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Wuppertaler Tic-Theater geht mit Engels zum Film

Kultur : Tic-Theater geht mit Engels zum Film

Engels-Revue des Cronenberger Theaters wurde als Film inszeniert und produziert.

Sie haben es sich nicht leicht gemacht, schließlich geht es bei ihnen um Menschen, die miteinander agieren. Live und vor Zuschauern - im Normalfall. Entsprechend vorsichtig haben sich die Theatermacher Ralf Budde und Stefan Hüfner der Idee genähert, wegen und in der Pandemie ein Stück ausschließlich als Aufnahme zu inszenieren. Ihr Film „Engels 2.0“ vertritt nun die ehedem geplante Bühnen-Revue des Tic-Theaters zum Jubiläumsjahr. „Das ist schon etwas ganz anderes, eine interessante Erfahrung“, präsentiert Geschäftsführer Budde die jüngste, coronakonforme Premiere seines Hauses. Die zwar gelungen sei, das eigentliche künstlerische Geschäft aber nicht ersetze.

„Engels 2.0“ befragt die Themen, die Friedrich Engels bewegt haben, aus heutiger Perspektive. „Was hat sich seither getan, wie haben sich die Zustände, die Engels in Wuppertal und Manchester anprangerte, in der heutigen Zeit verändert - oder eben auch nicht“, erklärt Budde. Verpackt werden die Antworten in eine Rahmenhandlung: Eine Filmfirma soll einen Beitrag über den Barmer Revolutionär drehen und beauftragt einen Regisseur. Der aufklärerische Ansatz wird mit vielen Wuppertaler Bezügen, Musik und Humor zu einem unterhaltsamen, knapp anderthalbstündigen Stück zusammengefügt.

Die Musik, darunter viele Stücke von Kurt Weill (Musik) und Bertolt Brecht (Text), hat Stefan Hüfner, der das Stück auch geschrieben hat, im Studio eingespielt. Die Jazzsängerinnen Silvia Droste und Jana Konietzki sangen ihre Texte allein ein. Selbst die, die am Ende einen Chor ergeben.

Bei den Aufnahmen stets
alleine auf der Bühne

Dieses Vorgehen prägt die ganze Produktion: Auch die Schauspieler, die wie die Sängerinnen Tic-Theater-Bezug haben, standen bei den Aufnahmen stets allein auf der Bühne des leergeräumten Ateliers in Cronenberg: Die ehemaligen Mitglieder des Schauspielensembles der Wuppertaler Bühnen, Ingeborg Wolff (als Chefin der Filmfirma) und Thomas Gimbel (als Regisseur) sowie Julia Meier, die aktuell dem Schauspielensembe angehört.

Die Kontaktlosigkeit rettet mit Hilfe moderner Technik die Revue, die 2019 für einen Live-Auftritt konzipiert worden war. Durch die Coronakrise war sie zunächst verschoben, dann aufgrund weiterer Beschränkungen auch der Gedanke ans Live-Streaming aufgegeben worden.

Nun ließ die Wuppertaler Firma Siegersbusch Film die Akteure vor einem Greenscreen auftreten. Nachträglich wurden sie dann vor den gewünschten Hintergrund „gesetzt“, die einzelnen Aufnahmen später per Schnitttechnik wieder vereint. Ein für die Theatermacher ganz verrücktes Vorgehen sei das gewesen, da im Vorfeld alles festgelegt werden musste, erzählt Budde. Keine Chance für Änderungen, die bei Live-Aufführungen auf der Bühne möglich seien.

Aufwändige
Postproduktion

Außerdem musste ein Gutteil der im Januar begonnenen Arbeit in die aufwändige Postproduktion gesteckt werden, die zum eigenen künstlerischen Vorgang wurde, so Budde. Die „durchaus ungewöhnliche Mischung aus Musikrevue, Sitcom und Bildungsfernsehen“ können Interessierte ab sofort  auf der TiC-Homepage ansehen.

Für das Live-Theater im Tic aber stehen die Ampeln weiter auf Rot. „Wir sind ja kein Friseur, der die Türen öffnet und Haare schneidet. Wir brauchen neue Aufführungen oder müssen alte aktivieren, aufbauen und proben.“ Solange die Öffnungspolitik an Inzidenzwerte gekoppelt sei, fehle eine langfristige Eröffnungsperspektive, bestehe stattdessen die Gefahr des Auf und Zu. Weshalb eine Öffnung für ein Theater kaum möglich sei, schon wegen des Kartenverkaufs. Außerdem reduzieren die Abstandsgebote die Auswahl in Richtung Ein-Personen-Stücke auf der kleinen Bühne und die Zahl der Menschen im Zuschauerraum – was auf die Stimmung schlagen und den Spaß des Publikums deutlich mindern könne.

Zudem werfen die Restriktionen für das Theater die Frage der Rentabilität auf. Zwar gehe es dem Tic den Umständen entsprechend ganz gut - dank Unterstützung durch Förderverein, Sponsoren, Spenden, öffentlichen Förder- und Überbrückungsprogrammen sowie Kurzarbeit. „Aber auch das ist endlich“, meint der Geschäftsführer skeptisch. Eine wirkliche Besserung werde nur durch den Fortgang von Impfaktion und Schnelltests zu erreichen sein. Eine sinnvolle Theateröffnung, schätzt Budde, könne wohl nicht vor den Sommerferien geschehen.