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Kultur: Neuer, alter Platz für Offenbach

Kultur : Neuer, alter Platz für Offenbach

Unter den Nazis wurden die Namen jüdischer Komponisten von der Fassade der Stadthalle abgeschlagen. Detlef Muthmann sorgt dafür, dass sie zurückkommen.

Wuppertal. Am Olymp über dem Portal der Stadthalle hat nie jemand gerüttelt: In der Mitte steht der Name Beethoven, rechts Goethe und links Schiller. Heftiger ging es auf den Seiten zu, obwohl die 25 Namen verstorbener deutscher Komponisten und Dichter zur Einweihung 1900 in Stein gemeißelt wurden. Fünf Plätze ließ man frei, offensichtlich als Reserve.

Foto: Anna Schwartz

Auf den Sandsteinplaketten, die rundum über den großen Rundbogenfenstern angebracht sind, waren neben Mozart, Wagner und Johann Strauss auch drei jüdische Komponisten aufgeführt — Felix Mendelssohn, Giacomo Meyerbeer und Jacques Offenbach. Ihre Namen wurden 1934 „in vorauseilendem Gehorsam abgeschlagen“, wie Detlef Muthmann annimmt. Stattdessen wurden Brahms, Bruckner und Reger hinzugefügt.

Die Zerstörung der drei Namen hat den früheren Unternehmer seit langem gewurmt: Weil die jüdische Bevölkerung ja mit Steuern und Spenden zur Finanzierung der Stadthalle beigetragen hat und aus lebenslanger Liebe zur Musik — Muthmann finanziert seit 2011 die hochkarätige Kammermusikreihe „Saitenspiel“.

Deshalb hat der 75-Jährige jetzt dafür gesorgt, dass die Namen nach 82 Jahren wieder auf der Fassade erscheinen: Mendelssohn auf der Ostseite (Richtung Bahnhof und Sparkasse), Offenbach, Meyerbeer und Reger auf der Westseite. Die Steinmetzarbeiten sind fast beendet.

Detlef Muthmann ist in der Elberfelder Südstadt aufgewachsen und hat von Kindesbeinen an Konzerte in der Stadthalle besucht. Seine Mutter, die häufig über die Treppe neben der Stadthalle zur Augustastraße ging, hatte ihm erzählt, wie sie auf dem Weg jedes Mal nach Mendelssohn geschaut habe.

Damit wusste sie mehr als die heutige Stadthallenleitung und der Denkmalschutz. Denn während der Sanierung der Stadthalle habe es Überlegungen gegeben, die drei abgeschlagenen Namen wieder anzubringen, sagt Herbert Heck, stellvertretender Geschäftsführer. Doch weil man keine Unterlagen gefunden habe, wo genau sie gestanden hatten, habe man das damals gelassen.

Weil er oft dachte, „es wäre doch schön, wenn die Namen einfach wieder da wären“, hat Muthmann seinen Wunsch vor etwa zwei Jahren an die Stadthallenleitung, den damaligen Oberbürgermeister Peter Jung und den Denkmalschutz herangetragen. Für den Vorschlag war man offen, zumal Muthmann für die kompletten Kosten von rund 20 000 Euro aufkommen wollte.

Die Idee, die Namen aller drei jüdischen Komponisten auf die freien Plätze der Westseite zu meißeln, lehnte er allerdings ab: „Das wäre ja wieder ein Ghetto.“ Deshalb muss Reger nun den Platz für Mendelssohn räumen und zieht frisch bearbeitet von der Ost- auf die Westseite. Bei ihm habe auch schon ein Buchstabe gefehlt, sagt Herbert Heck. Brahms und Bruckner, die in den 30er Jahren Meyerbeer und Offenbach ersetzt haben, bleiben aber dran: „Die Komponisten können ja nichts dafür“, so Muthmann. Er hätte auch Ideen für die letzten beiden freien Plätze („Stockhausen“), doch dagegen hat der Denkmalschutz Einwände.

Gegen eine Einweihungsfestlichkeit wehrt sich Muthmann beharrlich, wenn die Gerüste abgebaut sind, ist für ihn die Sache erledigt: „Wir als Nachgeborene haben nicht das Recht, uns als Gutmenschen darzustellen.“