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Viel Ironie und wenig Kitsch: Jubel für die "Lustige Witwe"

Viel Ironie und wenig Kitsch: Jubel für die "Lustige Witwe"

Die Premiere im Opernhaus glänzte mit Männerballett und guten Darstellern.

Wuppertal. Staatsbankrotte scheinen auch 1905 schon ein Thema gewesen zu sein. Jedenfalls soll die lustige, vor allem aber reiche Witwe Hanna Glawari den pontevedrinischen Staat mit ihren ererbten Millionen retten. Das Bühnenbild (Jürgen Kirner) im Wuppertaler Opernhaus zeigt auf einen Blick, dass es in der Operette von Franz Lehár immer um das liebe Geld geht — rissiger Putz und schiefe Simse in der Botschaft im ersten Akt und später eine riesige, begehbare Geldbörse. Aber natürlich geht es auch um die Liebe. Denn die lustige Witwe will keinen anderen als den Grafen Danilo, den sie früher liebte.

Die leichte Muse ist besonders schwer zu inszenieren, und erfordert Fingerspitzengefühl, um den schmalen Grat zwischen Kitsch, Ernst und Ironie zu treffen. Der Inszenierung von Pascale-Sabine Chevroton gelingt das, trotz einiger Längen. Musik und tänzerische Elemente stehen im Vordergrund. Das ist gut so, denn Lehárs Musik mit farbenreicher Instrumentierung und reizvoller Harmonik und den Liedern, die Ohrwürmer geworden sind, überzeugt auch heute noch. Beim Sinfonieorchester unter Florian Frannek ist sie in guten Händen. Nur anfangs mangelte es an der Feinabstimmung zwischen Bühne und Orchester.

Susanne Geb singt die Witwe mit sicher in die Höhe geführtem, aber auch reich timbriertem Sopran, worunter die Textdeutlichkeit leidet. Kay Stiefermann ist Graf Danilo. Er überzeugt mit Spielfreude und beweglicher Stimme, die bis in tenorale Höhen reichen kann. Das Parallel-Paar geben Dorothea Brandt mit leichtem, unangestrengtem Sopran als Valencienne und Boris Leisenheimer (mit nicht immer ganz freiem Tenor) als Rosillon, die zunächst nicht zusammen kommen können, weil Valencienne mit Zeta verheiratet ist.

Baron Zeta (spielfreudig, aber mit textlastiger Rolle: Miljan Milovic) verbannt die Regie in den Rollstuhl, aus dem er aufspringt, wenn die Emotionen mit ihm durchgehen. Verwicklungsspielchen lockern die Handlung auf. Besonders die Chor- und Tanzszenen der Can-Can-Grisetten des Maxim und ein hinreißendes Männerballett zu „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“ lösen begeisterten Zwischenapplaus aus (Chor-Einstudierung: Jens Bingert). Und Hans Richter, der den im Wiener Dialekt grantelnden Diener Njegus gibt, reißt zu Begeisterungsstürmen hin.

Endlich finden Hanna und Danilo zusammen und gestehen im gar nicht kitschigen Duett „Lippen schweigen, es flüstern Geigen“ einander ihre Liebe. Die Aufführung wird mit viel Applaus bedacht.