Grundsatzdebatte im Eishockey: DEB fordert weniger Ausländer in der DEL

DEB fordert weniger Ausländer in der DEL : Grundsatzdebatte im Eishockey

Das junge Nationalteam überzeugt beim Deutschland Cup. Doch über allem steht die Diskussion über Ausländer in der DEL.

Als Funktionär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) hat man es nicht einfach. Die meiste Zeit des Jahres findet der Sport in den Vereinen statt. Die Nationalmannschaft steht streng genommen nur zweimal im Mittelpunkt: bei der WM im Mai und bei den Vier-Länder-Turnieren Anfang November. Das des DEB nennt sich Deutschland Cup und ging von Donnerstag bis Sonntag in Krefeld über die Bühne. Für den hatte Bundestrainer Toni Söderholm eine außerordentliche junge Mannschaft nominiert, gerade mal drei Spieler, die vor gut eineinhalb Jahren Olympiasilber gewonnen hatten, waren dabei. Söderholm wollte die nächste Generation mit Blick auf die WM 2020 in der Schweiz testen. Und das Experiment ist gelungen.

Zwar verlor die DEB-Auswahl im letzten Spiel am Sonntag gegen die Slowakei 2:3 in der Verlängerung und verpasste deswegen den Turniersieg. Aber um das reine Ergebnis war es Söderholm ohnehin nicht gegangen: „Wir haben Eishockey mit Leidenschaft gespielt. Viele von meinen Erwartungen sind erfüllt.“

Das galt besonders für Debütanten wie die Nürnberger Daniel Fischbuch (ein Tore, drei Vorlagen) oder Andreas Eder (zwei Tore). Das galt aber auch für etablierte Kräfte wie den Düsseldorfer Torwart Mathias Niederberger, den derzeit vereinslosen Felix Schütz oder den Krefelder Daniel Pietta. Letzterer wurde selbstredend am lautesten gefeiert, und das nicht nur, weil das Urgestein der örtlichen Pinguine ein Heimspiel hatte, er wurde auch Deutschlands bester Punktesammler. Zwei Tore und zwei Vorlagen hatte der 32-Jährige nach den drei Spielen auf dem Statistikzettel stehen.

Reduzierung der Ausländerstellen von neun auf sechs

Die Alten sind in Form, die Jungen machen Druck — das waren gute Nachrichten für den DEB. Und dennoch schwebte über dem gesamten Wochenende ein anderes Thema. Als DEB-Funktionär muss man die wenigen Tage im Fokus der Öffentlichkeit eben nutzen. Und so trat Sportdirektor Stefan Schaidnagel am Samstag vor die Presse und forderte eine Reduzierung der Kontingentstellen für ausländische Spieler in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Derzeit sind elf erlaubt, neun dürfen spielen. Schaidnagel will die Anzahl bis 2026 schrittweise auf sechs senken. Nur so würde die Liga der positiven Entwicklung in der Nachwuchsarbeit Rechnung tragen. „Wir müssen uns überlegen: Wollen wir uns für die Anstrengungen der letzten Jahre belohnen?“, fragte Schaidnagel, Unterstützung gab es von Bundestrainer Söderholm („Das ist der einzige richtige Weg“) und Präsident Franz Reindl („Die Zeit ist reif“).

Falsch ist das nicht. Die U18- und die U20-Nationalteams sind zuletzt aufgestiegen. Es gibt so viele junge Talente wie lange nicht, Moritz Seider und Tim Stützle gehören gar weltweit zu den Besten ihrer Jahrgänge. Neu ist das Thema trotzdem nicht, in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Vorstöße, die Zahl der Ausländer in der DEL zu beschränken. Doch die Vereine lehnten stets ab: Deutsche Spieler verlangten mehr Gehalt als in der Heimat gescheiterte Kanadier, in der Breite seien die teuer. Außerdem leide die Wettbewerbsfähigkeit der kleineren Klubs, wenn sie noch mehr auf einheimische Spieler setzen müssten, die besten spielen naturgemäß bei den Großklubs.

Am Montag treffen sich die Sportdirektoren der DEL-Clubs

Und es sei auch grundsätzlich keine gute Idee, das Thema aufzuwärmen, die Ausländerregel verstößt nämlich gegen EU-Recht. Die Klubs haben sich lediglich darauf verständigt, nicht mehr als neun Ausländer spielen zu lassen, falls einer doch mehr einsetzt, könne keiner rechtlich dagegen vorgehen. Und wer weiß: Nächste Saison kann man wieder aus der DEL absteigen, nicht dass einer aus Existenznot „schnell noch zehn Finnen holt“, sagte ein Funktionär.

DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel. Foto: dpa/Marcel Kusch

Bei der Liga kam das Thema nicht nur deswegen weniger gut an. Offiziell wollte niemand etwas sagen, aber hinter vorgehaltener Hand gab es Misstöne. Man wolle sich nicht als die darstellen lassen, die nichts für die Jugend machen. Es seien doch die Klubs, die viel Geld in die Jugendarbeit investiert hätten. Das viel gelobte „Fünf-Sterne-Konzept“ für den Nachwuchs komme doch aus der Liga. Und die habe doch von sich aus eine U 23-Regel eingeführt.

DEB-Präsident Reindl klang deswegen schon versöhnlicher als Schaidnagel. Das Ganze sei „keine Forderung, sondern eine Anregung“. Allerdings eine, die emotional diskutiert werden dürfte: Am Montag findet in Neuss ein Treffen der Sportlichen Leiter der DEL statt, mit dabei: Stefan Schaidnagel.

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