Von der Heydt-Museum Wuppertal: Der berühmteste vergessene Elberfelder

Von der Heydt-Museum Wuppertal : Der berühmteste vergessene Elberfelder

Sonderschau zu Peter Schenck ab Sonntag.

Es geht um den „berühmtesten Elberfelder, der jemals in Vergessenheit geriet“. Peter (Pieter oder Petrus) Schenck, 1660 in Elberfeld geboren, Miterfinder des Farbstichs, zum Niederländer erklärter „Unternehmer-Künstler“, der zu Lebzeiten zu Weltruhm gelangte, wird aus der Vergessenheit befreit. Im ersten Obergeschoss des Von der Heydt-Museums zeigt eine Sonderschau ab Sonntag 75 Werke Schencks sowie 41 Gemälde oder Grafiken seiner Zeitgenossen, die seine Bedeutung spiegeln.

Eigentlich suchte Museumsdirektor Gerhard Finckh französische Grafiken des 17. und 18. Jahrhundert, stieß auf Schencks Stich mit dem Löwen (der jetzt das Ausstellungsposter ziert). Beginn einer Beschäftigung, die ein ansehnliches Museumskonvolut „barg“ und eine umfangreiche Ausstellung hervorbrachte. Schencks Lebensweg, so Kuratorin Anna Storm, führte schon früh nach Amsterdam – die Niederlande erlebten im 17. Jahrhundert eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Ausdruck dessen war eine heißlaufende druckgrafische Produktion. Es war die Hochzeit des Mezzotinto (Schabkunst), die auch Schenck bei seinem Lehrer Gerard Valck erlernte, mit dem er später einen erfolgreichen Kunstverlag führte. Um sich von anderen Künstlern abzuheben, brachte Schenck mit Hilfe des Erfinders und Unternehmers Johannes Teyler Farbe in die Druckgrafik. Storm: „Er hatte eine Vision. Als es ihm gelang, sie zu realisieren, hatte er ein Alleinstellungsmerkmal.“ Und machte Karriere, er wurde Hofgraveur von König August dem Starken von Sachsen-Polen. Ob Schenck jemals wieder in seine Heimat zurückkehrte, wisse man nicht, aber Bild-Signaturen zeugen von seiner Verbundenheit mit Elberfeld. Er starb vermutlich 1711.

Schenck bewies nicht nur technische Könnerschaft, sondern auch künstlerische Vielfalt, er schuf landschaftliche Darstellungen, Veduten und Landkarten, Tier- und Kostümmotive, mythologische Szenen, Genre- und Sittenbilder. Besonders zahlreich sind seine Porträts berühmter Persönlichkeiten wie René Descartes.

Feine, präzise Kunstwerke
mit Strahlkraft

Wer die acht thematisch sortierten Räume im Museum besucht, sollte Zeit investieren. Die Werke sind klein, offenbaren vor allem in der Nähe ihre Feinheit, Präzision und Strahlkraft. Der „Elberfelder in Amsterdam“ (Raum 1) war selbstbewusst, wie Selbstbildnisse beweisen. Seine in der höfischen wie der bürgerlichen Welt gefragten Landkartenstiche machten ihn ebenso bekannt (Raum 1 und 8) wie seine Repräsentationsporträts zeitgenössischer Prominenz, die die größte Motivgruppe der Ausstellung (Raum 4) ausmachen. Das wirklich Spannende, seine Farbstiche, so Storm, werden samt Werkzeugen vorgestellt (Raum 2), des weiteren seine Familie (Raum 3), deren Abbildungen Parallelen zur Tradition am Hofe des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. aufweisen. Schencks Genrebilder, etwa zu den fünf Sinneswahrnehmungen (Raum 5), werden gezeigt sowie Stiche wie der des Inneren der Peterskirche, die für das damalige große Interesse der Künstler an Italien standen (Raum 7). Storm: „Wir haben wenig Quellen, aber wir haben die Druckgrafiken.“ Und die sind sehr beredt. mws

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