Wuppertaler Bühnen: Wenn Hausmeister Pfleiderle die Sinfoniker anleitet

Wuppertaler Bühnen : Wenn Hausmeister Pfleiderle die Sinfoniker anleitet

Multitalent Thomas Braus überzeugte am Rosenmontag als Dirigent, Sänger und Dichter.

Spätestens seit dem Rosenmontagskonzert sollte es jeder kapiert haben: Man muss nicht ein seriöses Dirigierstudium hinter sich haben, um ein Orchester vernünftig leiten zu können. Thomas Braus ist solch eine Persönlichkeit. Der Schauspielintendant ging beim abschließenden Rheinischen Potpourri ganz akkurat im schwarzen Frack gestenreich mit dem Taktstock um, wozu das Sinfonieorchester ohne Fehl und Tadel spielte – geht doch. Folglich hatte daran das zahlreich erschienene jecke Publikum im Opernhaus seine helle Freude.

Doch damit nicht genug. Braus kann nämlich noch viel mehr. Er kümmert sich nicht nur rührend um die Geschicke der hiesigen Schauspielsparte. Jetzt ließ er endlich die Katze aus dem Sack. Denn er entpuppte sich als ein wahres Multitalent. Kaum einer wusste wohl, dass er professionell mit Statistiken umgehen kann. Wer dieses Metier beherrschen will, muss ein ausgezeichneter Zahlenjongleur sein. Und siehe da, flugs rundete er gekonnt so großzügig die Zahl der Gäste mit ihrem sehr hohen Altersdurchschnitt nach oben auf, dass er auf 1000 anwesende Besucher kam. Besser geht’s nicht.

Auch ein großer Dichter ist an ihm verloren gegangen. Er ließ sich Stichworte wie Seilbahn, Schwebebahn, Oberbürgermeister, Einwohnermeldeamt zurufen. Damit verzog er sich und verfasste einen herrlichen „Liebesjubel“ zum 90. Geburtstag Wuppertals, den er anschließend zum allgemeinen Ergötzen vorlas. Als Hausmeister Pfleiderle war er sich ebenfalls nicht zu schade. Vor der Veranstaltung überkam ihn der Putzfimmel, kehrte sorgsam an allen Ecken und Enden und achtete geflissentlich darauf, dass ihm die Gäste mit einem Staubwedel nacheiferten.

Singen kann Braus erst recht. Ein Sänger schwänzte. Also übernahm er wie ein ausgebildeter Profi die Rolle im Duett „Es ist so schön, am Abend bummeln zu geh’n“ aus Paul Abrahams Operette „Ball im Savoy“.

Apropos Musik, die gab es natürlich reichlich. Die kostümierten städtischen Sinfoniker spielten schwungvoll unter der Leitung von Johannes Pell Operettenseligkeiten von Oscar Straus („Eine Frau, die weiß, was sie will“, „Ein Walzertraum“, „Rund um die Liebe“), die Ouvertüre zur komischen Oper „Donna Diana“ von Emil Nikolaus von Reznicek und weitere Ausschnitte aus „Ball im Savoy“. Bestens disponiert waren dabei zudem die Gesangssolisten Annika Boos (Sopran), Julia Reznik und Banu Schult (beide Mezzosopran) sowie Sangmin Jeon (Tenor). Der Opernchor (Einstudierung: Markus Baisch) begeisterte ebenfalls.

Vor der Pause wurde kurz der Wuppertaler Hochadel vorstellig. Stephan I. und Sabine I. samt Riesengefolge bevölkerten die Bühne, gaben einhergehend mit viel Wuppdika den Wuppertal-Song dieser Session zum Besten und verteilten freizügig ein paar Orden.

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