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Falk hält Open-Air in Wuppertal das Publikum bei der Stange

Kultur : Falk hält beim Open-Air-Konzert sein Publikum bei der Stange

Konzert auf der Waldbühne Hardt kommt gut an.

Endlich Falk! Das dachten wohl viele, die sich am Freitagabend vor der Waldbühne Hardt versammelten. Eigentlich wollte der Liedermacher im April schon im Haus der Jugend auftreten. Leider kam Corona dazwischen – und als Alternative zum Frühlingskonzert organisierte das LCB-Team eine Open Air-Veranstaltung zum Sommerausklang. Worüber der Künstler, der mit einem ausgedünnten Terminplan zurechtkommen muss, mindestens so froh war wie sein Publikum. „Ihr seid ab jetzt meine Lieblingsmenschen in Wuppertal“, sagte Falk, als er unter begeistertem Applaus ins Rampenlicht trat.

Falk nimmt in lässiger Manier Absurditäten unter die Lupe

„Ist das glutenfrei?“ heißt sein aktuelles Album. Darauf nimmt der Wuppertaler, der seit 2011 in Berlin wohnt, in gewohnt lässiger Manier Zeitgeistphänomene und andere Absurditäten unter die Lupe. Und live reichen ihm weiterhin Stimme und sechs Saiten, um die Stimmung mächtig zu heben. Dabei sind die Texte und Mitsingrefrains frei von Haudrauf-Humor. Es sind an sich harmlose Situationen, aus denen Falk seine Pointen entwickelt. So zum Beispiel „Im Biomarkt“. Da will der Sänger bloß ein Brot kaufen – und ist schnell überfordert von all den „Superfood“-Angeboten. Was ihn aber endgültig durchdrehen lässt, ist der Schlaumeier-Jargon der Stammkunden.

Dass seine Zuhörer aus dem Lachen kaum herauskamen, lag aber auch an Falks Bühnenansagen. Den neuen Song „Leiden“, bei dem die Schmerzen im eigenen Tennisarm „fürchterlicher“ scheinen als jede andere Katastrophe, schloss er mit den Worten: „Und – habt ihr euch wiedererkannt?“ Worauf einige lauthals zustimmten. „Björn“ wiederum kündigte er als „Mitmachlied für Leute, die nicht gerne mitmachen“ an. Tatsächlich musste man nur einen „Oh Björn!“-Stoßseufzer von sich geben, um den Titelhelden – einen notorischen Tollpatsch – zu bemitleiden.

Durch die Ironie schimmerte Ernst durch, als Falk versicherte, er wolle niemandem von der Bühne herab die Welt erklären. Tatsächlich setzt sein Liedschaffen nicht auf Belehrung, sondern auf Konfrontation. So schlüpfte er in „Raucher“ in die Rolle eines militanten Nichtrauchers – und wünschte im nächsten Atemzug „eine schöne Raucherpause“.

Mit unbeschwertem Ton
nimmt er sich selbst auf den Arm

Bitterböse wurde der Spott allerdings dann, wenn er sich gegen Aberglauben richtete. Über ruppigen Gitarrenakkorden besang Falk die „Eigenurintherapie“ – angebliches Heilmittel gegen jedes nur denkbare Übel auf der Welt. Unbeschwerter im Ton waren die Titel, in denen er sich selber auf den Arm nahm. In „Meine Freunde“ beginnt er zwar mit den Macken der anderen, geht dann aber umso deutlicher mit sich selbst ins Gericht. Und „Thorben“, in dem er einen „Heimwerker mit romantischer Ader“ durch den Kakao zieht, nannte er unumwunden „eine Missgunstmelodei“. Auf den Frauenschwarm, der „Dichter, Denker und Reparierer“ in einer Person ist, blicke er mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Neid.

„Thorben“ gehörte zu den Songs der Vorgängeralben, auf die der Musiker gern zurückkam. Perfekt passte „Smogsehnsucht“ zur steinernen Naturkulisse der Waldbühne. Das Titelstück seines 2015 veröffentlichten Albums entwirft eine ländliche Idylle. Das Problem ist nur, dass das Ich des Liedes damit überhaupt nichts anzufangen weiß. Stattdessen stellt sich die Sehnsucht nach dem Duft der Stadt, nach „Benzin, Urin und Schweiß“ ein.

Noch ist unklar, wann Falk das nächste Mal in der alten Heimat auftritt. Beim Open Air-Konzert jedenfalls schaffte er es spielend, sein Publikum zwei Stunden lang bei der Stange zu halten. Selbst der einsetzende Nieselregen konnte der entspannten Atmosphäre nichts anhaben.