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Wuppertaler Kultur: Sinfoniekonzert mit Hausmeister und Karnevalsprinz

Wuppertaler Kultur : Sinfoniekonzert mit Hausmeister und Karnevalsprinz

An Rosenmontag hat sich das klassische Konzert in eine Karnevalssitzung verwandelt.

Ein volles Opernhaus, mitreißende Sänger und ein gut aufgelegtes Orchester – beste Zutaten für ein unbeschwertes Rosenmontagskonzert. Dabei hätte die Tagesaktualität die Stimmung trüben können. Denn unwissentlich haben die Wuppertaler Bühnen 1,2 Millionen Euro zu viel ausgegeben. Die Gefahr der Insolvenz ist noch nicht ausgeräumt.

Eine Situation, die dem Schauspielintendanten Thomas Braus mehr als Kopfschmerzen bereiten muss. Für Hausmeister Pfleiderle, sein karnevalistisches Alter Ego, war sie dagegen eine Steilvorlage. „Nie war ich aktueller als jetzt“, versicherte Braus, als er mit Putzutensilien unterm Arm auftrat. Außerdem hatte er Spar-Ideen dabei, die für ausgelassenes Gelächter sorgten. Der selbsternannte Sparkommissar verzog keine Miene – und engagierte vom Fleck weg zwei Gäste, damit die ihm beim Saubermachen der Bühne halfen. Diese Maßnahme senke schon mal die Arbeitskosten, erklärte er.

An die Ursachen des Problems dachte der literarisch versierte Hausmeister natürlich auch. Als Vorlage nahm er Goethes Faust-Monolog, um sich einen Reim auf die Leute zu machen, die für das „verfluchte, dumpfe Finanzloch“ verantwortlich seien. Resignieren war aber nicht sein Ding. Jubel brandete auf, als er deklamierte: „Die Bühne ist nicht tot. Die Theaterwelt lebt.“

Guter Dinge war Braus beim Auftritt der Wuppertaler Prinzengarde, die mit großem Gefolge und Funkenmariechen die Bühne füllte. Prinz Thomas II. verlieh ihm einen Orden, und auch das Kinderprinzenpaar hängte ihm eine Medaille um. Stellvertretend für das Sinfonieorchester Wuppertal wurden eine Musikerin und Dirigent Johannes Pell ausgezeichnet. Das Konzert verwandelte sich endgültig in eine Karnevalssitzung, als die Garde ihre Lieblingslieder schmetterte. Der Saal sang und schunkelte tüchtig mit.

Unverzichtbare Zutat vieler Operetten ist die Sektlaune. Dem feucht-fröhlichen Repertoire nahmen sich die Solisten Iris Marie Sojer und Mark Bowman-Hester sowie vier Gastsänger des Opernstudio NRW an. Was passieren kann, wenn einem der Champagner zu Kopf steigt, führte Sojer vor. Flüssig gestaltete sie die Strauß‘ „Ich lade gern mir Gäste ein“ und zerdepperte dabei eine Flasche auf dem Kopf ihres Kollegen Gerard Farreras.

Was ihn nicht davon abhielt, mit Bowman-Hester „Vivat Bacchus!“ zu singen – Mozarts Loblied auf den Wein. Und weil ja alles nur Spiel war, saß bei diesem Duett ebenfalls jede Note am richtigen Platz. Da es keinen Chor auf der Bühne gab, holte sich Farreras für sein Solo Unterstützung beim Publikum und hob am Ende anerkennend die Daumen.

Feiern und Flirten gingen – typisch Karneval – ineinander über. Fein abgestimmt besangen Penny Sofroniadou und Adam Temple-Smith das Liebesnest, früher „Chambre séparée“ genannt. In reich geschmücktem Abendkleid machte Giulia Montanari einen Ausflug ins Musical-Genre. Leonard Bernsteins „Glitter and be gay“ beschrieb die Liebe zum Luxus, und Montanaris Koloraturen waren erstklassig.

Für die Sängerriege war das Sinfonieorchester ein verlässlicher Partner. Beim Melodiereigen, der in einem „Fledermaus“-Potpourri kulminierte, dachte und fühlte Dirigent Pell mit und trug nie zu dick auf. Wie gehabt gab er den Stab fürs Finale an Thomas Braus. Während das Publikum „Heidewitzka, Herr Kapitän!“ und „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ sang, agierte der Schauspieler wie in einem Loriot-Sketch. Er schlenkerte mit den Armen, als wolle er im nächsten Moment davonfliegen, und seine Beine führten einen schwindelerregenden Tanz auf. Wirklich eine Augenweide.