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Komödie: Der nackte Wahnsinn - Chaos an den Bühnen

Komödie: Der nackte Wahnsinn - Chaos an den Bühnen

Ein Brite inszeniert die Farce eines Landsmanns: Im Namen von Michael Frayn macht sich Robin Telfer übers Theater lustig.

Welch ein Theater! Requisiten fehlen, Türen klemmen, Stars verpatzen ihren Auftritt. Andere Regisseure hätten die renitenten (Selbst-)Darsteller längst in die Wüste geschickt. Oder, weil die Suche nach Sand in Wuppertal mühsam ist, zumindest mit drohender Faust aus dem Schauspielhaus gejagt.

Nur einen kann all das nicht aus der Ruhe bringen: Robin Telfer reibt sich vor Freude die Hände, weil "Der nackte Wahnsinn" durch ihn ins Schauspielhaus einzieht. Das ganze Theater ist ja auch nur gespielt. Telfer nimmt’s mit Humor: "Wir haben bei Proben selten so viel gelacht."

Das Publikum darf sich daran ab Samstag ein Beispiel nehmen. Denn die Farce von Michael Frayn lädt ausdrücklich dazu ein: Augenzwinkernd nimmt der britische Autor das Leben auf und hinter der Bühne auf die Schippe - den eigenen Berufsstand inklusive. Frayn beschreibt, was sich sonst im Verborgenen abspielt: die Intrigen und Missverständnisse innerhalb einer Theatertruppe, die für "Nackte Tatsachen" sorgt. Gleich dreimal sieht das Publikum, wie das Stück präsentiert wird - als Probe, reguläre Vorstellung und letzte Aufführung. Die beweist am Ende, dass sich jedes Chaos steigern lässt.

Der Blick hinter die Kulissen ist zwar nicht neu, aber immer wieder komisch: "Der nackte Wahnsinn" feierte in den 80er Jahren seinen Durchbruch auf dem internationalen Theaterparkett.

Nun bringt Telfer das Wahnsinns-Programm ins Schauspielhaus. Die Sommerkomödie ist seine fünfte Produktion im Tal und "eines der komischsten Stücke, die ich kenne". Doch im Ernst: Wie viel Wahrheit steckt im Stück? Da braucht der Brite, der zuletzt "Die Ratten" von Gerhart Hauptmann in Wuppertal ans Laufen brachte, nicht lange zu überlegen: "Die Handlung ist an der Realität nah dran."

Mit anderen Worten: "Es gibt keine Szene, die ich nicht auch selbst schon erlebt hätte", sagt Telfer mit einem Schmunzeln. "Es wirkt natürlich überspitzt - durch die Anhäufung der Katastrophen." Den "sehr klug durchkomponierten" Text hat er kaum gekürzt. Schließlich sei er nicht nur Basis für einen vergnüglichen Abend, sondern durchaus philosophisch zu verstehen: "Anarchie und Chaos lauern in jedem Menschen, können also jederzeit an die Oberfläche kommen."

So wie am Samstag, wenn Telfer vor allem einen aufmerksam verfolgen dürfte: Georg Lenzen spielt einen Regisseur. Zwei seiner Kollegen feiern dabei einen wahrhaft komischen Ausstand: "Der nackte Wahnsinn" ist der letzte Einsatz für Anja Barth und Thomas Birnstiel, die sich mit Witz und Chaos aus dem Ensemble verabschieden.