Rosenmontag: Die fleißigen Helfer am Rande des Zochs

Rosenmontag: Die fleißigen Helfer am Rande des Zochs

Viele Menschen sorgen an den tollen Tagen dafür, dass die Jecken unbeschwert feiern können.

Düsseldorf. Hunderttausende feiern beim Straßenkarneval eine Party nach der anderen. Doch einige müssen auch arbeiten und dafür sorgen, dass die Feierwütigen sicher und entspannt gute Laune haben können. Die WZ stellt einige dieser fleißigen Helfer vor.

Foto: Melanie Zanin

Kirsten Wieck ist Einsatzleiter beim Roten Kreuz, seit 1985 arbeitet der gebürtige Hannoveraner schon beim Rosenmontagszug: „Ich habe mit Karneval überhaupt nichts am Hut. Im Gegenteil, ich freue mich immer, wenn ich arbeiten kann.“ Seit es das Glasverbot gibt, hat das Rote Kreuz zwar wesentlich weniger zu tun, die Hilfsorganisationen sind dennoch mit 270 Kräften in der Stadt präsent.

Foto: Melanie Zanin

„Allerdings sind die Patienten erschreckenderweise sehr viel jünger geworden.“ Und wie zum Beweis kommt gestern gegen halb eins am Mittag der erste 16-Jährige volltrunken in die Aufnahme. „Entweder kommt der jetzt ins Krankenhaus oder wir übergeben ihn seinen Eltern, wenn wir sie auftreiben können“, sagt Wieck, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann.

Foto: Judith Michaelis

Horst Gatzen fährt seit 30 Jahren am Rosenmontag den Trekker der KG Mülljecke aus Urdenbach. Das alte Gefährt ist ein Porsche-Diesel aus dem Jahr 1957, Gatzens Hobby. „Eigentlich braucht man formal, außer einem Führerschein, keine besonderen Voraussetzungen zu erfüllen“, sagt der 69-Jährige, der auch der Vorsitzende der Mülljecken ist, „ansonsten musst du aber deine Augen überall haben und immer auf der Hut sein, dass dir niemand vor die Räder läuft.“

Mit der Zeit hat der Fliesenlegermeister ein Auge für die Gefahr entwickelt: „Ich beobachte fortwährend die Menschen am Straßenrand — man sieht, ob die Menschen einen wahrnehmen oder nicht.“ Selbst eine Vollbremsung bei nur fünf Stundenkilometern habe auch für die Wageninsassen unangenehme Folgen: „Die rechnen nicht damit und würden alle hinfallen und sich verletzen.“ Nach dem Zoch geht auch Gatzen feiern: „Wir treffen uns alle bei uns im Vereinslokal Alt-Urdenbach zum Grünkohl essen — und dabei gibt es auch ein leckeres Alt.“

Martin Gerhard leitet die Polizeiinspektion Stadtmitte, besser bekannt als die Altstadtwache, er ist für die Sicherheit der Besucher rund um den Zoch verantwortlich. „Seit Anfang des Jahres stecken wir in den Vorbereitungen für Karneval, denn der Zoch geht ja durch das Nervenzentrum der Stadt. Da bekommt auch niemand dienstfrei“, sagt er. Ihm selbst macht es nichts aus, den anderen beim Feiern zusehen zu müssen: „Dafür bin ich zu sehr Polizist.“ Dabei mag er Karneval — vor allem, wenn alles friedlich bleibt.

Und dann ist da noch Marcus Korsten: Seit sechs Jahren arbeitet er bei der Rheinbahn als Straßenbahnfahrer und sorgt dafür, dass das Partyvolk sicher zu den Veranstaltungen kommt. „Es ist schon stressiger als sonst. Wenn die Leute getrunken haben, unterschätzen sie die Gefahr, die von einer Straßenbahn ausgehen kann.“ Vor allem ab dem frühen Abend wird es schon mal ungemütlich in den Fahrzeugen. „Dann hat man öfter schon mal kleine Rangeleien in den Zügen, das erlebt man leider immer wieder.“ In diesem Jahr hat der 33-Jährige selber nichts von den tollen Tagen. „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, denn eigentlich bin ich auch ein Karnevalsjeck“, sagt Korsten, „aber im nächsten Jahr hab ich dann auch wieder frei.“

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