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Potenzstörungen: Lebensfreude neu entdeckt

Potenzstörungen: Lebensfreude neu entdeckt

Mindestens 20 Prozent der über 50-Jährigen leiden an Impotenz – doch das muss nicht sein.

Düsseldorf. 1998 wurde die Potenzpille Viagra auf dem deutschen Markt eingeführt - ein Jahr zu spät für Werner Zaeffert aus Berg-Neustadt. Der heute 55-Jährige litt schon ein Jahr zuvor an Erektionsstörungen. "Auslöser dafür war eine Depression", erinnert sich Zaeffert. Seine Depressionen lies er behandeln, seine Erektionsstörungen verschwieg er.

Wieviele im Verborgenen leiden, ist unbekannt. Fakt ist: "Die Erektile Dysfunktion (Impotenz) ist eine häufige Erkrankung, 20 Prozent aller über 50-Jährigen in Deutschland haben die Symptome", weiß Dr. Herbert Sperling, Leiter der Klinik für Urologie der Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach.

Werner Zaeffert lebte zwei Jahre lang mit den ständigen Versagensängsten im Bett, bis der Druck zu groß wurde. Er suchte seinen Hausarzt auf. "Der Mediziner verschrieb mir Viagra", so der 55-Jährige. "Ich sollte die Pille bei Bedarf einsetzen". Die Tablette half, sie nahm ihm die Angst zu versagen. "Manchmal reicht es mittlerweile einfach aus, dass ich weiß, dass sie da ist", erklärt der Betroffene. Er habe die Lebensfreude wieder neu entdeckt, schmunzelt er.

Es gebe aber auch Rückschläge, vor allem dann, wenn es seiner Seele nicht gut geht. Bei anderen Patienten kann die Tablette dauerhaft helfen. "Die Therapie mit PDE-5-Hemmern (Viagra, Cialis, Levitra) ist eine Revolution. Vielen Männern mit einer Erektionsstörung aufgrund einer Durchblutungstörungsgenese kann hiermit gerade im Anfangsstadium gut geholfen werden", erklärt Prof. Stephan Roth, Leiter der Urologie des Helios Klinikums Wuppertal.

Es gebe aber noch andere Möglichkeiten, wie die Schwellkörperinjektionstherapie oder die Vakuumpumpe. Die früher durchgeführte Gefäßprothese mit dem Aufnähen eines sauerstoffzuführenden neuen arteriellen Gefäßes werde heute nicht mehr durchgeführt. In seltenen Fällen werde eine Prothese implantiert.

Wenn Werner Zaeffert heute an damals denkt, dann bereut er es, dass er so lange gewartet hat. "Ich hätte eher meine Scham überwinden sollen. Denn ich war so erleichtert, als ich das erste mal offen darüber gesprochen hatte", berichtet er.

Neben der Einnahme der Tabletten hat er sich auch im Internet anonym mit Leidensgenossen ausgetauscht. "Es ist gut zu wissen, dass es viele mit demselben Problem gibt." Mittlerweile ist er sogar in die Offensive gegangen, er gibt seine Erfahrungen und sein Wissen in einer Selbsthilfegruppe weiter.

Auf die Frage, was man bei Erektionsstörungen zwingend machen sollte, antwortet er spontan: "Der Betroffene muss dringend mit seinem Partner reden." Für viele sei dies das größte Hindernis. Obwohl in den meisten Fällen die Lebensgefährten sehr verständnisvoll reagieren würden. "Wer nicht redet, läuft Gefahr seinen Partner zu verlieren", erläutert er.