopf werden zwischen Rhein und Weser verzeichnet. Zum Vergleich: bundesweit sind es 1,66 und in Bayern sogar zwei Besuche pro Kopf. Schmid-Ospach wertet dieses Ergebnis auch als großes Potenzial: "Da müssen wir mit guten Filmen aufschließen."

Das Ziel könnte jedoch nicht sein, noch mehr Filme zu produzieren, sondern die Zahl der Projekte zu verdichten. Bereits jetzt sei die große Zahl der Kinostarts - in diesem Jahr 487 Starts, vor zehn Jahren waren es gerade mal 250 - eher kontraproduktiv. Denn die Fülle führe dazu, dass Filme immer kürzer laufen. Gerade im Arthousebereich ist das problematisch, wo Filme oft auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen sind und häufig länger brauchen, um sich durchzusetzen.

Um die Arbeit der Kinos zu erleichtern, hofft die Filmstiftung NRW, künftig die Kinos stärker unterstützen zu können. Gerade auf dem Weg zur Digitalisierung, die viel Geld kosten wird, aber Kinos und Verleiher entlasten soll (weil keine Filmrollen mehr aufwändig kopiert und transportiert werden müssen) brauchen die Kinos finanzielle Hilfe.