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Michael Brischkes letzte Kabarettung

Michael Brischkes letzte Kabarettung

36 Jahre lang hat der Spielleiter seine komödiantischen Schüler angeleitet — nun die Derniere.

Barmen. Eine „Derniere“, eine letzte Vorstellung, gibt es am Ende jeder Spielzeit für alle Künstler-Gruppen. Doch für den Kabarettungsdienst, das Schüler-Kabarett des Johannes-Rau-Gymnasiums, war es am Freitagabend ein wenig anders. Für Michael Brischke, seit 36 Jahren Spielleiter des Kabarettungsdienstes und der Putzkolonne, dem „Brettl“, des Gymnasiums Kothen, war es das Finale seiner Aktivitäten in dieser Position. Darum schien es dem Publikum in der ausverkauften Aula des Johannes-Rau-Gymnasiums eine Herzensangelegenheit zu sein, Brischke, den väterlichen Berater, Lehrer, Regisseur und einfühlsamen Mann am Klavier, mit stehenden Ovationen zu verabschieden.

Michael Brischkes letzte Kabarettung
Foto: Schinkel

Vorher hatte seine „Elf von der Siegesstraße“ in der zwölften Vorstellung dieser Saison noch einmal alles gegeben beim „Verschleierungs- und Verdummungsverbot“. Gleichermaßen wurden Lacher wie Nachdenkliches und Betroffenheit produziert, wurde auch vor Bitterbösem nicht Halt gemacht und das Zeitgeschehen aus Sicht der 13- bis 18-jährigen Mädchen und Jungen karikiert.

Es waren dieselben Jugendlichen, die noch Minuten vor der Vorstellung munter mit den Zuschauern plauderten, Getränke verkauften und Eintrittskarten abrechneten. „Wir sehen das ganz entspannt“, so Michael Brischke, und Nermine Chihi (14) gab lediglich zu: „Vor der Premiere waren wir schon etwas aufgeregt“, während der in Männer- und Frauenrollen gleichermaßen brillierende Noah Schmidt (16) gleichfalls keinerlei Lampenfieber zeigte.

Auffällig: Beim rund zweistündigen Programm gab es keine Hänger. Die frechen Sätze perlten den jungen Kabarettisten nur so von den Lippen. „Das kommt daher, weil die Mädchen und Jungen ihre eigenen Texte vortragen und die mit Überzeugung vertreten.“ Die bissigen, mit viel mimischer Begabung vorgetragenen einzelnen Sketche stammen alle aus den Federn der Jugendlichen.

Sind sie nicht manchmal zu provokant? Der 65-jährige Lehrer sieht das nicht so: „Nein, das regelt die Gruppe unter sich. Da muss ich nicht eingreifen. Vor ein paar Jahren gab es einige, die für die totale Freigabe von Drogen rieten. Das wurde dann nach Diskussionen untereinander wieder entschärft.“ Drogen waren eins der Themen in der Nummer „An deutschen Schulen gibt es kein Drogenproblem — ehrlich!“ Natürlich bekam auch die Politik ihr Fett ab, hatten „Jamaika“ und die „drohende“ Groko, Wendehals Martin Schulz und die Kanzlerin mit der Raute doch ausreichend Stoff für Bissiges, Boshaftes und zum Lachen reizendes geliefert. „Die Nummer „Wer wird die Kanzler-Voice of Germany haben wir fünfmal aktualisiert“, verriet Michael Brischke, der am Klavier die perfekte Begleitung zu der unterhaltsamen Show lieferte. „The show must go on“, heißt es für den Kabarettungsdienst, bei dem Michael Brischke im Gegensatz zur „ewigen Angela“ gleich vier Nachfolger ausgewählt und herangebildet hat. „Jetzt werden wir viermal besser“, hieß es in der Zugabe, „Unser Leiter geht in den Ruhestand, na und?“ ironisch. Aber den gleichfalls nach Erreichen des Schulziels ausscheidenden „Seniorinnen“ Sophia Brischke und Antonia Massmann, beide 18 Jahre alt, war es anzusehen, dass der Abschied schwerfiel.