Rosenmontagszug: TV-Kritik - Oft sogar lustig

Rosenmontagszug: TV-Kritik - Oft sogar lustig

Düsseldorf. Ein herzliches Helau schicken wir an dieser Stelle zunächst nach Köln. So viel Zeit muss sein. Der WDR hat tatsächlich pünktlich die Fortsetzung des Düsseldorfer Rosenmontagszugs im Dritten übertragen, unseren Moderatoren Barbara Oxenfort und René le Riche ausnahmsweise einmal nicht das Wort mitten im Satz abgeschnitten, um verfrüht zum Kölner Zug umzuschwenken, und auch Bild und Ton haben einwandfrei funktioniert.

Fein, dass die Düsseldorfer diesmal für ihre Gebühren bekommen haben, was im Programm stand. Danke, ehrlich.

Gut gemacht haben ihre Sache auch Barbara Oxenfort und René le Riche. Sie ließen sich von dem Gebot, Karneval muss lustig sein, nicht beirren und verzichteten bei ihrer Moderation auf eine Dauer-Witz-Parade. Lustig waren sie meistens trotzdem. Oxenfort landete sogar gleich bei einem der ersten Mottowagen einen Treffer.

Als ein aufgepumpter Vladimir Putin im Sporthemd vorbeirollte, dem eine Bombe aus dem Oberarm wuchs, sagte sie trocken: „Das hat der gerne: Zeigt sich am liebsten mit freiem Oberkörper. Nur schade, dass der Kopf so klein ist.“ Fast tiefsinnig ist das und war vielleicht sogar Absicht.

Über den SPD-OB-Kandidaten Thomas Geisel lästert Oxenfort: „Das ist ein Mann wie ein Baum. Ein Bonsaibaum.“ Darauf le Riche: „Den musst du mal neben OB Dirk Elbers sehen.“ Der ist fünf Minuten später dran. „Guck mal, der sitzt neben der Landtagspräsidentin.“ Le Riche: „Den Job würde er bestimmt auch gern mal machen.“ Oxenfort: „Klar, unser OB kann doch alles.“

Etwas mehr Gift hätten die beiden bei den Themen der großen Politik verspritzen dürfen. Den Edathy-Wagen mit „Da kommt hinten nix mehr raus“ zu kommentieren oder über das Merkel-Hollande-Gespann zu jammen: „Das ist gemein, so dick ist unsere Kanzlerin nicht“, ist schwach. Da muss mehr kommen, kann auch Oxenforts Düsseldorf-Sprech nichts mehr retten. Ihre Ansagen auf Platt sind jedoch ansonsten eine feine Sache und strahlen deutlich mehr Lebendigkeit aus als die Moderation ihres Partners le Riche.

Schön ist, dass der Zuschauer richtig viel lernt über den Karneval, die Vereine und die Pferde, ohne sich belehrt fühlen zu müssen. Oxenfort und le Riche sind gut vorbereitet und verbreiten ihre Kenntnisse unaufdringlich. Mit diesem wohldosierten Selbstdarstellertum kommen wir bestens klar. Helau!

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