Nach dem Infarkt ist sie wieder fit

Nach dem Infarkt ist sie wieder fit

Wird die Herzerkrankung früh genug erkannt, muss sie nicht tödlich sein. Die ersten Minuten sind entscheidend.

Düsseldorf. Im Leben von Monika Schäfer geht es wieder aufwärts. Die 54-Jährige hat nach ihrem Herzinfarkt im August dieses Jahres neuen Lebensmut gewonnen, auch wenn die vergangenen Wochen durch Rückschläge gekennzeichnet waren: Ihre starken Rückenschmerzen und die Übelkeit haben Ärzte zunächst nicht ernst genommen und schon gar nicht mit einem Infarkt in Verbindung gesetzt. Eine Ärztin schloss nach zahlreichen Untersuchungen einen Herzinfarkt sogar zu fast 100 Prozent aus. "Da war ich natürlich beruhigt", erzählt Schäfer heute.

Dass sie am zweiten Augustwochenende dann doch schier unbemerkt einen Herzinfarkt erlitten hat, erfuhr die Bankkauffrau erst am Tag darauf. "Meine Ärztin hat beim Ruhe-EKG Veränderungen festgestellt, worauf sie mich ins Krankenhaus überwiesen hat."

Doch da war die Sache schon gelaufen - mit viel Glück für Monika Schäfer. "Ich hätte nicht gedacht, dass sie den Infarkt überlebt", sagt ihr behandelnder Arzt, Professor Georg V. Sabin, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Essener Elisabeth-Krankenhaus.

Die Symptomatik von Monika Schäfer verdeutlicht, wie groß die Differenzen bei einem Infarkt zwischen den Geschlechtern sind. Während Männer bei einem Herzinfarkt über Druckschmerz unter dem Brustbein, starkes Engegefühl, Brennen im Brustkorb und Atemnot klagen, treten bei Frauen vermehrt Bauch- und Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche auf. Symptome, die immer noch viele falsch deuten.

Die Folge: "Eine Frau trifft im Durchschnitt 74 Minuten später im Krankenhaus ein als ein Mann, weil sie ihre Symptome falsch beurteilt", berichtet Sabin. Dadurch verzögert sich bei Frauen mit einer akuten Herzerkrankung eine lebensnotwendige Behandlung. So war es auch bei Monika Schäfer. Insgesamt drei Tage vergingen, bis sie im Krankenhaus eintraf.

Am akuten Herzinfarkt starben im vergangenen Jahr rund 57 000 Menschen. Doch nicht immer muss ein Herzinfarkt tödlich enden. Entscheidend für das Überleben ist schnelles Handeln. "Jede Minute kann über Leben oder Tod entscheiden, deshalb muss der Notarzt sofort gerufen werden", berichtet Sabin.

Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung warten viele Betroffene im Durchschnitt mehr als drei Stunden, bis sie den Notruf 112 wählen. Sabin: "Je nachdem, wo sich das Infarktgebiet befindet und wie groß es ist, kann es zu schweren Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen kommen." Und genau diese Folgen müssen so schnell wie möglich vermieden werden.

Monika Schäfer hatte Glück im Unglück: Trotz der anfänglichen Fehldiagnose ihrer Hausärztin hat sie nach dem Infarkt noch rechtzeitig das Krankenhaus aufgesucht. "Schon nach dem Echo haben die Ärzte festgestellt, dass zwei Arterien verstopft waren", erzählt sie. Daraufhin wurde an die verschlossene Stelle ein Stent gesetzt (s. Kasten).

Auch wenn die Symptome eines Infarkts oft plötzlich auftreten, entwickelt sich dieser nicht von heute auf morgen. "Durch fettige Ernährung oder erbliche Faktoren lagern sich an den Wänden der Herzkranzgefäße Plaques ab, die die Gefäße immer mehr verengen", erläutert Sabin. Diese Ablagerungen führen mit der Zeit zu Verengungen, durch die das Blut nicht mehr ungehindert fließen kann.

Die Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff ist der Vorbote eines Infarkts und wird auch als Angina pectoris bezeichnet. Erst bei einer Einengung von etwa 75 Prozent kommt es unter Belastung zu Beschwerden, die denen eines Infarkts ähneln und häufig in abgeschwächter Form auftreten.

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, an einer Angina pectoris und als Folge an einem Herzinfarkt zu erkranken. "Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes", zählt Kardiologe Sabin auf und ergänzt: "auch eine familiäre Vorbelastung ist nicht zu unterschätzen."

Die genetische Veranlagung hat a³uch Monika Schäfer. Bereits ihr Vater und Großvater waren herzkrank und starben daran. Doch nicht allein die Gene sind Schuld. Bei einer Größe von 1,60 Meter wog Monika Schäfer im Sommer noch 81 Kilogramm, "viel zu viel", wie sie heute sagt.

Zweieinhalb Monate nach der Diagnose und einem dreiwöchigen Kuraufenthalt weiß Monika Schäfer es heute besser: "Ich gehe zur Herzsportgruppe und achte mehr auf meine Ernährung. Dadurch sind schon fünf Kilo runter."