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430 000 Tonnen Abfall sollen bei der Verkehrswende in Wuppertal helfen

Wasserstoff : 430 000 Tonnen Abfall sollen bei der Verkehrswende in Wuppertal helfen

AWG und WSW stellten Politikern die Müllvebrennungsanlage und den Nutzen für die Wasserstoffbusse vor.

Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien oder auch Energiewende, das  sind Stichworte, die in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Auch der Abfallwirtschaftsgesellschaft Wuppertal (AWG) sind diese Themen in ihrer alltäglichen Arbeit wichtig, betont AWG-Geschäftsführer Martin Bickenbach. Wie die AWG aus Müll nun Wertstoffe zurückgewinnt und wie sie diesen Müll danach auch mobil verwendet, das wurde bei einem Besuch der Wuppertaler SPD-Ratsfraktion erklärt.

„Seit gut zwei Monaten haben wir hier vor Ort die Wasserstoffproduktion in Kooperation mit den Wuppertaler Stadtwerken etabliert“, erläutert Bickenbach. Die WSW benötigen Wasserstoff für ihre neuen, mit diesem Kraftstoff betriebenen Busse. „Den wird die AWG liefern“, sagt Klaus Jürgen Reese, SPD-Ratsfraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Aufsichtsrats der AWG. Außerdem ist an dem Projekt mit dem Namen „Power-to-Gas“ auch der Abfallwirtschaftsverband EkoCity beteiligt.

Die anwesenden Mitglieder der SPD freuen sich über das Projekt. „Wuppertal ist die einzige Stadt in Deutschland, die das aktuell möglich macht“, sagt etwa der Stadtverordnete Lukas Twardowski. Und so ein Antrieb mit Wasserstoff sei wesentlich umweltfreundlicher als einer mit Elektrobatterien, deren Entsorgung eher die Umwelt verschmutze als sie zu schützen, fügt er hinzu.

Durch die Energie, die bei der Müllverbrennung in der Anlage auf Korzert frei wird, kann die Elektrolyse von Wasser stattfinden. Dieser energieaufwendige Prozess ist notwendig, um Wasserstoff herzustellen. „Dabei wird das Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff getrennt“, berichtet der technische Geschäftsführer Conrad Tschersich. Bickenbach ergänzt: „Wir verbrennen jedes Jahr an die 430 000 Tonnen Abfall, die Hitze, die dabei entsteht sorgt für die nötige Energie.“

Bei dem Prozess gehe es vor allem um Sektorenkopplung, so Tschersich. Er zeigt das auf einem Schaubild. Einerseits ist da der Abfall, der seinen Weg in die Müllverbrennungsanlage findet. Durch die Verbrennung entsteht Energie. Die kann dann etwa für die Wasserstoffgewinnung  genutzt werden. Und der wiederum sorgt auch für eine moderne Mobilität, wenn er in den Bussen zum Einsatz kommt. Neben einem Prototyp, der auf dem AWG-Gelände seinen Platz hat, zeigt Tschersich ein Müllfahrzeug und zwei PKW der AWG, die mit Wasserstoff betrieben werden. „Besonders wichtig ist, dass wir den Wasserstoff selbst herstellen, weil wir sonst anderswo diesen mithilfe fossiler Energieträger herstellen müssten und das ist dann nicht mehr nachhaltig“, merkt er an.

Die neuen Busse haben einen Wasserstoffspeicher als Tank und eine Brennstoffzelle. In dieser reagieren Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser und geben dabei elektrische Energie ab, die einen Elektromotor speisen, der den Bus antreibt.  „Für eine volle Aufladung benötig man etwa zehn Minuten“, sagt Tschersich. Das sei zwar etwas mehr als für einen Diesel-Tank, aber zeitgünstiger als die Aufladung eines Akku-betriebenen Fahrzeugs. Zehn Linienbusse der WSW fahren damit inzwischen schon.

Neben der Gewinnung des Wasserstoffs, sei aber schon die Müllverbrennung nachhaltig, berichtet Tschersich. Denn dabei wird die Rostasche, die sogenannte Schlacke, nach der Verbrennung aus dem verbrannten Abfall herausgefiltert. So gelangen rund 12 000 Tonnen Metall in den Wirtschaftskreislauf zurück. „Und Nachhaltigkeit soll eben nicht nur ökologisch“, sondern auch ökonomisch sein, sagt Tschersich.

Für das Projekt „Power to Gas“ haben  die WSW im übrigen den ersten Platz beim Stadtwerke-Award des Bundes und die Auszeichnung als „Stadtwerk der Zukunft“ erhalten.