Weisweiler: Vom Camp Nou in Barcelona zum Gelben Sprung in Wuppertal

Bilder erzählen Stadtgeschichte : Hennes Weisweiler ließ die Nachwuchskicker jubeln

Kurt Keil erlebte den Meistertrainer in Barcelona und ein Jahr später am Gelben Sprung.

Vom Camp Nou zum Gelben Sprung, von Barcelona nach Wuppertal. Eine kleine Sensation war es schon, als Hennes Weisweiler am 9. Juli 1976 die Siegerehrung des Fußballturniers der Wuppertaler Grundschüler vornahm. In der Vorsaison hatte Don Hennes den FC Barcelona trainiert und den Machtkampf mit Superstar Johan Cruyff verloren. In der Heimat gewann der 1. FC Köln im folgenden Sommer das Rennen um den Meistertrainer, der mit Borussia Mönchengladbach Fußballgeschichte geschrieben hatte. Und so tauchte Weisweiler am Gelben Sprung im Trikot des 1. FC Köln auf, mit dem er in der Saison 1977/1978 den Gewinn von Meisterschaft und Pokal feierte.

Kaum vorstellbar, was heute los wäre, wenn sich ein Trainer vom gleichen Kaliber angekündigt hätte. Jürgen Klopp, Pep Guardiola – das ist die Liga, in der Hennes Weisweiler spielte. Mit der Fohlenelf vom Bökelberg und mit attraktivem Offensivfußball hatte er in den 1960er und 1970er Jahren den Alleingang des FC Bayern gestoppt. Weisweilers Mannschaften spielten Fußball mit Herz – auch wenn sich der „kölsche Jung“ hinter den Kulissen mit Stars wie Günter Netzer, Johan Cruyff, Wolfgang Overath und am Ende seiner Kölner Zeit auch mit Heinz Flohe und Herbert Neumann überwarf.

WZ-Fotograf Kurt Keil lernte die andere Seite von Don Hennes kennen, wobei er den Meistertrainer bei der Siegerehrung am Gelben Sprung nicht zum ersten Mal vor die Linse bekam. „1975 hatte der Verein Bergische Sportpresse eine Fahrt nach Spanien unternommen, und mit den Kollegen Wolfgang Röhrig und Peter Görtzen habe ich Weisweiler für eine Reportage in Barcelona besucht. Er war sehr freundlich und ließ keine Distanz aufkommen“, erinnert sich Kurt Keil. Vom Trainingsgelände ging es dann zum Mittagessen in Weisweilers Lieblingslokal „Triton“, wo katalanische Spezialitäten kredenzt wurden. Anschließend fuhr Kurt Keil im Cabrio des Meistertrainers mit dem Kennzeichen MG - H 160 als Beifahrer zum Stadion Camp Nou. „Weisweiler hatte einen Fahrstil, der einem das Wasser auf die Stirn trieb. Wir waren zügig auf allen Taxi- und Busspuren unterwegs. Das war für ihn völlig selbstverständlich. In Barcelona haben ihm damals alle zugejubelt“, sagt Kurt Keil. „Weisweiler hat sich von 10 bis 14 Uhr Zeit für uns genommen, offensichtlich hat er sich über den Besuch aus der Heimat sehr gefreut.“

Bodenständig war auch sein Besuch bei den Nachwuchskickern in Wuppertal. Für die Jungs, die den Siegerpokal in Empfang nehmen durften, war es ein unvergessliches Erlebnis. Die Stadt Wuppertal war unter anderem durch den damaligen Vorsitzenden des Sportausschusses, Heinz Salewsky, bei der Pokalübergabe vertreten. Das Fußballturnier der Wuppertaler Grundschulen hat eine lange Tradition, und unter den mehr als 30 000 Teilnehmern in 45 Jahren waren Riesentalente wie Holger Fach und Gonzalo Castro, die es bis in die deutsche Nationalmannschaft schafften.

1976 hatte das Turnier trotz des prominenten Besuchs bei weitem noch nicht den Stellenwert für die teilnehmenden Schulen, den es heute genießt. Heute werden die Spielerinnen und Spieler von ihren Mitschülern und Eltern angefeuert. Auch liefen damals bei weitem nicht alle Teams in schmucken Trikots auf. Längst beginnt inzwischen die Vorbereitung auf das Turnier schon Wochen und Monate vor dem ersten Anpfiff.

Mit der Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank endete 2009 die Ära des Drumbo-Cups in Wuppertal nach der 35. Auflage. Der Ball rollte weiter, weil die Stadtsparkasse als Sponsor einsprang. Beim 1. Turnier um den Sparkassen-Cup waren 2010 dann wieder 57 von damals 60 Wuppertaler Grundschulen mit einem eigenen Team vertreten. Zuletzt am 8. Mai 2019 nahmen 43 Grundschulen an den Gruppenspielen der Vorrunde beim 10. Sparkassen-Cup teil. Das Finalturnier auf dem Kunstrasen des SC Sonnborn und den Turniersieg der Grundschule Nützenberg erlebten 400 bis 500 Zuschauer mit. Mitschüler werden zu Fans, die Gesänge einstudieren und Transparente malen.

Hennes Weisweiler hätte wohl seine Freude an den Spielen gehabt, bei denen es trotz allen Ehrgeizes fair zugeht. Die Begeisterung bei den Siegern ist nachvollziehbar, denn für alle ist es der erste Pokal, den sie in die Höhe recken dürfen. Und die Augen der Spieler glänzen Jahr für Jahr wie einst 1976, als der große Hennes Weisweiler, der immer einen guten Blick und ein großes Herz für Fußballtalente hatte, den Pokal überreichte.

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