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Wuppertal: Wenn Paare gemeinsam Politik machen

Kommunalwahl : Wenn Paare gemeinsam Politik machen

In Wuppertal engagiert sich oft mehr als eine Person pro Familie.

Jennifer Schunck hatte sich geschworen: „Ich will keinen politischen Mann.“ Denn ihr Vater sitzt im Kreistag, ihr Bruder war Landtagsabgeordneter, das gesamte Familienleben wurde um politische Termine herum gebaut. Ihr späterer Mann René schien ihren Wünschen zu entsprechen. Dabei hatte er nur eine Pause eingelegt. Und stieg bald wieder in die Politik ein – zum Glück bei der Partei, die auch ihr Favorit war - der FDP. Heute sind beide aktiv und mitten im Wahlkampf: Er kandidiert für den Rat, sie für die Bezirksvertretung Cronenberg. Sie sind eines von mehreren Paaren, die sich in Wuppertal gemeinsam politisch engagieren.

„Mir war ganz klar“, erklärt Jennifer Schunck, „entweder gehe ich mit oder ich werde ihn wenig sehen.“ Sie entschloss sich, mitzumachen. Trat ebenfalls in die FDP ein. Interessiert war sie schon immer, soziale Themen liegen ihr am Herzen. „Ich bin jemand, der sagt: Vom Zugucken wird es nicht besser.“ Außerdem fehlten ihr die Frauen in ihrem Alter in der Politik. Inzwischen gehört die Politik auch zu ihrem Beruf: Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Landtagsabgeordneten und OB-Kandidaten Marcel Hafke und macht jetzt Wahlkampf.

Ihr Mann war „schon immer“ politisch aktiv, erst im Bezirksjugendrat, dann saß er für die SPD in der Bezirksvertretung Elberfeld. Als ihm die Politik der SPD nicht mehr gefiel, wechselte er zur FDP und legte eine Politik-Pause ein, in der er seine spätere Frau kennenlernte. Die Politik hat ihn von Anfang an fasziniert: „Man kann schon etwas bewegen“, das fange mit dem Poller an, den man aufstellen oder verhindern könne. Man treffe viele unterschiedliche Menschen, lerne viel Neues kennen: „Ich liebe Politik!“

Sie beschäftigt ihn von morgens mit dem ersten Nachrichten-Podcast bis zum Abend mit der Online-Ausgabe der WZ und der Zeit. Jennifer Schunck hat nicht so viel Zeit für Medien, aber: „Er leitet mir interessante Artikel weiter.“ Und sie diskutieren. „Sie sieht immer den sozialen Aspekt, ich eher den wirtschaftlichen“, sagt René Schunck. Seine Frau erklärt: „Das ist für beide eine Hilfe, man kann überlegen, wie man beide Seiten zusammenbringt.“

Von diesem Austausch berichten auch Heike und Klaus Jürgen Reese, die beide für die SPD aktiv sind, er seit 27 Jahren im Rat, sie seit 21 Jahren in der Bezirksvertretung Oberbarmen. Sie lernte ihn schon engagiert kennen, machte dann auch mit. Auf die Frage, ob sie immer einer Meinung seien, sagt Klaus Jürgen Reese trocken: „Am Schluss ja.“ In den Diskussionen näherten sie sich an. Er schätzt das: „Diese Reflektion ist schon wichtig.“

Mehr Verständnis für
die zahlreichen Termine

Auch Regina Orth und Paul Yves Ramette tauschen sich ständig aus. Begonnen haben sie beide in der SPD, nach dem Parteispendenskandal vor rund 20 Jahren wechselten sie zu den Grünen. Beide sitzen aktuell für die Grünen im Rat und in einer Bezirksvertretung, sie in Cronenberg, er in Ronsdorf. Dabei hat er die längere Erfahrung: Anfangs war nur er in der Politik unterwegs, sie habe das Engagement ihres Mannes aber voll mitgetragen, betont Regina Orth, „weil ich es wichtig finde, etwas zu verändern“. Als ihr Kind weniger Betreuung brauchte, „da habe ich gedacht, jetzt steigst du auch ein.“ Sie fing in der Bezirksvertretung an, „da geht es um Dinge im eigenen Ortsteil“.

In der Kommunalpolitik seien sie meist einer Meinung, sagt Paul Yves Ramette, in der Bundespolitik gebe es auch verschiedene Standpunkte, etwa über die Notwendigkeit von Bundeswehr-Einsätzen. Aber das könnten sie aushalten. Politik bestimmt nicht ihr ganzes Leben. „Ich habe auch andere Hobbys“, sagt Regina Orth. Sie ist auch mal froh, mit Freunden über andere Themen sprechen zu können. Das sieht Klaus Jürgen Reese ähnlich: „Es entspannt ja auch, mal nicht über Politik zu reden.“ Und die Schuncks nehmen sich zum Beispiel im Urlaub vor, möglichst wenig über Politik zu diskutieren.

Alle Paare betonen, dass durch das gemeinsame Engagement das Verständnis für die vielen Termine größer ist. „Wäre das anders, hätte man sich mehr rechtfertigen müssen“, sagt Klaus Jürgen Reese. Seine Frau bestätigt: „Termine kommen manchmal ganz spontan. Für mich ist das dann kein Beinbruch.“ Aber selbst lange Planung hilft manchmal nicht: René Schuncks Geburtstagsfeier, eigentlich für kommenden Samstag geplant, musste dem FDP-Sommerfest weichen.