1. NRW
  2. Wuppertal

Inklusion: Inklusionsbetrieb Nabas Café scheitert an den Kosten

Inklusion : Inklusionsbetrieb Nabas Café scheitert an den Kosten

Die Gastronomie an der Hagenauer Straße wird geschlossen, die Schulkioske könnten weitergeführt werden.

Das Nabas Café an der Hagenauer Straße schließt. Am 12. Juli wird das letzte Essen gekocht. Das Aus für den Betrieb ist insofern besonders bitter, als es ein inklusiver Betrieb ist. Einer, der Menschen mit Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt integriert. 16 Menschen sind dort beschäftigt, davon sieben mit Beeinträchtigung – vier fest, drei über eine Tagesstrukturmaßnahme oder ehrenamtlich. Das hat den Betrieb vor besondere Herausforderungen gestellt. Solche, an denen er letztlich gescheitert ist. Geschäftsführerin Anne Kathrin Schütz-Wiebe gibt aber auch der Stadtverwaltung und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) eine Mitschuld. Es habe an Unterstützung gefehlt, an der Umsetzung von Zusagen, an der Bereitschaft, weniger bürokratisch zu handeln.

Das Café war nicht wirtschaftlich - helfen konnte keiner

Das Naba’s Café hat die Gastronomie in der kleinen Schlosserei angeboten und darüber hinaus zwei Schulkioske betrieben sowie unter anderem drei Grundschulen und den Kulturkindergarten mit Essen versorgt. 300 Essen seien täglich geliefert worden, sagt Schütz-Wiebe. Wirtschaftlich sei das aber nicht gewesen.

Das habe eben auch mit dem Inklusionsbetrieb an sich zu tun. Der erfordere zusätzliches Personal, denn es gebe höhere Ausfallquoten bei Mitarbeitern mit Beeinträchtigung als bei denen ohne. Dazu müsse immer eine Arbeitsbegleitung dabei sein. „Wir brauchen mehr Zeit, mehr Personal für die gleiche Arbeit wie ein nicht-inklusiver Betrieb“, sagt Schütz-Wiebe. Aber sie betont, dass sie das eben als „echte Teilhabe“ verstehe, als gelebte Inklusion, die die Aufwand auch wert sei.

Um aber das Unternehmen auf sichere Füße zu heben, hätte es eine Vergrößerung geben müssen – sie wollte auf 600 Essen aufstocken. Dafür hätte aber die Küche nicht mehr gereicht, weder vom Platz, noch von der Ausstattung. Aber weder gab es Räume noch hatte das Nabas die Mittel für eine dann notwendige Küche mit EU-Zertifikat. Schütz-Wiebe spricht von 100 000 Euro.

Die Stadt habe nicht helfen können bei der Suche nach einem Standort oder mit Geld. Der LVR habe im Falle einer Vergrößerung sogar die aufwendige Anmeldung eines neuen Gewerbes gefordert, so Schütz-Wiebe. Der LVR sagt, das stimme so nicht. Es hätte lediglich eine Neu-Einschätzung des Betriebs stattfinden müssen. Trotzdem: Insgesamt bemängelt Schütz-Wiebe zu wenig Hilfe für „echte Teilhabe am Arbeitsleben“.

So muss das Nabas schließen, das Catering einstellen. Das bedeutet für die belieferten Einrichtungen die Suche nach einem neuen Caterer. Für die Mitarbeiter des Nabas Cafés bedeutet das wahrscheinlich Arbeitslosigkeit. „Unsere Mitarbeiter haben in die Kassen eingezahlt. Jetzt müssen sie wieder Geld vom Staat nehmen“, sagt Schütz-Wiebe.

Unklar ist noch, was mit den Schulkiosken an der Realschule Neue Friedrichstraße sowie im Berufskolleg Elberfeld passiert. Schütz-Wiebe hatte der Stadt vorgeworfen, sich nicht wie zugesagt um die Ausstattung mit einer Kühltheke und anderen Dingen gekümmert zu haben. Das verschlechtere die Chancen, dass jemand den Kiosk samt Mitarbeitern übernehme. Nach einem Gespräch mit Sozialdezernent Stefan Kühn gab es jetzt die Zusage, dass die Geräte bis zu den Sommerferien kommen. „Das ist fast erledigt“, sagt Kühn auf Anfrage. Immerhin habe die Stadt auch ein Interesse, dass es weitergehe. Generell sei das Ende des Betriebs schade. „Nabas hat super Arbeit geleistet und war ein wichtiger Baustein in Sachen Inklusion.“ Hilfe von der Stadt wäre trotzdem nicht möglich gewesen, unterstreicht Kühn. Die Stadt könne kein Geld an einen wirtschaftlichen Betrieb geben.

Schütz-Wiebe hofft jetzt, dass die Kiosk-Betriebe weitergegeben werden können. Für die gebe es inzwischen auch Interessenten.