Alte Fotos bei Null Grad lagern

Alte Fotos bei Null Grad lagern

Der Fotokünstler Gursky bewahrt seine Bilder für die Nachwelt in einem Archiv, das in den Krefelder Museen zu sehen ist, auf . Sein Labor gibt Tipps, wie man Aufnahmen schützen kann.

Krefeld. Andreas Gursky, Deutschlands beliebtester Fotokünstler, kann nach der Eröffnung der Retrospektive in den Krefelder Museen Haus Lange und Haus Esters durchatmen.

Er hat alles getan, damit seine 150 Motive der Nachwelt erhalten bleiben. Normalerweise wird die Fotografie eher als jede andere Kunst ein Opfer der Zeit. Licht und Umwelteinflüsse sind ihre Feinde.

Die Firma Grieger gilt unter Geschäftsführer Dieter Jung als größter und traditionsreichster Anbieter professioneller Bildtechniken in Düsseldorf. Das Labor hat die gesamte Gursky-Schau betreut.

Jung weiß, wie man Lichtbilder vor dem Verfall rettet. Er weiß auch, wo die Unterschiede zwischen den Abzügen oder Ausdrucken von einst und heute liegen.

Gurskys aktuelle Bilder in Krefeld haben wenig mit seinen frühen Originalaufnahmen vor 20 Jahren zu tun. Die "Universität Bochum" beispielsweise wirkte 1988 weich und harmonisch in der Farbe, heute erscheint dasselbe Motiv härter, geradezu knackig aufgenommen.

Sind die alten Aufnahmen etwa der Anfang vom Ende, drohen sie zu verbleichen? Jung beschwichtigt: "In den 70er und 80er Jahren waren Farbfotos leicht gelb, sie besaßen noch kein reines Weiß."

In der Tat, heute erscheinen die Farben frisch und kontrastreich. Wie Gursky die neue Strahlkraft auf alten Fotos erzeugte? Er hat die Negative gescannt und neu ausdrucken lassen. Jung erklärt die Farben von heute: "Das Weiß ist besser, dadurch sind die Farben brillanter und klarer."

Wie er sich den Gelbstich von früher erklärt? "Früher hat Gursky mit dem Vergrößerungsgerät gearbeitet. Bei großformatigen Abzügen entsteht automatisch Streulicht. Heute geschieht alles über den Laser, da wird auf den Punkt genau belichtet."

Bei Normalbürgern gilt dasselbe: Wer Opa und Oma in bleibender Erinnerung behalten will, muss die Negative von anno dazumal einscannen und ausdrucken lassen. So bleiben die Familienerinnerungen erhalten.

Was sollte man sonst noch für die Haltbarkeit der Fotos tun? Dieter Jung rät: "Die Aufnahmen müssen an der Oberfläche durch Folie oder Acrylglas geschützt werden." Das heißt, das preiswerte Fensterglas hat ausgedient, es lässt zu viel Licht durch.

Jung schiebt jedoch nicht nur dem Tageslicht die Schuld für das allmähliche Verschwinden der Farben zu. "Die Umwelteinflüsse sind weitaus schädlicher." Die erste Devise: "Bloß keine Lösungsmittel oder Schadstoffe in der Nähe von Fotos aufbewahren."

Im Rheinland wird viel Fotokunst gekauft. Was rät man Sammlern bei der Lagerung? "Man soll die Blätter so wenig wie möglich dem hellen Licht aussetzen, sondern sie dunkel halten.

Wenn Großfotos noch nicht aufgezogen und hinter Plexiglas gesteckt sind, archiviert man sie am besten bei minus fünf Grad. Sind sie kaschiert, genügen null bis zwei Grad. Holt man sie ans Tageslicht, sollte man sie langsam von der Temperatur im Kühlraum an die normale Raumtemperatur gewöhnen."

Ist es dann nicht riskant, Gurskys gesamten Bilder-Bestand öffentlich zu zeigen? Dieter Jung gibt eine erstaunliche Antwort: "Die kleinen Motive von Andreas Gursky in Krefeld sind doch gar keine Fotos, sondern Inkjet-Drucke."

Zur Information: Dieses Tintenstrahldruck-Verfahren ist ein Druckverfahren, der Ausdruck geschieht auf Spezialpapier. Dabei werden eine deutlich höhere Detailauflösung, Farbtrennung und Farbstabilität garantiert. Diese Tintenstrahldrucke sind dem klassischen, chemischen Fotoabzug weit überlegen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung