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Interview: Kerem Demirbay: „Ich möchte den nächsten Schritt machen“

Interview : Kerem Demirbay: „Ich möchte den nächsten Schritt machen“

Kerem Demirbay plant, sich in der Bundesliga durchzusetzen. Er schaut auf eine für ihn wichtige Zeit bei der Fortuna zurück.

Düsseldorf. Ohne ihn hätte die Fortuna wohl den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten müssen. Kerem Demirbay war so etwas wie die Lebensversicherung für die Fortuna in der vergangenen Saison. Seine elf Tore (zehn in der Liga, eines im Pokal) und seine sechs direkten Torvorbereitungen — meist in den entscheidenden Momenten — retteten nicht nur den Traditionsverein vor dem Abstieg, sondern sie erhöhten auch den Marktwert des erst 22-Jährigen, der bei der Fortuna unumstrittener Führungsspieler war.

Wir sprachen zum Ende seiner Zeit in Düsseldorf mit Kerem Demirbay, der nach einem knappen Jahr wieder zum Hamburger SV zurückgekehrt ist und dort offensichtlich nicht die Anerkennung erfährt, die er bei der Fortuna genossen hat. Angeblich legt der Bundesligist dem Mittelfeld-Regisseur keine Steine in den Weg, wenn dieser für eine Ablösesumme von rund 2 Millionen Euro den Verein wechseln möchte.

Herr Demirbay, wie wichtig ist die Sommerpause für Sie?

Kerem Demirbay: Nach der aufregenden und anstrengenden Saison ist es jetzt wichtig, den Akku aufzuladen und Kraft zu tanken. Ich weiß derzeit noch nicht genau, wie es für mich persönlich weitergeht, deshalb werde ich mich auf jede Eventualität vorbereiten, um bestens gerüstet in die neue Saison gehen zu können.

Wissen Sie denn bereits, wie es für Sie persönlich weitergeht?

Demirbay: Darüber will ich derzeit noch nicht sprechen. Das Ziel ist klar, ich möchte in jedem Fall in der ersten Liga spielen.

Sie sind für unsere Zeitung der Spieler der Saison mit den meisten Berufungen zum Spieler des Tages und stehen auch im Fachmagazin „kicker“ in der Elf des Jahres. Was bedeuten Ihnen solche Auszeichnungen?

Demirbay: Das ist natürlich eine schöne Anerkennung und bestätigt, was ich in dieser Saison auch in meinen Augen geleistet habe. Darüber bin ich sehr glücklich. Allerdings standen die Erfolge der Mannschaft für mich immer über all den persönlichen Dingen. Dass wir den Abstieg vermieden haben, war auch eine großartige Mannschaftsleistung. Dass die Fans meine Leistung so geschätzt haben, ist für mich trotzdem sehr wichtig. Ich wurde auch immer gut unterstützt von unseren Anhängern, und die Verabschiedung hat mir so viel bedeutet. Ich hatte eine Gänsehaut, als die Leute auf der Tribüne aufgestanden sind und mich gefeiert haben.

Hätten Sie sich vorstellen können, bei Fortuna zu bleiben?

Demirbay: Natürlich wäre ich gerne in Düsseldorf geblieben. Ich habe auch lange mit den Verantwortlichen gesprochen. Allerdings möchte ich jetzt den nächsten Schritt machen, und viele haben mir unbedingt dazu geraten, jetzt in der Bundesliga mein Glück zu versuchen. Und den Ehrgeiz habe ich auch, das zu schaffen.

Was war der Unterschied zu Ihrer Zeit in Kaiserslautern, wo Sie auch als Leihspieler tätig waren?

Demirbay: In Düsseldorf bin ich von den Fans viel herzlicher aufgenommen worden. Fortuna ist ein toller Club, und deswegen hoffe ich, dass der Weg weiter nach oben führen wird.

Wie sehen Sie die Zukunft der Fortuna?

Demirbay: Der Verein wird auch den nächsten Schritt machen. Schade, dass ich dazu nicht beitragen kann. Aber ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft jetzt eingespielt und gewachsen ist. Dass die Saison nicht so dramatisch wird, dafür wird der Trainer sorgen.

Sie schätzen Friedhelm Funkel?

Demirbay: Ja, er hat so eine gute Mischung aus Zielstrebigkeit und Erfahrung. Und das kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Er hat es geschafft, von uns den Druck wegzunehmen und cool zu bleiben. Dazu hat aber auch Peter Hermann in großem Maße beigetragen.

Was haben Sie in diesem Jahr gelernt?

Demirbay: In meiner Person und in meiner Spielweise habe ich sehr von dieser Zeit bei der Fortuna profitiert. Auch ich bin gewachsen. Ich habe mich durchgesetzt in einer Liga, in der es sehr körperbetont zugeht und weniger auf guten Fußball ankommt. Das hat mich geprägt. Und ich habe gelernt, wie man mit Druck umgeht. Ich habe ihm wie die Mannschaft auch letztlich standgehalten.

Was erwarten Sie von der Bundesliga? Können Sie da auch bereits eine Mannschaft führen?

Demirbay: Ich freue mich auf die Stadien, auf die Stimmung. Ich möchte in der Liga ankommen und beweisen, dass ich nicht nur in der 2. Liga ein Guter sein kann. Ich werde das auch schaffen. Von einer Führungsrolle will ich in diesem Zusammenhang noch nicht sprechen. Ich muss erst einmal Leistung bringen und mir den Respekt erarbeiten. Aber ich übernehme gerne Verantwortung und weiß, dass es auch in der ersten Liga auf Nuancen ankommt. Ich werde diese Zeit genießen und freue mich drauf.

Als Spieler der Nachwuchs-Teams der Türkei träumen Sie da auch von der A-Nationalmannschaft?

Demirbay: Träumen darf man immer, aber das ist für mich im Augenblick kein Thema.

Haben Sie inzwischen den Ärger um die Auseinandersetzung mit der Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus verarbeitet?

Demirbay: Da haben Einige auf mir rumgetrampelt, und es sind viele falsche Sachen über mich veröffentlich worden. Auch das hat mich stärker gemacht. Nun will ich es allen beweisen, die mich damals komplett abgeschrieben haben.