Vorst und St. Tönis bekommen Rettungswache

Tönisvorst : Interimslösung für die Rettungswache

Im Kreis-Ausschuss soll kurzfristig das Problem der Hilfsfristen in St. Tönis gelöst werden. Ein provisorischer RTW-Standort ist geplant.

Der Kreis Viersen drückt in Sachen Rettungswache für Tönisvorst jetzt aufs Tempo: In einer Sondersitzung des Kreis-Ausschusses für Verbraucherschutz, Ordnung und Rettungswesen am Donnerstag, 20. September, soll eine – zunächst provisorische – Lösung auf den Weg gebracht werden. Für eine Interims-Rettungswache will der Kreis selbst die Trägerschaft übernehmen.

Der Ausschuss soll im Vorgriff auf den nächsten Rettungsdienstbedarfsplan grünes Licht zur Anmietung von Räumen und zur Beschaffung von Fahrzeugen und Material geben. Dadurch entstehen außerplanmäßige Ausgaben in Höhe von 900 000 Euro. Unmittelbar nach der Ausschusssitzung, die um 17 Uhr beginnt, tagt der Haupt- und Finanzausschuss des Kreises, der diese Mittel bewilligen muss.

Der Rettungswagen aus
Kempen braucht zu lange

Der Hintergrund der Maßnahme ist klar: Ein vom Kreis in Auftrag gegebenes Gutachten der Firma Forplan Dr. Schmiedel GmbH aus Bonn hatte festgestellt, dass in St. Tönis die Rettungszeiten nicht eingehalten werden: Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von acht Minuten kann für einen Rettungstransportwagen (RTW), der aus Kempen kommt, nicht immer eingehalten werden.

Dieses Defizit muss schnellstmöglich beseitigt werden. Deshalb soll jetzt zunächst die Interimslösung auf den Weg gebracht werden, bevor später in Abstimmung mit den Nachbarstädten über eine endgültige Lösung entschieden werden kann.

Absprachen mit der Stadt Tönisvorst hat es bereits gegeben. Die befürwortet die Übernahme der Rettungswache durch den Kreis. In Nachbarkommunen wie Kempen und Willich sind die Städte selbst Träger der Wachen. Aus Sicht von Bürgermeister Thomas Goßen macht dies Sinn: Eine bessere Vernetzung führe zu höherer Effizienz. Und der Kreis sei schließlich Träger des Rettungsdienstes.

Auch über mehrere mögliche Standorte hat es Gespräche gegeben. Sie wurden vom Gutachter auch schon geprüft. Die Kreisverwaltung will allerdings derzeit nicht verraten, ob der Interimsstandort zum Beispiel am Krankenhaus angesiedelt werden soll. Auf Nachfrage der WZ teilt Kreispressesprecher Markus Wöhrl dazu lediglich mit: „Die Prüfungen sind noch nicht abgeschlossen.“

Wie Wöhrl ausführt, möchte sich die Kreisverwaltung aber ermächtigen lassen, die Gebäude nach der Standort-Entscheidung sofort anmieten zu können und Rettungswagen mit der erforderlichen Ausstattung zu beschaffen. Außerdem soll im Vorgriff auf den Stellenplan 2019 schon jetzt mit der Einstellung von Personal begonnen werden, damit die Rettungswache schnell arbeitsfähig ist.

Stimmen die Krankenkassen als Kostenträger des Rettungsdienstes zu, können die Ausgaben für die Interimslösungen refinanziert werden. In der letzten Septemberwoche sind dazu Gespräche angesetzt.

CDU-Politiker Maik Giesen, der Mitglied des zuständigen Kreis-Ausschusses ist, freut sich über die mögliche provisorische Rettungswache: „Tönisvorst ist fast am Ziel. Ich hoffe, dass auch die anderen Kommunen diese Lösung unterstützen.“ Für die Bevölkerung werde das auf jeden Fall „eine große Verbesserung“ mit sich bringen.

Thomas Goßen ist zuversichtlich: Die Nachbarstädte hätten signalisiert, dass es zur Interimslösung Zustimmung gebe. Über alles andere – wozu die Diskussion über die Zukunft der Rettungswache Anrath gehört – werde man später sprechen.

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