Salutieren: Fußballverband Niederrhein droht Vereinen mit Strafe

Fußball : Salutieren: Verband droht Vereinen mit Strafe

Schiedsrichter sollen auf den Fußball-Plätzen ein Auge auf „politische“ Verstöße haben.

Die Disziplinarkammer der Europäischen Fußballunion (Uefa) tagt am morgigen Donnerstag zum Verhalten türkischer Nationalspieler beim Länderspiel gegen Frankreich. Die Spieler hatten als Zeichen ihrer Solidarität mit den türkischen Truppen, die derzeit in Nord-Syrien kämpfen, salutiert.

Nachahmer dieses Verhaltens gab es am vergangenen Sonntag in Bayern, wo Spieler eines A-Ligisten ein Tor mit einem militärischen Gruß feierten. Der Bayerische Fußballverband kündigte an, dieses Verhalten nicht zu tolerieren und jeden Fall vor das Sportgericht zu bringen.

In Nordrhein-Westfalen gab es am vergangenen Wochenende ebenfalls drei Fälle im Bereich des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen. Der Fußball-Verband Niederrhein (FVN), dem die Vereine des Kreises Wuppertal/Niederberg angehören, fährt aber eine klare Linie und beruft sich auf seine Statuten. In denen heißt es unter anderem: „Der FVN ist parteipolitisch und religiös neutral. Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen und anderen diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen sowie jeder Form von Gewalt im Zusammenhang mit dem Fußballsport entschieden entgegen.“

Verstöße von Spielern oder Vereinen gegen die Statuten werden nach der Rechts- und Verfahrensordnung des Westdeutschen Fußball Verbands verfolgt. In §12 heißt es unter anderem: „Eines unsportlichen Verhaltens (...) macht sich insbesondere schuldig, wer sich politisch extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend verhält.“ Vereine, die ein entsprechendes Verhalten von Spielern, Offiziellen oder Zuschauern nicht sofort unterbinden, drohen Geldstrafen von nicht unter 500 Euro und Punktabzüge für Mannschaften.

Mögliche Vorfälle werden an die Sportgerichte weitergeleitet

„Die beiden Ordnungen sprechen eine deutliche Sprache“, sagt Henrik Lerch, Pressesprecher des FVN. Er betont zudem, dass, sollte es zu Nachahmern im FVN-Amateurfußball kommen, der Verband sich davon absolut distanziert, da es nicht den Werten des FVN entspreche. Lerch warnt Akteure wie Vereine: „Erfahren unsere spielleitenden Stellen von solchen Vorfällen durch unsere Schiedsrichter, geht das Thema an unsere Sportgerichte und wird dort verhandelt.“

Stefan Langerfeld, Vorsitzender des Kreises Wuppertal-Niederberg, in dem am kommenden Wochenende knapp 60 Spiele anstehen, schließt sich den Ausführungen des FVN und des DFB an, sagt zudem: „Politische Äußerungen und Botschaften haben im Sport nichts zu suchen.“

Das findet auch Gögkhan Güner vom kurdischen Verein BV 85 Azadi und kündigt für Sonntag zum Heimspiel gegen Einigkeit Dornap an, dass ein Plakat mit ähnlichem Inhalt vorbereitet werde. Zu den bereits vorgekommenen Fällen auf den Fußballplätzen in Bayern sagt er er. „Die Leute sollen das in ihrem Heimatland machen und nicht in Deutschland, wo sie die Freiheit genießen.

Vural Virdiloglu, Vorstand beim türkisch geprägten Kreisligisten TFC Wuppertal, will seine Spieler vor dem Hintergrund der Strafandrohung durch den Verband bitten, militärische Grüße zu unterlassen. „Garantieren kann ich dafür aber nicht“, sagt Vidiloglu und sieht die Sache durch die umfangreiche Berichterstattung aufgeheizt. „Bis vor einer Woche hätten meine Jungs gar nicht daran gedacht, so etwas zu machen, sie sind erst jetzt darauf aufmerksam geworden, machen es jetzt vielleicht gerade deswegen.“ Für die allermeisten Türken sei die Militäraktion an der Grenze zu Syrien begründet. 

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