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Zuviel Zucker im Frühstücksmüsli

Zuviel Zucker im Frühstücksmüsli

Waren im Supermarkt sind bedenklich, am besten sollte man sie selber mischen.

Düsseldorf. Die Suche nach dem richtigen Müsli scheint im Supermarkt schon fast unmöglich. Viel zu viele Sorten reihen sich hier aneinander - von Schoko-Chips und Flakes über Pops mit Honig bis hin zum fettarmen Früchtemüsli. Zudem überhäufen sich die Hersteller mit Versprechungen: Extra viele Früchte, Vitamine und Ballaststoffe sowie gesunder Honig sollen in den Frühstückszerealien und Müslis stecken.

Die Stiftung Warentest wollte es genau wissen und nahm insgesamt 30 gesüßte Frühstückszerealien unter die Lupe. Davon waren 16 mit Schokolade und 14 mit Zucker oder Honig angereichert. Überzeugt hat die Tester kein einziges Produkt. 24 der 30 Sorten erreichten in ihrer ernährungsphysiologischen Qualität lediglich die Note ausreichend, fünf sogar mangelhaft. "Solche Zerealien gehören nicht auf den Frühstückstisch, sondern ins Süßigkeitenregal", sagen die Tester. Nur das "Granola Choc Blop" vom Discounter Penny hat mit rund 22 Gramm Zucker pro 100 Gramm besser abgeschlossen.

Die Tester bemängeln besonders den hohen Zuckergehalt der unterschiedlichen Produkte. So bestehen die meisten zu 25 bis 35 Prozent aus Zucker, vier sogar fast zur Hälfte. Darunter sind die Honig-Cerealien "Knusperone Honey Wheat" von Aldi Süd, "Gletscherkrone Honey Balls" von Aldi Nord, "Golden Breakfast Honey Wheat" von Norma sowie "Fit & Activ Honey Wheat".

Von solchen Nahrungsmitteln rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) dringend ab. "Mit einer realistischen Portion von 60 Gramm hat man bereits 30 Gramm Zucker zu sich genommen", sagt Antje Gahl von der DGE. Das entspricht etwa der Hälfte der Menge, die für einen Erwachsenen pro Tag tolerierbar ist.

Kinder hätten mit 30 Gramm bereits ihr Tageslimit erreicht. Laut Stiftung Warentest solle man sich als Verbraucher von Werbehinweisen wie "mit Honig" nicht beeindrucken lassen. Schließlich sei er ernährungsphysiologisch nicht besser als Zucker.

Vielfach sollen die Zerealien auch ballaststoffreich, weil aus vollem Korn sein. Laut Deklaration macht Getreide häufig aber nur etwas mehr als die Hälfte der Zutaten aus. Das volle Korn sucht man vergebens. "Fast jedes dritte Produkt war in Bezug auf den Ballaststoffgehalt mangelhaft", so die Tester. Noch am meisten hat das "Nesquik Knusperfrühstück" von Nestlé, das zumindest in dieser Hinsicht mit der Note befriedigend abschnitt.

Dabei gehören gerade Ballaststoffe in ein gesundes Frühstück hinein, wie Ernährungsexpertin Gahl erklärt: "Es sind unverdauliche Kohlenhydrate, die die Darmtätigkeit fördern und für ein längeres Sättigungsgefühl sorgen." Dadurch bleibe auch der Zuckerspiegel länger konstant und der Heißhunger hat somit keine Chance.

Wer auf Ballaststoffe nicht verzichten will, braucht nur etwas Fantasie, die richtigen Lebensmittel und schon lässt sich schnell und einfach ein leckeres Müsli zubereiten. Die Grundlagen sind Getreideflocken, Obst und Milch oder Joghurt. Sie empfiehlt, beim Kauf darauf zu achten, dass möglichst viel Getreide drinsteckt. "Dann kann es auch mal ein gekauftes Früchtemüsli sein, dass man mit frischem Obst, Nüssen oder unterschiedlichen Kernen aufwertet."

Das Selbermixen hat außerdem den Vorteil, dass man nur natürliche Zutaten zu sich nimmt. Von natürlich kann bei den süßen Zerealien nicht die Rede sein. 30 der 27 Produkte sind mit Vitaminen angereichert, viele auch mit Mineralstoffen. "Bei einer ausgewogenen Ernährung sind Zusätze überhaupt nicht notwendig", sagt Gahl.

Für die Organisation foodwatch sind die Ergebnisse nichts Neues. Sie beschäftigt sich seit längerem mit den Zuckerbomben und bemängelt - wie die Stiftung Warentest auch - vor allem die unrealistischen Portionsgrößen, auf die sich die Nährwertangaben auf der Verpackung beziehen. "Die Größe wählt der Hersteller selbst", sagt Sprecher Henrik Düker. "Je kleiner die Portion, desto kleiner wird natürlich die Prozentangabe und damit der Anteil an der empfohlenen Verzehrmenge pro Tag."

Damit der Verbraucher die Produkte vergleichen kann, fordert foodwatch "eine Ampelkennzeichnung, die anstatt der bisherigen 30 Gramm die Nährwerte auf 100 Gramm berechnet".