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Bergische Kantorei: Idealisten geben nicht auf

Bergische Kantorei: Idealisten geben nicht auf

Vor einem Jahr übernahm Matthias Lotzmann die künstlerische Leitung. Nun lädt er zum ersten „Bergischen Singtag“.

Wuppertal. "Der Idealismus ist da, es ist aber trotzdem sehr mühselig." Sabine Loose-Grimmel bringt die Stimmung auf den Punkt. Wer die begeisterte Sängerin und ihre Vorstandskollegen auf die Zukunft der Bergischen Kantorei Wuppertal anspricht, spürt es sofort: Die 80 Chormitglieder sprechen mit einer Stimme - und haben sich nicht aufgegeben.

Im Gegenteil. "Das Klima ist gefestigt", betont Karl-Heinz Wagener als Vorsitzender. Auch Matthias Lotzmann ist froh, dass seine Sänger nach der Finanzmisere nicht in Depressionen verfallen sind. "Wir sind eine tolle Gemeinschaft", sagt der künstlerische Leiter - obwohl oder gerade weil die vergangenen Monate nicht einfach waren.

Im Frühjahr 2005 war die Stimmung am Boden. Damals war bekannt geworden, dass die an der Kantorei beteiligten Gemeinden Wupperfeld und Unterbarmen-Mitte den Rotstift zücken. Das Ende vom Lied war eine "betriebsbedingte" Kündigung von Kantor Carsten Zündorf. Allein der Förderverein verhinderte das endgültige Aus: Nach Zündorf übernahm Lotzmann 2006 die Kantorei.

Sabine Loose-Grimmel erinnert sich noch heute mit Bangen: "Wir standen vor der Frage: Machen wir weiter, oder geben wir auf?" Die Kantorei machte weiter - nicht mit anhaltender Verbitterung, sondern mit unermüdlicher Euphorie. Mit genau der blickt Lotzmann optimistisch in die Zukunft: "Wir sind jetzt selbstständig. Nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch."

Nein, nachtreten wollen die Sänger nicht - auch wenn nicht zu überhören ist, dass sie enttäuscht sind, weil die Kirchenleitung nicht das Gespräch suche. "Es wäre fatal, wenn es jetzt hieße: Seht doch, es geht auch ohne Geld." Denn ohne finanzielle Basis geht es natürlich nicht. Die liefert inzwischen der 100 Mitglieder starke Förderverein. "Die Nähe zur Gemeinde wurde aber nicht aufgegeben." Das ist Lotzmann wichtig - genauso wie der Auftritt im Gottesdienst.

In der Hauptkirche Unterbarmen und der Alten Kirche Wupperfeld arbeitet die Kantorei an ihrem Profil. Pläne gibt es schließlich genug: Bach-Kantaten will Lotzmann regelmäßig aufführen, im Oktober steht das Brahms-Requiem auf dem Programm, und am 16. Juni gibt es eine Premiere: den ersten "Bergischen Singtag". Der wird nicht nur von viel Idealismus, sondern vor allem von der Hoffnung getragen, dass auch neue Stimmen die Liebe am Singen entdecken.