Der VfL Bochum kriselt Warum Butscher nicht erste Wahl war

BOCHUM · Der neue Trainer des VfL Bochum ist bei einigen im Verein durchaus umstriten – wegen einer brisanten Geschichte

 Bochums Trainer Heiko Butscher vor dem Spiel.

Bochums Trainer Heiko Butscher vor dem Spiel.

Foto: dpa/Fabian Strauch

Beinahe hätte Keven Schlotterbeck seinem neuen Trainer Heiko Butscher den Einstand vermasselt, dann aber rettete eben jener Schlotterbeck dem 43-Jährigen bei dessen wiederholter Premiere auf der Bank des VfL Bochum zumindest einen Punkt. In der 81. Minute der Partie gegen Aufsteiger 1. FC Heidenheim war dem Innenverteidiger ein Eigentor unterlaufen, neun Minuten später köpfte der Bruder des Dortmunder Nationalspielers Nico Schlotterbeck nach einem Eckball von Kevin Stöger das 1:1. „Einerseits wollte ich im Boden versinken, dann aber schnell wieder aufstehen und für die Mitspieler der Mutmacher sein“, sagte Schlotterbeck.

Kuntz, Fischer und Stöger
waren in der Verlosung

Unter Trainer Thomas Letsch hatte der VfL Bochum nach Führungen 21 Punkte verspielt, dabei sieben Gegentreffer gar in der Nachspielzeit kassiert. Butscher also gelang gleich zum Einstand das Gegenteil, doch gefühlt war das Unentschieden eine Niederlage. Denn der Vorsprung auf Platz 16 ist bis auf einen mickrigen Punkt geschmolzen. Zudem sprechen sieben Spiele in Folge ohne Sieg, das Torverhältnis sowie die auch beim 4:1 über Hoffenheim gezeigte starke Form von Konkurrent FSV Mainz 05 gegen das Team von der Castroper Straße. „Wir kämpfen und werden alles tun, damit der VfL in der Bundesliga bleibt. Noch haben wir unser Ziel in den eigenen Händen. Das ist das Wichtigste, auch wenn die Situation jetzt nochmal enger geworden ist“, meinte Kapitän Anthony Losilla.

Doch allein die Wahl des neuen Übungsleiters zeigt, dass viele diese Mission für ein äußerst schwieriges Unterfangen halten. Eigentlich hatten die Verantwortlichen um die Dienste von Stefan Kuntz, Urs Fischer und Peter Stöger gebuhlt. Von allen gab es Absagen und so gebar die „Castroper“ im sportlichen Leiter der eigenen U19 statt eines Elefanten eher ein kleines Mäuschen. Damit springt Butscher bereits zum dritten Mal ein, zuvor allerdings ob fehlender Trainer-Lizenz lediglich interimistisch für jeweils eine Partie. Am 9. Februar 2018 feierte er zwischen Jens Rasiejewski und Robin Dutt ein 2:1 gegen den SV Darmstadt 98, am 2. September 2019 musste er ebenfalls in der zweiten Liga zwischen Robin Dutt und Thomas Reis ein 1:2 beim VfB Stuttgart hinnehmen, am 18. September 2022 gab es zwischen Thomas Reis und Thomas Letsch ein 1:1 gegen den 1. FC Köln.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Butscher die Trainer-Lizenz erworben und auf ein längeres Engagement spekuliert. Zugetraut wurde ihm dies damals allerdings noch nicht und auch jetzt ist die Aufgabe zunächst einmal befristet. „Sie ist auf den Rest der Saison ausgelegt, danach sehen wir weiter“, erklärte Sport-Geschäftsführer Patrick Fabian. Denn natürlich weiß der 36-Jährige ebenso wie Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Villis und Finanz-Geschäftsführer Ilja Kaenzig um eine brisante Geschichte. Im Februar 2020 hatte Butscher als Assistent von Thomas Reis vor dem dann mit 2:1 gewonnenen Spiel bei Dynamo Dresden Mitteilungen verschickt, in denen er auf eine Niederlage hoffte, um – wenig loyal – Reis beerben zu können. Der damalige Manager Sebastian Schindzielorz schickte Butscher daraufhin zur U19, nun aber soll er den VfL retten.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort