Kultur im Düsseldorfer Norden: „Es geht nur mit sehr viel Engagement“

Kultur im Düsseldorfer Norden: „Es geht nur mit sehr viel Engagement“

Der ländliche Norden kommt kulturell auch ohne große Oper aus. Kultur wird auf Festen und in kleinen Cafés geboten, sagen zwei Krimiautorinnen.

Düsseldorf. Wie vielfältig ist das kulturelle Leben im Norden Düsseldorfs?
Brigitte Lamberts, Annette Reiter: Der Düsseldorfer Norden hat so einiges zu bieten, obwohl zugegebener maßen in den ländlicheren Stadtteilen wie Angermund, Wittlaer und Kalkum das gesellschaftliche Leben in erster Linie durch Schützen-, Sport- und Heimatvereine dominiert wird. Doch die legen ein erstaunliches Engagement an den Tag. Kulturelles Zentrum im Norden ist aber ohne Frage Kaiserswerth, die ehemalige Reichsstadt, die 1929 eingemeindet wurde.

Wo spielt abends die Musik?
Lamberts + Reiter:
Bei Meyer-Freemann in Kalkum gibt es im August Jazz im Biergarten. In der Gaststätte an der Unterdorfstraße 60 kann sich der Besucher natürlich auch kulinarisch verwöhnen lassen, im Sommer in dem schattigen Biergarten (www.meyer-freemann.de).

Wo bekommt man sein kleines intellektuelles Abenteuer?
Lamberts + Reiter:
Im Café Startklar an der Niederrheinstraße 182 in im Lohausen „Der kleine Urlaub vom Alltag“, das ist der Slogan, den sich die Inhaberinnen Marie Heckhoff und Beate Vielhaus auf die Fahne geschrieben haben. In einem Einfamilienhaus aus den 50er Jahren betreiben die beiden ihr gemütliches Café mit selbstgemachten Kuchen, köstlichem Kaffee, ausgewählten Weinen und pikanten Leckereien.

Man fühlt sich wie bei Muttern umsorgt, in einem stilvollen Ambiente. Im Sommer kann man sich auf der Terrasse oder im weitläufigen Garten entspannen. Alle zwei Monate gibt es wechselnde Ausstellungen von bildenden Künstlern, jeden Mittwoch Lesungen — Krimis, Liebesgeschichten, Lyrik oder historische Romane. Das Wochenende wird freitags mit einem musikalischen Abend eingeläutet. Kultur und Kulinarik verbinden sich hier auf angenehmste Weise (www.cafe-startklar.de).

Kultureller Treffpunkt in Angermund ist das Bürgerhaus an der Graf-Engelbert-Straße. Es steht Bürgern, Vereinen und Institutionen offen. In Absprache mit dem Angermunder Kulturkreis e.V. öffnet das Bürgerhaus für vielfältige Veranstaltungen seine Pforten: Ausstellungen, Lesungen, Musikabende werden hier organisiert, ebenso Vortragsreihen oder Exkursionen.

Jeder Verein, jede Institution, aber vor allem viel privater Einsatz lassen dann schöne Ereignisse entstehen, wie den jährlichen Nikolausmarkt oder demnächst eine Rocknacht. (www.angermunder-kulturkreis.info)

Wo wird die Lust auf Bilder befriedigt?
Lamberts + Reiter:
Im Ballhaus in Stockum. Das Ballhaus im Nordpark wurde als Ausstellungshalle 1938 von dem Architekten Fritz Becker erbaut und bietet den Besuchern auch heute ein abwechslungsreiches Programm an Ausstellungen bildender Künstler. In dem lichtdurchfluteten Ausstellungsraum lassen sich Bilder, Objekte, Installationen oder Skulpturen betrachten.

Zumeist sind es mehrere Künstler oder Künstlervereinigungen, die ihre Arbeiten präsentieren. Gerade die Mischung aus verschiedensten künstlerischen Ausdrucksweisen machen diese Ausstellungen zu einem Erlebnis. Und oft lässt sich etwas entdecken, das einen in seinen Bann zieht und für überschaubare Beträge den Besitzer wechselt.

Unsere Kulturlieblinge
Lamberts + Reiter:
Das ist einmal die Buchhandlung Lesezeit am Klemensplatz in Kaiserswerth Karin Esch hat sich 2004 ihren Lebensträume erfüllt: eine kleine, aber feine Buchhandlung. Fast zehn Jahre später beweist sie mit Tochter und ihrem Team erneut Mut: Die Buchhandlung Lesezeit ist an den Kaiserswerther Markt gezogen, hat sich vergrößert und nun auch mehr Platz für gemütliche Leseecken.

Denn der Name ist Programm: Man möge sich Zeit nehmen, um in Ruhe das Passende zu finden. Im Angebot auch: Lesungen, Signierstunden oder ein Spielenachmittag für die Kids. Zwei Veranstaltungen pro Monat sind die Regel, oft sind es sogar mehr. (www.buchhandlung-lesezeit.de).

Ein weiterer Kulturliebling ist die Kaiserswerther Buchhandlung. An der Alten Landstraße gelegen auf dem Gelände der Diakonie und mit Blick auf das 1903 erbaute Mutterhaus, befindet sich dort die älteste Buchhandlung Kaiserswerths. Regelmäßige Lesungen finden im ehemaligen Mutterhaus statt, das seit einigen Jahren ein 3-Sterne-Superior-Hotel ist. Erst vor drei Monaten konnten die Organisatoren den Literaturkritiker Denis Scheck begrüßen.( www.kaiserswerther-buchhandlung.de).

Was ist der Höhepunkt des Jahres?
Lamberts + Reiter:
Zwei Veranstaltungen im Herzen von Kaiserswerth bilden die Höhepunkte des Jahres im Norden: das Weinblütenfest im Juni und das Kartoffelfest im September. Beide Veranstaltungen verknüpfen Lebensart, Kommunikation und kleinere Kulturdarbietungen miteinander. Das Weinblütenfest musste in diesem Jahr leider wegen der erheblichen Sturmschäden kurzfristig abgesagt werden. Das Kartoffelfest wird jedoch stattfinden: am 13. und 14. September. Die Besucher erwarten kulinarische Spezialitäten sowie ein Kunst- und Kunsthandwerkermarkt.

Wo trifft man sich?
Lamberts + Reiter:
Im FFZ, dem Hotel und Tagungshaus der Evangelischen Kirche im Rheinland an der Kaiserswerther Straße in Stockum. Es bietet Ausstellungseröffnungen zu Arbeiten bildender Künstler, Vorträge zur Kunst und zu anderen Themen, Konzerte.

Zwei regelmäßige Veranstaltungsreihen gibt es an jedem letzten Freitag im Monat: die „Stockumer Vesper“ (eine Andachtsreihe zum Thema Religion und Konfessionen) in der Kapelle des FFZ und unter dem Motto „Kino und Kirche“ werden anspruchsvolle und prämierte Filme vorgestellt.

Im Anschluss bleibt genügend Zeit bei einem kleinen Imbiss sich über das Gesehene auszutauschen und interessante und aufgeschlossene Menschen kennen zu lernen (www.ffz.de).

Die Fragen formulierte Sema Kouschkerian.