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Wuppertaler Kultur: Generationenwechsel an der Musikhochschule

Wuppertaler Kultur : Generationenwechsel an der Musikhochschule

2020 werden mindestens vier Professorenstellen neu besetzt. Vielseitige Ausrichtung heißt das Motto.

Gustav Mahler, der 14 Jahre älter als Arnold Schönberg war, habe mal im Hinblick auf dessen Zwölftonmusik gesagt, die Jugend habe recht. Das stimme, sagt Lutz-Werner Hesse und überträgt die Aussage auf das, was sich 2020 an der Musikhochschule in Barmen tut. Ein Generationenwechsel im Lehrkörper, weil die Babyboomer in die Jahre kommen, in Rente gehen. Vier bis fünf Professoren müssen zum Wintersemester neu gefunden werden. Gesucht werden Menschen, die breit aufgestellt sind, unterrichten, Konzerte geben. Die Auswahlgespräche laufen auf Hochtouren, erzählt der geschäftsführende Direktor Hesse.

Die letzten zwei Jahre waren schwierig: Das denkmalgeschützte Gebäude an der Sedanstraße war eine Baustelle, Fassaden und Dach wurden saniert, die Technik erneuert. Bis auf ein paar Schönheitsreparaturen sei seit November alles überstanden, freut sich Hesse, der mit seinem Team einen Umzug in ein Renovierungsprovisorium abgelehnt und den Unterricht vor Ort fortgeführt hatte.

Ein Schwerpunkt liegt
auf den Zupfinstrumenten

191 Studierende zählt die Hochschule für Musik und Tanz am Wuppertaler Standort. Bei den Instrumenten liegt ein Schwerpunkt auf den Zupfinstrumenten. Wuppertal hat die einzige Mandolinen-Professur weltweit und in Vollzeit. Der Lehrkörper umfasst 70 Lehrkräfte, darunter 55 Lehrbeauftragte. Hier herrsche stets viel Bewegung, der nicht gerade üppigen Bezahlung wegen, erzählt Hesse. Das Land, beschreibt er diplomatisch, „hat den Willen, die Situation zu verbessern, aber die Lösung muss auch gut sein“.

Unabhängig davon werden für Violine, Violoncello, Klavier und Ensembleleitung derzeit neue Professoren gesucht, die Auswahlverfahren bei Violine und Violoncello sind gelaufen, die Entscheidungen müssen noch die Gremien passieren. Möglichst im Mai/Juni, hofft Hesse, sollten die neuen Kräfte da sein, weil dann die Eignungsprüfungen für das Wintersemester anstehen. Das Gleiche gilt fürs Klavier, dessen Termine sturmbedingt auf Anfang März verschoben werden mussten. Mehr Zeit steht für die Ensembleleitung zur Verfügung, die für den Mai terminiert ist. „Vielleicht kommt noch eine weitere Professorenstelle dazu.“ Aber das sei noch nicht spruchreif. Fest steht aber, dass sich die Musikhochschule verjüngen wird. „Beim Klavier lag der Schwerpunkt der 145 Bewerbungen auf den 30 bis 40-Jährigen.“ Das seien „gut ausgebildete Leute mit einem atemberaubenden Niveau“, sagt Hesse anerkennend, die „eine neue Generation im Hinblick aufs Musikerleben verkörpern“.

Viele unterrichten
und arbeiten frei

Heutzutage spielen viele Musiker nach ihrem Abschluss nicht mehr auf Lebenszeit im Orchester, sondern unterrichten auch und arbeiten kreativ frei, also schaut auch die Hochschule nach Lehrkräften, die diesem Profil entsprechen. Der Generationenwechsel sei hierbei eine gute Gelegenheit, das umzusetzen. Hesse: „Wir haben ja den bildungspolitischen Auftrag, durch Beratung Möglichkeiten aufzuzeigen, damit die Studierenden Optionen haben, wenn ein Weg nicht klappt.“

Der Wuppertaler Musikhochschul-Standort ist für seine künstlerisch-pädagogische und praxisbezogene Ausbildung bekannt. Pragmatismus, der Wille zur Weiterentwicklung und Experimentierfreude sind gefordert. „Wir sind so etwas wie ein Labor“, sagt Hesse. Konzert-Praxis können die Studierenden in den zahlreichen Ensembles der Hochschule erwerben, die gerne für Auftritte angefragt werden. Es gibt verschiedene kammermusikalische Gruppen, das Hochschulorchester, das Schönberg-Ensemble für Neue Musik, das Zupforchester und den Sedan-Chor.

Außerdem kommt den Musikhochschülern die gute Vernetzung der Hochschule zupass, die Kooperationen mit der Bergischen Universität und der Bergischen Musikschule pflegt, mit der sie überdies durch eine gemeinsame Vergangenheit – beide gingen aus dem Bergischen Landeskonservatorium hervor – verbunden ist. Personelle Verflechtungen sind keine Seltenheit, der Leiter der Musikschule beispielsweise hat an der Musikhochschule studiert. Zusammenarbeit gibt es auch mit Sinfonieorchester und Bühnen Wuppertals, mit dem Von der Heydt-Museum und anderen Einrichtungen wie der Bandfabrik oder der Börse. „Wir stehen vor vielen tollen Veränderungen“, blickt Hesse nach vorn: „Da kommt viel positive, kreative Energie, die uns bereichert.“