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Von der Heydt-Museum Wuppertal zeigt Highlights aus 100 Jahren Kunst

Wuppertal : Von der Heydt-Museum Wuppertal zeigt Highlights aus 100 Jahren Kunst

Das Von der Heydt-Museum Wuppertal bietet in der Ausstellung „1919-2019“ einen sehenswerten Abriss der Kunstgeschichte. Highlights von Dalí, Giacometti, Chagall und Picasso sind genauso zu sehen wie ganz aktuelle Werke zeitgenössischer Künstler.

Er kann Sammlungspräsentationen – das hat Gerhard Finckh immer wieder in den 13 Jahren seines Wirkens im Von der Heydt-Museum bewiesen. Dabei kam ihm der mit mehr als 33 500 Exponaten – Gemälden, Skulpturen, Fotos und Grafiken – aus der Zeit von 2000 vor Christus bis in die Gegenwart bestehende, überreiche und stets wachsende „Fundus“ ebenso zupass wie das Geschick, diesen attraktiv zu verpacken. Seine Abschiedsausstellung „1919-2019: Hundert Jahre Moderne“ macht da keine Ausnahme. Finckh ist seit Mai im Ruhestand, die Ausstellung kann noch bis 22. September besucht werden. Für WZ-Leser am 29. Juni kostenlos, wenn sie die Seite mit diesem Artikel mitbringen.

Mittendrin in der Museumsgeschichte war ein Neuanfang angesagt. Nach Naziherrschaft und Zweitem Weltkrieg, denen mehr 1500 Werke zum Opfer gefallen waren, stand das Museum ziemlich gerupft da. Ankäufe und die Schenkung seiner Namensgeber, der Bankiersfamilie von der Heydt, brachten es aber wieder auf die Erfolgsspur: Dabei achteten Kunst- und Museumsverein und Museumsdirektoren bei ihrer Sammlungsarbeit stets darauf, einerseits Lücken zu schließen und andererseits aktuellen Strömungen der modernen Kunst Raum zu geben. Letzteres geschieht heute unter anderem durch die zukunftsorientierte Renate und Eberhard Robke-Stiftung.

Zirka 130 Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen wurden für die aktuelle Sammlungspräsentation ausgewählt und weitgehend chronologisch in den elf Räumen des Obergeschosses „aufgebaut“. Sie schlagen einen spannenden und informativen Bogen von den Revolutionsjahren nach dem Ersten Weltkrieg bis ins Jahr 2019, in dem sich die Anzeichen mehren, dass die Welt erneut vor großen Umbrüchen steht. Ein eindrucksvoller wie attraktiver Parforceritt durch die Moderne.

20er-Jahre-Exponate sind Herzstück der Sammlung

Die Exponate der 20er Jahre sind ein Herzstück der Sammlung des Von der Heydt-Museums. Finckh wählte Skulpturen von Karl Röhrig aus, der kritisch und vorausschauend arbeitete. Dazu hängt er Carl Hofers „Jünger am Ölberg“, die „schlafen, während Weltgeschichte passiert“. Darum herum Dix, Moholy-Nagy und andere Hochkaräter. Die Zeit des Dritten Reiches und Zweiten Weltkriegs ist durch Anhänger wie Breker, dessen von Kriegsgranaten durchlöcherter Hitlerkopf gezeigt wird, und Gegner/Verfolgte wie Klee oder Beckmann vertreten. Auch ein Bild Hans Hofmanns hängt hier, der in den 30er Jahren in die USA auswanderte, dort in Vorlesungen und Kursen die „jungen Amerikaner“ wie Pollock und De Kooning beeinflusste, die später wiederum ihre Kunst nach Europa brachten.

Dem Surrealismus widmet sich ein weiteres Kapitel – im Zentrum eine Skulptur von Hans Arp, der sich wie Dali oder Max Ernst bemühte, die ebenfalls in dem Raum zu sehen sind, das Unbewusste sichtbar zu machen. Eine spielerische Auseinandersetzung mit der Geschichte können die Besucher in Brad Downeys 2009 gedrehtem Video erleben, der der Napoleonstatue des Pariser Musée de l’Armée einen Löffel an die Nase klebte.

Ein riesiges Foto des ausgebrannten Dachstuhls erinnert im nächsten Raum an „die Stunde Null“ des Museums. In den 50-er Jahren verdrängte die abstrakte geistige Auseinandersetzung die Gegenständlichkeit. Die Zeit des Informel, in der nicht mehr Form und Gegenständlichkeit wichtig waren, sondern Geste und Ausdruck, präsentieren in Wuppertal Werke von K.O. Götz, Peter Brüning sowie des Franzosen Georges Mathieu, dessen großformatiges „Der Brand von Rom“ den Raum dominiert. Es folgten in den 60er Jahren die Künstler des Zero (Piene, Mack, Uecker) und der Farbfeldmalerei (Dubuffet oder Kelly), deren Vertreter mit Farbe und Form experimentierten.

Manche Werke sind erstmals zu sehen

Die Zeit des Wirtschaftswunders mit ihren Industrie-Reihungen repräsentiert unter anderem der Wuppertaler Fotograf Peter Keetman; das berühmte Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher, Begründer der Düsseldorfer Fotoschule, hielt damals den alten Schwebebahnhof Werther Brücke fest. Damit nicht genug, folgen weitere Highlights: Arbeiten bedeutsamer Vertreter der „Internationalen Avantarde“ von Picasso, Giacometti, Richter oder Bacon trug das Museum in den 80er/90er Jahren zusammen. Und Neuerwerbungen, die nach 2000 entstanden und erst in den vergangenen Jahren ins Museum fanden, Bilder und Skulpturen, die teilweise noch nicht zu sehen waren – wie Julio Rondos Werk, das vor kurzem noch in einer Wuppertaler Galerie hing. Alles absolut sehenswert.