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Wuppertaler Recyclinganlage stößt in Solingen auf Widerstand

Wuppertal/Solingen. : Recyclinganlage stößt auf Kritik

Die AWG will an der Stadtgrenze zu Solingen Boden aufbereiten. Staub und Lärm drohen. Rund 300 Bäume wurden gefällt.

Die Pläne für eine neue Bodenrecyclinganlage der Wuppertaler Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) wecken Sorgen im nahe gelegenen Gräfrath. Anwohner und Politiker befürchten Lärm, zusätzlichen Verkehr und eine zusätzliche Belastung durch Staub. Auch Aktive der Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ kritisieren, dass bereits 300 Bäume gefällt worden seien, ohne dass eine Genehmigung für das Neubauprojekt vorliegt. Der stellvertretende Gräfrather Bezirksbürgermeister Reinhard Burski rechnet mit Protesten aus der Gräfrather Bevölkerung.

Die AWG will die Anlage in Zusammenarbeit mit den Wuppertaler Stadtwerken für neun Millionen Euro in Vohwinkel errichten. Das 15 000 Quadratmeter große Grundstück liegt fast direkt an der Stadtgrenze zu Solingen – am Westring in unmittelbarer Nähe des Autobahnzubringers Roggenkamp (von Gräfrath nach Haan-Ost). Dort soll der Bodenaushub von Wuppertaler Baustellen gesammelt, zerkleinert, gesiebt und für neue Bauprojekte aufbereitet werden. Die Anlage soll montags bis samstags von 7 bis 21 Uhr in Betrieb sein.

Pro Stunde ist mit bis zu 15 Lastwagen zu rechnen

Geplant ist, dass täglich 50 Lastwagen das Gelände ansteuern, in Spitzenzeiten ist nach Angaben der Stadt Solingen mit 15 Lkw pro Stunde zu rechnen. Nicht geringer werden die Sorgen der Gräfrather dadurch, dass AWG-Geschäftsführer Martin Bickenbach in der Bezirksvertretung Vohwinkel angekündigt hat, dass die Lkw-Fahrer angewiesen werden sollen, nicht durch Vohwinkel zu fahren. Das heißt: Sie steuern die Anlage von der Autobahn 46 kommend über den Roggenkamp an. Ein Vertreter der Wuppertaler Stadtverwaltung hatte zwar erklärt, dass die zusätzlichen Lkw auf dem Autobahnzubringer „kaum auffällig“ wären. Petra Steinheuer (CDU), stellvertretende Gräfrather Bezirksbürgermeisterin, wies auf Anfrage darauf hin, dass unter diesen Fahrten auf der Stadtgrenze vor allem Anwohner der Ortschaft Fürkeltrath leiden würden.

Im Zuge des Wuppertaler Genehmigungsverfahrens, auf das Solingen kaum Einfluss haben wird, werden Gutachten zu Staub- und Lärmbelastung für die Umgebung erstellt. Der beauftragte Gutachter gehe aber davon aus, dass die Auswirkungen auf die Nachbarschaft nicht erheblich sein würden. Das bezweifeln etliche Gräfrather. Burski geht trotz geplanter Mauern oder Hallen von einer „erheblichen Belastung“ für die Umgebung aus.

Fehlende Bürgerbeteiligung
wird in Solingen kritisiert

Im Zusammenhang mit der bereits erfolgten Rodung von Bäumen spricht Christian Robbin von der Bürgerinitiative „Rettet das Ittertal“ von einer „Nacht- und Nebelaktion“. Der Verdacht liege nahe, dass diese bewusst vor Inkrafttreten der neuen Wuppertaler Baumschutzsatzung erfolgt sei. AWG-Chef Bickenbach hatte diesen Vorwurf bereits gegenüber den Vohwinkeler Stadtteilpolitikern zurückgewiesen. Das Vorgehen sei mit den zuständigen Behörden abgestimmt gewesen, erklärte er. Unter den gefällten Bäumen seien auch geschädigte und tote Stämme gewesen. Auch seien Vorgaben im Bezug auf den Artenschutz eingehalten worden. Bickenbach kündigte zudem Ersatzpflanzungen an.

Robbin bedauerte im Gespräch auch, dass die Bebauung des Ittertals in diesem Gebiet weiter voranschreite. Nicht nur am Westring werde gebaut. Auch in den Solinger Gebieten Fürkeltrath I und Piepersberg-West sowie im Haaner Areal Backesheide sei mit einer weiteren Flächenversiegelung zu rechnen.

Burski und Robbin monieren, dass die Tochtergesellschaft der Stadt Wuppertal keine ausführliche Bürgerbeteiligung plant. „Die Anwohner wissen nichts“, kritisierte Robbin. Dieses Vorgehen schürt laut Burski Unsicherheit und provoziere möglicherweise Protestaktionen. Die Bürgerinitiative will laut Robbin beraten, wie sie weiter vorgehen wird.