Rettungswache in Wuppertal: Feuerwehr sieht keine Alternative zur Kemmannstraße

Cronenberg : Die Feuerwehr sieht keine Alternative zur Rettungswache an der Kemmannstraße

Von der Berghauser Straße aus können die Rettungswagen 1700 Bürger weniger rechtzeitig erreichen.

Feuerwehr und Stadt sehen für die neue Rettungswache in Cronenberg nur einen möglichen Standort: die Kemmanstraße. Warum das so ist, das versuchte Feuerwehrchef Ulrich Zander den Bezirksvertretern der BV Cronenberg und einigen aufgebrachten Anwohnern in einer Sondersitzung klar zu machen.

Ausgangspunkt für den Handlungsbedarf ist der neue vom Rat verabschiedete Rettungsdienstbedarfsplan, der eine neue Hilfsfrist von acht statt zehn Minuten definiert hat. Das bedeutet: Die Stadt hat sich das Ziel gesetzt, dass ein Rettungswagen in Wuppertal nicht länger als acht Minuten vom Notruf bis zum Eintreffen am Ziel benötigen sollte – egal ob der Anrufer in Beyenburg oder Sudberg wohnt. Für die Rettungskräfte bedeutet das ein enges Zeitfenster, schließlich müssen zwei Minuten eingerechnet werden, bis sie im Fahrzeug startklar sind. Bleiben noch sechs Minuten Fahrtzeit, um rechtzeitig am Einsatzort zu sein.

Derzeit fahren die Rettungswagen Cronenberg von der Theishahner Straße in Küllenhahn aus an. Was gerade für die Menschen im südlichsten Zipfel Wuppertals problematisch ist. „Wir brauchen bis Sudberg 12 bis 13 Minuten. Das ist eine gigantische Zeit“, sagt Zander mit Blick auf Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, bei denen jede Minute zählt.

Dass eine neue Rettungswache dringend her muss, ist klar. Die Stadt bestätigte: Ein Neubau in Cronenberg hat oberste Priorität. Und über den Ort besteht aus Sicht der Offiziellen auch kein Zweifel mehr. Ideal erscheine ein an die Feuerwache an der Kemmannstraße 45 angrenzendes Grundstück, das den Wuppertaler Stadtwerken gehört und derzeit privat verpachtet ist. Der Standpunkt sei, so Zander, optimal, um einerseits Sudberg innerhalb der Hilfszeit anzufahren und andererseits auch schnell genug in Richtung Norden unterwegs zu sein. Auch das ist wichtig. Zander erinnert: „Die Rettungswachen müssen sich gegenseitig vertreten, wenn ein Wagen gerade draußen ist und ein zweiter Notfall eingeht.“

Anwohner fürchten Lärm und um den Wert ihrer Häuser

Die Cronenberger SPD hatte im Vorfeld der Sitzung mitgeteilt, dass sie die neue Rettungswache gerne an der Berghauser Straße sehen würde, hinter der geschlossenen und inzwischen stark maroden Hauptschule. Doch die Feuerwehr rät davon ab, weil von diesem Standort aus die Abdeckung der Haushalte schlechter sei. 1700 Einwohner könnten von dort aus im Vergleich zur Kemmannstraße weniger rechtzeitig mit dem Rettungswagen versorgt werden. CDU-Bezirksbürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky schloss sich den Argumenten an: „Es wäre unverantwortlich, 1700 Bürger nicht richtig abdecken zu können.“ Einen weiteren möglichen Standort gebe es, so Zander, in Cronenberg nicht.

Hartmut Kissing (Die Linke) zeigte sich nicht überzeugt und sprach sich weiter für die Berghauser Straße aus: „Da gäbe es eine Chance, Feuerwache und Rettungswache zusammenzulegen.“ Dass auch die Feuerwache Kemmannstraße einen neuen Standort sucht, ist bekannt – jedoch ein Problem, das wegen der unterschiedlichen Finanzierung gesondert angegangen wird.

Ulrich Zander warnte davor, jetzt zu lange zu diskutieren und erinnert: „Ziel war es, den Plan Ende 2018 umzusetzen.“ Nun sei man noch immer ganz am Anfang. Das bestätigte Michaela Fasler-Busch vom Gebäudemanagement: „Wir haben noch nicht einmal eine erste Entwurfsplanung. Das Grundstück gehört uns noch nicht.“ Zunächst müsse der Rat grünes Licht für einen Kauf geben.

Auch einige Anwohner waren zur Sondersitzung der BV Cronenberg erschienen und sprachen sich gegen einen Bau in ihrer Nachbarschaft aus. „Das berührt den Wert unserer Häuser“, sagte ein Anwohner, der auch einen Konflikt mit parkenden Autos im Wohngebiet sah. Doch Zander beteuerte: „Wir haben keinen Standort, wo nicht rechts und links Menschen wohnen.“ Andere Redner sprachen ihre Sorge darüber aus, dass Rettungswagen demnächst Tag und Nacht lautstark ausfahren würden. Da konnte Ulrich Zander jedoch Entwarnung geben: „Wir fahren im Wohngebiet mit Blaulicht, aber ohne Signalhorn los.“

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